Trump-Fans machen Party

Campaign supporters listen to Republican U.S. presidential candidate Donald Trump address during a campaign stop at the Grand Park Events Center in Westfield, Indiana, July 12, 2016. REUTERS/John Sommers II - RTSHNDN

Sie haben die Schnauze voll von den normalen Republikanern: Trump-Anhänger in Indiana. Foto: Reuters

Dies sind die Tage der Vorfreude. Am Montag beginnt Donald Trumps Krönungsveranstaltung in Cleveland. Und überall, von den Ufern des Atlantiks über die Hügel Kentuckys und die Prärien Nebraskas bis zu den pazifischen Gestaden, beginnen die Delegierten des Republikanischen Parteitags zu packen. Etwa Jimmy Bob Shifflett aus Prattville in Alabama. Nennen wir ihn mal so. Er ist ein Fan von Trump.

Von den normalen Republikanern hatte Jimmy Bob die Nase voll. Er liess sich als Delegierter aufstellen und wählte Trump. Jetzt ist es so weit: Zum Auftakt des Parteitages fliegt Jimmy Bob vom nahe gelegenen Flughafen in Alabamas Staatshauptstadt Montgomery über Atlanta nach Cleveland. Wie alle Delegierten muss er die Reise selbst bezahlen: den sündhaft teuren Flug, das Hotel, das Essen. Dafür will er keine Randale in den Strassen Clevelands, sondern eine tolle Party.

Ob er die bekommt, ist eine andere Frage. Womöglich tobt bereits am Montag in Cleveland ein völlig enthemmter Strassenkampf: Backsteine fliegen, Tränengas wabert in den Strassen, Taser sind im Einsatz, das Klicken von Handschellen ist allseits vernehmbar. «Vandalen für Bernie» machen gegen «Bikers für Trump» mobil, «Black Lives Matter» gegen «White Lives Matter More», «Rentner für Donald» gegen Anarchos und Autonome. Und das wäre ja nicht so, wie wenn im Fussballstadion alkoholisierte Fans aufeinander losgehen: Schusswaffen sind in Cleveland erlaubt, verdeckt oder offen, mit oder ohne Trommel, Sturmgewehre wie Mini-Schiesseisen, die sich in den Socken verstecken lassen.

Die Krankenhäuser, vorneweg die weltberühmte Cleveland Clinic, sind jedenfalls auf alle Eventualitäten vorbereitet. «Wir müssen schon vorher daran denken, wie wir Demonstranten oder Polizisten versorgen, die Hilfe brauchen», sagte einer der Chefärzte des Hospitals der Fachwebsite «Stat». Unter anderem horte die Klinik genügend Nachschub und Proviant für vier Tage: Bettlaken, Operationsausrüstung und Medikamente. Die Wächter vom Secret Service hätten darauf bestanden, sagte der Doktor.

Das klingt nicht nach Party. Sondern eher nach bürgerkriegsähnlichen Unruhen. Wie in Caracas. Oder wie beim Demokratischen Parteitag 1968 in Chicago, als die Polizei des Bürgermeisters Richard Daley, eines Recht-und-Ordnung-Freaks, auf Demonstranten losging und die Szene an eine Massenschlägerei von Heavy-Metal-Fans bei einem Auftritt von Iron Maiden erinnerte.

Jimmy Bob Shifflett und sein Held, der Kandidat Trump, profitierten natürlich von solchen medial vermittelten amerikanischen Auflösungserscheinungen: Eine starke Hand braucht das Land, also her mit Trump! Wenn jedoch die «Bikers für Trump» mit ihren Harleys die «Vandalen für Bernie» niederwalzen und Neonazis und «White Lives Matter More» mit Fahrradketten auf «Zahnärzte gegen Trump» vorgehen, wird die Nation erschauern – und den Krawall Trump anlasten. Vor allem, wenn Trump zuvor im Fernsehen sagte: «Haut sie zu Klump!»

Für Jimmy Bob wäre das eine grosse Enttäuschung. Schliesslich möchte man auf einem Parteitag feiern. Und von den rhetorischen Glanzleistungen diverser Redner unterhalten werden. Wenngleich diese Redner stets dasselbe sagen werden: «Nieder mit der betrügerischen Hillary!»

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3 Kommentare zu «Trump-Fans machen Party»

  • Heiner Hug sagt:

    Iron Maiden Fans – Gewalttätig? Da hat aber der Martin Kilian gerade einmal bewiesen, dass er keine Ahnung hat. Schon etwas peinlich für einen, der professionell Kolumnen schreibt. Jedes Fussballspiel ist zehn mal gewalttätiger als ein Metal-Konzert, geschweige denn Veranstaltungen von solchen Polit-Freaks.
    Gehen Sie doch zuerst mal an Metal-Konzerte bevor Sie solchen Unsinn schreiben.

  • Flori Antha sagt:

    Ich wüsste nicht, dass es unter Metalfans zu Massenschlägereien kommen würde. Es gehört zum Ehrenkodex der Szene bei Konflikten sofort zu schlichten.

  • Peter Huber sagt:

    Ich gehe seit rund 30 Jahren an Iron Maiden Konzerte im In- und Ausland. Dabei habe ich noch nie eine Massenschlägerei von Heavy-Metal-Fans bei einem Auftritt von Iron Maiden erlebt. Insofern muss sich Cleveland ja um nichts Sorgen machen, da nichts passieren wird. Oder verstehe ich die Metapher falsch?

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