Darth Cheney

Im amerikanischen Kapitol, wo der Kongress lümmelt, lockt seit neuestem eine Büste des drittschlimmsten Bösewichts der amerikanischen Filmgeschichte. Das ist der offiziellen Rangliste des American Film Institute zu entnehmen. An erster Stelle dieser Liste befindet sich Norman Bates («Der beste Freund eines Jungen ist seine Mutter»), seines Zeichens Motelbesitzer in Alfred Hitchcocks «Psycho» und gespielt von Anthony Perkins. Danach folgt Dr. Hannibal Lecter («Ich überlege mir ernsthaft, meine Frau zu essen»), dargestellt von Anthony Hopkins im Streifen «Das Schweigen der Lämmer». Und an dritter Stelle rangiert Darth Vader («Was wir im Irak gemacht haben, war richtig»), Überläufer zur dunklen Seite im «Krieg der Sterne» und gemimt von Dick Cheney.

Jawohl, jener Dick Cheney, den George Herbert Walker Bush, auch bekannt als Bush der Ältere, einen «Eisenarsch» schimpfte und für die unglückselige Präsidentschaft des jüngeren Bush mitverantwortlich machte. Am vergangenen Donnerstag wurde nun im Kapitolsgebäude eine marmorne Büste Dick Cheneys eingeweiht, wie es sich gebührt für einen amerikanischen Vizepräsidenten. 44 Büsten zieren die edle Halle des Senats, dem der Vizepräsident traditionell vorsteht. Dank Darth Cheney sind es jetzt 45. Für ein Salär von 50’000 Dollar meiselte ihn der Bildhauer William Behrends in Marmor, damit Cheney der Nachwelt auch weiterhin Angst einflösst.

Cheney selber kennt keine Berührungsängste. Er fühlte sich eher geschmeichelt durch den Vergleich mit dem Cyborg aus der Hexenküche des George Lucas. «Geehrt» sei er, bekannte der Verfechter simulierten Ertrinkens 2007. Auf die Frage, ob ihm der Spitzname unangenehm sei, sagte Cheney: «Die Antwort lautet nein.» Sogar sein Vorgesetzter, Bush der Jüngere, attestierte dem düsteren Zeitgenossen, er kleide sich wie der berühmte Ex-Jedi. Er habe, so Bush, seinen Vize gefragt, welches Kostüm er an Halloween tragen werde. «Nun ja, ich trage es ja bereits», habe dieser geantwortet.

Das ist nicht weiter verwunderlich: Die Ähnlichkeiten zwischen Darth Vader und Dick Cheney sind frappierend. Beide dienten einem dunklen Imperium. Beide zeugten zwei Kinder, Luke Skywalker und Prinzessin Leia im Falle Vaders, Liz Cheney und Mary Cheney im Falle des Dick Cheney. Ausserdem stammen Darth wie Dick aus Tatooine, was auf Englisch übersetzt «Wyoming» bedeutet. Von Zufall kann also keine Rede sein. Und agierte Darth Vader als oberster Kommandeur der imperialen Flotte, so machte sich Dick Cheney einen Namen als klandestiner, aber eigentlicher Chef amerikanischer Flotten und Geschwader.

Bei der Feier am Donnerstag stellte der jetzige Vizepräsident Joe Biden den Vorgänger als Bereicherung «für dieses Land» vor. Natürlich log er, um höflich zu sein. Immerhin hatte Biden den Ex-Jedi als «gefährlichsten Vizepräsidenten» der amerikanischen Geschichte bezeichnet. Aber das traute er sich nicht zu sagen bei der Einweihung der Büste. Man stelle sich nur vor: «Ladies and Gentlemen, hier bitte schön der gefährlichste Vizepräsident aller Zeiten!» Es wäre ein extremer Fauxpas gewesen. Wahrscheinlich sagte sich Biden mit zusammengebissenen Zähnen: «Augen zu und durch.» Möge die Macht mit dir sein, Joe!

12 Kommentare zu «Darth Cheney»

  • Benedict De Rochard sagt:

    In Anbetracht seiner Rücksichtslosigkeit sollte man ihn eigentlich unter *Darth Dick* führen.

  • Ueli sagt:

    Cheney, die alte Kriegsgurgel, das evil Mastermind, welches Krieg gegen das eigene und andere Völker führt um doppelt und dreifach und vierfach einzucashen (er sorgte Anfang 90er Jahre für den Aufstieg der Söldnerfirmen wie BlackWater und co., schanzte Halliburton – seiner ehemaligen Company – Millardenkontrakte im Irak zu, sorgte für das Jahrhundertgeschäft für den military industrial complex u.sw.). Bei solch bösen Menschen meint man in einen unendlichen Abgrund hineinzustarren – mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen schicken sie tausende ins frühe Grab. Dieses Scheusal würde seine eigene Grossmutter für Macht und Geld in die Sklaverei verkaufen.

  • Radisa Tubic sagt:

    Seit dem Zweiten Weltkrieg ist Amerika ununterbrochen in einem Krieg. Jede amerikanische Administration hat einen „Cheney“ gehabt und hat Kriegsverbrechen begangen. Einer hat sie alle übertroffen: H. Kissinger, dieser Kriegstreiber ( „Kriege sind absolut notwändig“), schuldig für viele Millionen ermordeten Menschen, einer der in allen Amerikanischen Kriegen involviert war und jetzt direkt involviert ist. Er war und ist der allmächtigste Kriegstreiber. Er ist Friedensnobelpreisträger.

