Kubas Streichholz-Problem

Gebrochenes Versprechen: Jedem Kuba-Bürger müsste monatlich eine Streichholzschachtel zur Verfügung stehen. (Foto: Oscar Alba)

Kuba hat wie jedes Land grosse und kleine Probleme. Im Unterschied zu fast allen anderen Nationen auf dieser Erde kümmert sich im System Castro jedoch der Staat um jedes Problem – von den Windeln über den Reiskocher bis zur Sargproduktion. Kürzlich waren wieder einmal die Zündhölzer ein Thema. Das Organ der regierenden Kommunistischen Partei, Granma (Grossmutter), ging auf einer ganzen Zeitungsseite der brennenden Frage nach, weshalb es in Kuba immer noch derart schwierig sei, ein Streichholz anzuzünden.

Der Reihe nach: Wie viele andere Produkte des täglichen Bedarfs sind in Kuba auch die Zündhölzer rationiert und subventioniert. Der Staat garantiert jedem Bürger, vom Kind bis zum Pensionär, eine Schachtel pro Monat zum Preis von umgerechnet 0,4 Rappen. Gemäss Normen und Plansoll des Industrieministeriums müsste jedes Schächtelchen 70 Zündhölzer enthalten, jedes 29 bis 33 Millimeter lang, mit einem Durchmesser von 1,25 Millimeter und einem 4,5 bis 5,5 Millimeter langen Schwefelkopf; und die vier staatlichen Streicholzfabriken sollten pro Jahr 146 Millionen Schachteln produzieren. So viel zu den Vorgaben.

Kaputte Maschinen und falsche Lagerung

Die Probleme: Ständig mangelt es an Zündhölzern; viele Schachteln enthalten nicht einmal halb so viele Streichhölzer wie vorgeschrieben; sehr viele entzünden sich nicht, weil der Schwefelkopf feucht oder zerbröselt ist oder weil das Hölzchen, das nicht aus Holz, sondern aus feinstem, gerolltem Papier ist, sich verkrümmt beim Streichen an der rauen Oberfläche. All diese Probleme geben Anlass zu konstanten Klagen – in Leserbriefen, am Kochherd, in den Bodegas, wo die Bürger ihre Monatsrationen beziehen.

Granma ist den Ursachen auf den Grund gegangen. Letztes Jahr konnte das Plansoll nicht erfüllt werden, weil die vier Streichholzfabriken nur während sechs Monaten produzierten – die Maschinen, allesamt älter als 60 Jahre, machen schon seit langem Probleme. Die Nationale Vereinigung für Innovation und Rationalisierung sowie zehn Staatsbetriebe sind seit Jahren fieberhaft damit beschäftigt, Ideen und Ersatzteile zu erfinden, um die Maschinen immer wieder zu reparieren und am Leben zu erhalten.

Fortsetzung folgt…

Schwierigkeiten gibt es auch beim Rohmaterial. In jedem Streichholz und jeder Schachtel stecken 24 Werkstoffe, 17 davon muss das Land importieren. Zeitweise unmöglich, weil das Geld fehlt. Viele Schachteln sind halb leer wegen «mangelnder Disziplin und Moral» der Fabrikarbeiter. Die Schwefelköpfe taugen nichts, weil die Streichholzschachteln zu lange in den Lagern liegen bleiben, was mit den chronischen Transport- und Treibstoffproblemen zu tun hat. Das tropisch-feuchte Klima weicht das Zündmaterial und das Papierstäbchen auf.

Gemäss Granma beschäftigen sich die Direktorin der Nationalen Streichholzfabrikation, mehrere Ministerien, das nationale Parlament und diverse Kommissionen seit längerem damit, wie man die «Vorgaben betreffend Effizienz, Produktivität und Verteilung» erfüllen könnte. Eine erste Massnahme: Man evaluiert, ein Ablaufdatum auf die Zündholzschachteln zu drucken. Dieses soll dem Bürger helfen, «auf sein Recht auf ein einwandfreies Produkt» zu pochen. Heisst: Wenn er bei der Bodega eine Schachtel erhält, die bereits abgelaufen ist, muss er diese nicht akzeptieren und darf eine andere verlangen. Für alle anderen Probleme, so Granma, würden die verantwortlichen staatlichen Organismen nun Lösungen suchen.

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