Drones ’n’ Drugs

Wenn Drogen vom Himmel fallen: Drohnen bereiten Gefängniswärtner zunehmend Probleme. (iStock)

Wenn Drogen vom Himmel fallen: Drohnen bereiten Gefängniswärtner zunehmend Probleme. (iStock)

Unregistrierte Flugobjekte – die neuen UFOs – beginnen den Briten Kopfzerbrechen zu bereiten. Drohnen, für die es in Grossbritannien keine Meldepflicht gibt, breiten sich besonders am Himmel über London aus. Die britische Liebe zu Technologie und Tüftelei hat den Behörden ein Problem beschert, das sie nicht vorausgesehen haben. Das Ganze ist zu einer Herausforderung geworden, die Polizisten, Gefängniswärter, Piloten und Minister ins Schwitzen bringt.

Nicht nur wächst nämlich die Nervosität in Heathrow Airport über Beinahzusammenstösse von Drohnen mit Passagiermaschinen, sondern auch Prominente überall im Land fühlen sich von Paparazzi aus der Luft verfolgt und Bankkunden bei der Eingabe ihrer Geheimzahl am Bankautomaten beobachtet. Bei Einbrüchen kommen Drohnen als Spione und «Schmierensteher» zum Einsatz. Sie sind, wie sich erweist, vielseitig verwendbar. Und zur Verfolgung finsterer Absichten ideal.

Die Drohnen-Kriminalität boomt

Beim neusten Drohnen-Dreh, der ebenfalls in diese Kategorie fällt, geht es um stille Speditionsdienste für Häftlinge. Zu diesem Zweck haben die geflügelten Apparaturen in der Regel Drogen und Mobiltelefone an Bord. Die Kamera-gesteuerten Geräte suchen sich nachts zu gewissen Zellenfenstern vorzuarbeiten, aus denen sie Andockungssignale erhalten. Das Geschick unsichtbarer Piloten verhilft Gefangenen so zu «heisser Ware» zum Weiterverkauf.

Vor drei Jahren gab es so etwas noch überhaupt nicht. 2014 wurden dann zwei Fälle gemeldet. 2015 waren es aber schon 33. Und mittlerweile geht es hoch her in Sachen «drones ’n’ drugs» in England. Kürzlich wurde ein 27-Jähriger dafür bestraft, dass er im April gleich mehrere englische Haftanstalten beliefert hatte. Der Mann hatte eine weisse Drohne schwarz angemalt, ihre Lichter verklebt und sie nach dem Einsatz im Kofferraum seines Autos versteckt. Sein Prozess war der erste dieser Art.

Drogenlieferung im Wandsworth-Gefängnis in Süd-London. (Youtube/BBC News)

Im Mai erhielt die BBC Videomaterial zugespielt, das luftig-kecke Drogen-Transporte nach Wandsworth Prison in Süd-London zeigte. Über der Dreistigkeit startete die Polizei «Operation Airborne», mit verstärkten Patrouillen um die wichtigsten Strafanstalten im Land. Vor ein paar Wochen, Mitte August, durchkreuzte Scotland Yard Pläne eines Unbekannten, das Nord-Londoner Gefängnis Pentonville mit hochkarätigen Psycho-Pillen zu beglücken. Der Mann, der bei seiner Entdeckung davonlief, wird bis heute vergebens gesucht.

Adler-Einsätze oder Hochdruck-Kanonen

Tragisch endete ein anderer Fluchtversuch in diesem Sommer. Ein «Lieferant» namens Craig Kearney und seine Freundin Acacia Smith, eine Kindergartenhelferin, wurden auf frischer Tat «im Anflug» auf Wandsworth Prison ertappt. Die beiden versuchten, im Auto zu fliehen, kamen aber nur bis Wandsworth Bridge, wo Kearney die Kontrolle über den Wagen verlor. Er wurde mit schweren Verletzungen aus dem Autowrack gezogen. Acacia Smith war auf der Stelle tot.

Mittlerweile fahndet die Polizei im Anti-Drohnen-Kampf nach neuen Methoden, neuen Lösungen. Drohnen-Abwehrsysteme, mächtige Laserstrahlen, Radiowellen-Störgeräte und sogar Adler-Einsätze werden diskutiert. Eine «Sky Wall» genannte Waffe ist im Gespräch, bei der aus einer Art Hochdruck-Kanone ein Netz abgeschossen wird, in dem sich Drohnen verfangen sollen. Vielleicht hätten Ian Fleming und James Bond Rat gewusst.

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