Auszug mit Hammer und Sichel

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Trotzte allen Wirren postkommunistischer Politik: Sitz des Partito Comunista Italiano in Rom. (Getty Images)

Geschieht nicht noch ein Wunder, dann stirbt der Kommunismus in Rom gerade einen weiteren kleinen Tod. Und das hätte man ja nun wirklich nicht für möglich gehalten, nicht nach all den überstandenen Kämpfen. An der Via dei Giubbonari 38, einige Schritte nur entfernt vom Campo de’ Fiori, überlebte eine Sektion des linken Partito Democratico siebzig Jahre lang alle Wirren postkommunistischer Parteipolitik, alle Neubenennungen und auch noch den Berliner Mauerfall. Als wäre nichts passiert. Neben der Haustüre hängt noch immer eine alte Steinplatte, auf der sie 1946 Hammer und Sichel eingraviert und rot eingefärbt haben. Dazu das Akronym P.C.I., Partito Comunista Italiano.

Der Fassadenputz blätterte schon lange ab, doch der Dekadenz wohnte ein ganz eigener Charme inne. «L’ Unità», das frühere Zentralorgan der Partei, hängte noch immer jeden Tag ihre Seiten in die roten Holzrahmen vor dem Haus, damit sie jeder umsonst lesen konnte, der sie lesen mochte. In den beiden Räumen im Erdgeschoss, die allen immer offen standen, an sieben Tagen in der Woche, sassen zwischen alten Büchern und verrauchten Fahnen zumeist ältere Herrschaften, die auch die Zeiten erlebt hatten, als der P.C.I. noch die grösste kommunistische Partei im Westen war, und sie debattierten da mit der Verve von einst. Zuletzt waren die Sitzungen aber nur noch traurige, administrative Veranstaltungen.

Aussichtslose Neubewerbung

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Steintafel an der Via dei Giubbonari 38. (Getty Images)

Die Sektion an der Via dei Giubbonari, die man für ewig gehalten hatte, eingeschweisst in das vertraute Bild des Viertels, muss also schliessen. Vielleicht lassen sie die Steintafel am Eingang hängen, als Erinnerung. Man wird sich dann vielleicht auch in Zukunft erzählen, dass die Stadt, der die Immobilie gehört, sie damals nach dem Zweiten Weltkrieg mit Sinn für Historie und für 320 Lire im Monat an die Kommunisten vermietete: Hausnummer 38 war davor nämlich eine «Casa del Fascio» gewesen, ein Parteisitz der Faschisten. Aber sicher ist nicht einmal, dass die Tafel bleibt.

Jammern, freilich, wäre verfehlt. Neulich wurde bekannt, dass die Partei schon seit vielen Jahren viel zu wenig oder gar keine Miete mehr entrichtete. 170’000 Euro Schulden häuften sich an. Man versuchte noch, mit Flohmärkten etwas Geld einzutreiben, verkaufte staubige Bücher, Plakate, Frontseiten der «Unità». Und man verhandelte mit der Stadt, rief Tribunale an. Vergeblich. Die säumige Partei zieht aus, beteuert aber natürlich, sie werde sich bewerben für einen neuen Mietvertrag, wenn die Stadt die Lokale wieder ausschreibe. Sehr aussichtsreich dürfte die Selbstempfehlung aber nicht sein. Es bräuchte ein Wunder. Wahrscheinlich kommt nun ein Kleiderladen rein, oder eine Gelateria (Lesen Sie hierzu auch Italiens schmelzender Nationalstolz).

2 Kommentare zu «Auszug mit Hammer und Sichel»

  • Ralf Schrader sagt:

    ‚Geschieht nicht noch ein Wunder, dann stirbt der Kommunismus in Rom gerade einen weiteren kleinen Tod‘.

    Das wäre ein Tod vor der Geburt und damit eine höchst seltene Angelegenheit. Dieser sog. Eurokommunismus war eine z.T. amüsante Erscheinung, wie man meinem Vorkommentator entnehmen kann, nur mit Kommunismus hatte es natürlich nichts zu tun.

  • Stephan Huber sagt:

    Peppone Bottazzi wird den Kopf wiegen, seufzen und mit Don Camillo auf dem Wölkchen eine neue Runde Scopa ausspielen…

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