Afrika politisiert mit Tweets

Den Schalk im Gepäck: Zwei Schüler auf dem Schulweg in Nairobi. (Keystone/Stephen Morrison)

Den Schalk im Gepäck: Zwei Schüler auf ihrem Schulweg in Nairobi. (Keystone/Stephen Morrison)

In anderen Teilen der Welt mag das Vogelgezwitscher bereits schläfrig geworden sein, doch in Afrika trillert es so frisch und munter wie noch nie. Twitter ist zwischen dem Kap und Kairo nicht nur unverzichtbar, wenn es um die Organisation von Protestkundgebungen oder die Bekanntgabe der wirklichen Wahlergebnisse geht: Die Kurzbotschaften des sozialen Netzwerks tragen auch immer wieder auf höchst unterhaltsame Weise zum Austausch und besseren Verständnis der über 1 Milliarde zählenden, zersplitterten Kontinentalbewohner bei. Wie jetzt wieder, als der Zimbabwer Winston Manjengwa den Hashtag #IfAfricaWasASchool in die Cyberwelt setzte – und mit ansehen konnte, wie sich seine Frage mit rasender Geschwindigkeit viral über die Herzen und Hirne Zehntausender von Internetnutzern ausbreitete.

Erfrischende afrikanische Selbstironie

«Wenn Afrika eine Schule wäre, würden endlich auch die Ägypter verstehen, dass sie zu unserem Kontinent gehören», nimmt Ahmed Mostafa die zwischen der arabischen und der afrikanischen Welt balancierenden Pharaonenenkel auf die Schippe.

«Ägypten wäre der Schüler, der kein Examen besteht, aber stolz darauf ist, dass seine Eltern die Zivilisation und Wissenschaft erfunden haben», setzt Mona Elashry noch eins drauf. «Uganda ist der Schüler, der immer mit dummen Ausreden wie ‹der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen› daherkommt und damit sogar die Wahrheit sagt», frotzelt Bucks Payton. In der Afrikaschule wäre «Marokko der Dealer, Algerien der Konsument und Mali derjenige, der immer mitraucht, aber nie selber kauft», meint Imran K, während Eritrea und Äthiopien im Eintrag eines gewissen Saay «die Zwillinge sind, die regelmässig aus der Haut fahren, wenn man sie verwechselt». Dagegen sei Libyen «das seltsame Kind, das an alle die Kekse seiner Mutter verteilt, um auf diese Weise Freunde zu finden», meint Mohamed al-Dahshan.

Die erfrischende afrikanische Selbstironie kommt in den Tweets ständig zum Ausdruck. «Unsere Schule würde um 3 Uhr morgens beginnen, damit um 8 Uhr jeder da ist», scherzt «Youn Wealth». «Wenn Afrika eine Schule wäre, wo kommen dann die Lehrer her?», fragt Zuko Madiba. Und «in der Kantine wäre dann jeden Tag Krieg?», will Leila wissen. Nach Lulutruths Auffassung würde es in der Schule allerdings gar kein Mittagessen geben: Denn der Direktor hat stattdessen um diese Zeit «den täglichen Marathonlauf» angesetzt.

«Die grossartigste Schule der Welt»

Selbstverständlich wird in der Botschaftsflut auch beissende Kritik geübt. «Lernen Sie Ihren Schuldirektor, den Schuldirektor Ihrer Kinder, Ihrer Enkel und Ihrer Urenkel kennen!», vermerkt Caster van Niekerk unter einem Bild von Robert Mugabe. «Hier ist unser Hausmeister, der in seiner 30-jährigen Amtszeit noch nie sauber gemacht hat, aber trotzdem nicht gefeuert wird», moniert Juliette unter einem Foto des kamerunischen Präsidenten Paul Biya. Ein gewisser Kinglamine ist davon überzeugt, dass sich seine «europäische Partnerschule» stets die besten Schüler aus der Afrikaschule herauspicken würde. Und Sabrina schreibt: «Andere Schulen würden sich unsere Bücher ausleihen und sich dann wundern, warum wir das Abitur nicht schaffen.»

Die Afrikaschule wäre mit Sicherheit eine «heruntergekommene Penne voller schwieriger Kinder aus kaputten Familien» und dennoch «die grossartigste Schule der Welt», meint Gboyega Otolorin. Und eine gewisse Meme Queen ist sich sicher: «Dieser Hashtag hat mir mehr über Afrika beigebracht als jede Schule dieser Welt.»

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