Adieu, Albatros!

Nach über zwölf Jahren soll die Diana-Dodi-Statue aus dem Harrods verschwinden. (Foto: Flickr/Herry Lawford)

Von allen Denkmälern in London ist dies vielleicht das kurioseste: Diana und Dodi Fayed selig tanzend am Strand, unter den Schwingen eines schimmernden Albatros. Seit über zwölf Jahren steht das drei Meter hohe Bronze-Stück im Untergeschoss des Luxus-Kaufhauses Harrods. Von Kunstexperten ist es stets als kitschige Monstrosität abgetan worden. Aber Besucher aus aller Welt haben immer wieder neugierig danach gefragt.

Nun jedoch soll die vom früheren Harrods-Besitzer Mohamed al-Fayed installierte Statue aus dem Kaufhaus verschwinden. Die königliche Familie Katars, die dem ägyptischen Geschäftsmann Harrods im Jahr 2010 für 1,5 Milliarden Pfund abkaufte, sieht keinen Bedarf mehr für eine Gedenkstätte dieser Art.

Die Zeit sei «reif für die Rückgabe des Denkmals an Mr Fayed», erklärte jetzt ein Sprecher der Katarer. Und Fayed zeigte sich «dankbar» dafür, dass die neuen Besitzer die Statue zum Gedenken an die Prinzessin und ihren Liebhaber, seinen Sohn Dodi, «bis heute» an ihrem Platz belassen hatten. Nun, seufzte er, werde das Denkmal «heimgeholt».

Im Tod tanzende «Königskinder»

Noch vor wenigen Jahren hätte sich Fayed kaum so gnädig geäussert. Als er die Bronze im Jahr 2005 in seinem Kaufhaus aufstellen liess, hatte er noch erklärt: «Diese Statue wird auf alle Ewigkeit hier stehen.» Beim Verkauf von Harrods fünf Jahre später hatte er gedroht, die neuen Besitzer müssten ihm «den doppelten Kaufpreis erstatten», falls sie es je wagen würden, das gute Stück zu entfernen. Für Fayed waren seine noch im Tod tanzenden «Königskinder» schlicht tabu.

Mohamed Al Fayed. (Keystone)

Denn das Denkmal, das er «Unschuldige Opfer» getauft hatte, sollte für immerdar an die Schuld der «Mörder» Dodis und Dianas gemahnen. Hinter dem Unfalltod des Paares in einem Autotunnel in Paris im Herbst 1997 sah Fayed ja einen tückischen Anschlag durch den britischen Geheimdienst – auf Geheiss des Herzogs von Edinburgh.

So sehr und so lautstark steigerte sich der Harrods-Eigner in diese Überzeugung damals hinein, dass Philip ihm eines Tages erzürnt die Verlängerung seiner Lizenz als Hoflieferant für Herrenmode versagte. Königin Elizabeth bestellte die traditionellen Weihnachtspuddings für ihre Paläste bei Harrods ab und kaufte fortan bei Tesco ein.

Endgültiger Bruch zwischen Royals und Harrods

Das wiederum brachte Fayed so in Rage, dass er eines Tages all die schön verzierten, riesigen Wappen von der Harrods-Fassade nehmen liess, die ihn als Hoflieferanten auswiesen. Auf einem Scheiterhaufen wurden «die verfluchten Dinger», wie Fayed sie nannte, verbrannt. Seit damals hat keiner der Top-Royals mehr das vornehmste Kaufhaus Londons betreten. Dabei war Harrods schon seit 1913, als Queen Mary dem Kaufhaus den ersten «royal warrant» ausstellte, stolzer Lieferant für die Krone gewesen: Eine Verbindung, die die Katarer liebend gern wieder herstellen würden, wie man hört.

Dass jüngst William und Harry aus Anlass des 20. Todestages ihrer Mutter von einer neuen Diana-Statue gesprochen haben, die beim Kensington Palace stehen soll, macht es den Harrods-Besitzern dabei leichter, sich des bizarren Werks in den eigenen Mauern zu entledigen. Vor dem Palast, in dem sie einst lebte, könnten Diana-Verehrer ihrer «Königin der Herzen» künftig besser gedenken, finden die Katarer. Dodi und der Albatros werden dort kaum mehr vertreten sein.

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