Hillary hat Hunger

Ausnahmsweise in ein Restaurant namens «Common Man» verirrt: Hillary Clinton stört eine einfache Familie beim Essen in Windham, New Hampshire. Foto: Brian Snyder (Reuters)

Ausnahmsweise in ein Restaurant namens Common Man verirrt: Hillary Clinton stört eine einfache Familie beim Essen in Windham, New Hampshire. Foto: Brian Snyder (Reuters)

Hillary Clinton hängt an den Portemonnaies ihrer Geldgeber wie ein Patient am Tropf. Sie braucht stetige Infusionen von Cash. Allein im Juli nahm sie 62 Millionen Dollar ein. Viel davon sammelte sie bei exklusiven Veranstaltungen. Wer die Kandidatin aus nächster Nähe erleben möchte («Übrigens, Johnson, wissen Sie, wem ich gestern Abend lange und intensiv die Hand geschüttelt habe?»), blättert gehörig hin und darf zur Belohnung als Komparse in einer politischen Peepshow auftreten.

Alle Präsidentschaftskandidaten prostituieren sich bei den Financiers der amerikanischen Demokratie. Aber Clinton beherrscht das Geschäft besser als der Rest. Nicht dass dabei ein Quo für ein Quid geliefert würde, nein, das wäre ja Korruption. Es handelt sich bei dem Vorgang eher um eine Vorsorge: Wer bezahlt, erhält einen Schuss Vitamin B. Zudem verbessert sich die Befindlichkeit der Geldgeber, weil ihre Egos wie Luftballone bei einer Kinderparty aufgeblasen werden.

Immer wieder da, wo das Geld wohnt

Tagsüber tritt Clinton vor kleinen Leuten auf und gibt die halblinke Populistin. «Es existiert zu viel Ungleichheit, es gibt nicht genug soziale Mobilität», sagte sie etwa kürzlich in der alten Autowerker-Stadt Warren im Staat Michigan. Alle klatschen. Danach fliegt sie wieder nach Beverly Hills oder Malibu oder nach Manhattan oder sonst wohin, wo das Geld wohnt. Abends tritt sie in der Villa eines Milliardärs auf.

Wer mit ihr zu Tisch sitzen will, muss 50 Tausender hinblättern. Dafür gibt es Hummersalat und Justin Timberlake und Jennifer Anniston oder neulich sogar Aretha Franklin. Sie sang «Natural Woman», derweil Hillarys Buchhalter gewiss die Checks der Spender sortierte, ehe er sie am nächsten Morgen auf dem Wahlkampfkonto deponierte. Manchmal macht sie es auch für 25 Tausender pro Gedeck. Man will ja nicht den Eindruck erwecken, geldgierig zu sein.

Nützliche Verbindungen in Washington

Aber 50’000 Dollar Eintritt für ein Dinner mit Hillary ist verdammt viel Geld, mehr jedenfalls als das Jahreseinkommen vieler amerikanischer Familien. Die Gastgeber dieser Zaster-Soirees sind besonders hoch angesehen. Sie laden spendable Fans von Hillary ein, stellen ihr Anwesen zur Verfügung, organisieren den Deluxe-Cateringservice und brüsten sich am folgenden Tag, der Kandidatin zu zwei oder drei Millionen Dollar verholfen zu haben. So schafft man sich nützliche Verbindungen in Washington.

Oder man peilt einen Botschafterposten an. Dazu braucht es natürlich mehr als ein Dinner mit der Kandidatin. Man muss unter seinesgleichen mit dem Klingelbeutel herumgehen: «Hätten Sie mal eine müde Million, Wertester?» Sobald Hillary im Weissen Haus ist, werden die diplomatischen Posten verteilt. Bern für Sie? Oder lieber Wien? Nach Kabul oder Sanaa will niemand.

Amerikanische Wahlkämpfe sind organisierte Korruption. Aber noch gibt es ein paar Tabus. Noch verlangt Hillary keinen Aufschlag für einen ungewöhnlich langen Händedruck. Oder zehn Grosse für den Sitz direkt neben sich. Falls sie im November gewinnt, wird sie sich auf ihre Art und Weise bei den Geldgebern bedanken. Man wird sich arrangieren. Korruption? Natürlich nicht. Eher eine Seelenverwandtschaft. Gemeinsame Ziele! Eine Hand wäscht die andere. Sauberer wird keine dabei. Aber darum geht es ja nicht.

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