  • Roland Stuber sagt:

    Den Haag for ever!
    Die Zelle von Milosevic ist leer und noch zu haben..

  • Sacha Meier sagt:

    Ganz abgesehen davon, dass sich Herr Bush senior mit dem Begriff «Eisenarsch» doch etwas in der Tonalität vergriff, kennen die Amerikaner für Menschen, die zum Vornamen Dick heissen und dazu wenig Sympathie geniessen, eine viel weniger schemichelhafte Verbalinjurie, die den Vornamen, zusammen mit desen Kopf zu einem nicht druckreifen Kofferwort verbinden. Allerdings kann man Herrn Cheney die Handlungen in seinem Amt nicht verübeln. Wir leben nun einmal seit 1995 im westlich-korpokratischen Neofeudalismus und da ist ein hohes politisches Amt wenig geeignet, die Interessen des einfachen Volkes zu vertreten, sondern die der Finanzelite – und natürlich um eigenen Vermögensaufbau zu betreiben.

  • Radisa Tubic sagt:

    Warum wird dieser Mann nicht nach Denn Haag überführt sowie die ganze dazumalige Administration auch ? Viele, um einiges unschuldigere Menschen wurden nach Den Haag ausgeliefert. Amerika wird schon wissen warum sie Den Haager Abkommen nicht unterschrieben hat. Dieser Mann ist äuserst gefährlich, unter seiner Führung wurden Kriege geführt und Menschen massenweise ermordet und er ist direkt mitschuldig für heutige Zustände im Nahen Osten. Dieser Mann ist ein Kriegsverbrecher und wird noch von Mächtigen dieser Welt gedeckt und beschützt.
    Hoffentlich kommt noch der Tag an dem die Gerechtigkeit ihren Lauf nimmt und er und einige andere seinesagleichen die gerechte Strafe bekommen.

  • Thomas Voegtli sagt:

    Es ist mir bisweilen immer noch ein Rätsel, wieso der internationale Gerichtshof in Den Haag die Herren Bush Junior; Cheney und Rumsfeld nicht endlich zur Rechenschaft zieht für die unsäglichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und deren Umwelt. Was diese Herren an Menschenleben (auch zig Tausend an eigenen jungen Menschen) hinterlassen haben mit ihrer Doktrin von Imperialem (wohl vor allem börsenkotierten Öl- und Sicherheitsfirmen) US-Einfluss, hat das Zusammenleben der Menschheit nachhaltig verschlechtert. Die „befreiten“ Bürger dieser Staaten und die Europäer dürfen nun diesen Schlamassel ausbaden. Glaubhaft und nachhaltig wäre eine Anklage gegen besagte Herren.

    • Peter Gutknecht sagt:

      Des Rätsels Lösung: beispielsweise im Fall von Kriegsverbrecher (und Friedensnobelpreisträger) Henry Kissinger ist klar, warum er nicht vor Gericht landet: weil er gewisse europäische Länder aus ebendiesem Grund nicht bereist.

    • Margot sagt:

      Wikipedia: Die US-Regierung unterzeichnete im Jahr 2000 das Statut des IStGH. Präsident Bill Clinton argumentierte aber zugleich, dass er das Rom-Statut nicht ratifizieren wolle, solange den USA keine ausreichende Möglichkeit geboten werde, den Internationalen Strafgerichtshof und dessen Funktionsweise über einen längeren Zeitraum zu überprüfen. 2002 erklärte die US-Regierung die völkerrechtlich unübliche, aber zulässige Rücknahme der Unterzeichnung und setzte zudem am 2. August 2002 den American Service-Members’ Protection Act zum Schutz von US-Bürgern vor dem IStGH in Kraft. Israel schloss sich dem Verhalten der USA an und nahm seine Unterzeichnung ebenfalls nachträglich zurück.

  • Urs Müller sagt:

    Well spoken, Mr Kilian… der Bildhauer hatte vielleicht eine Meise, den Job anzunehmen. Aber für 50 K Taler «meisselte» er wohl den Cheney…

  • Claudio Hammer sagt:

    Die Kriegsgurgel Cheney wusste schon am 20.9.2001, dass sie den Iraq angreifen werden — es fehlte einfach noch ein Vorwand — aber so ein verlogener irakischer Ingenieur hat ihnen die ja dann schon bald mal geliefert mit dem Chemiewaffenmärchen und Cheney und als ehemaliger CEO von Halliburton konnte er sich zusammen mit Rumsfeld schön am Elend der anderen bereichern!
    .
    Eine wahrlich abscheuliche Gestalt dieser Typ!

    • Ueli sagt:

      @Claudio Hammer
      Cheney wusste schon in den 90er Jahren, dass sie den Irakfeldzug inklusive Afghanistan, Patriot Act, Guantanamo Bay führen würden. Die Neocons sprachen von einem notwendigen (!) „New Pearl Harbor“ (911) um das neue „amerikanische Jahrhundert“ (für die Waffenfirmen, Halliburton, Ölfirmen,…) einzuleiten. Da muss man nicht einmal zwischen den Zeilen lesen können – sie reiben es einem sogar unter die Nase.

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