Vernarrt ins Weltall

Es ist schon seltsam mit den Milliardären. Alle streben sie in den Weltraum. Zuerst wollte Sir Richard Branson ins weite All. Microsoft-Mitbegründer Paul Allen träumte gleichfalls vom Vorstoss in die Tiefe der Galaxis. Und selbstverständlich war auch Tesla-Mann Elon Musk mit dabei und gründete SpaceX, damit möglichst bald Touristen an Bord eines Musk-Raumschiffs schwerelos die Milchstrasse bestaunen können.

Am vergangenen Dienstag meldete sich dann der Besitzer und Aufseher des grössten Lagerhauses der Welt zu Wort: Vor auserlesenem – vielleicht sogar handverlesenem? – Publikum gab Jeff Bezos auf dem etwas angestaubten Raumfahrtflughafen in Cape Canaveral in Florida bekannt, er wolle so schnell wie möglich ins Weltall aufbrechen. Sein Raumfahrtunternehmen Blue Origin, von der «New York Times» als «heimlichtuerisch» bezeichnet, mietete auf Cape Canaveral Gelände an und wird eine Startrampe sowie eine Raketenfabrik bauen.

Er wisse nicht, wie lange es bis dahin brauchen werde, «aber ich freue mich darauf, eines Tages eine Pressekonferenz mit Ihnen im Weltall zu veranstalten», sagte der Warenhaus-Mogul. Ja nun, da kommen wir gerne, vor allem, wenn Transport, Unterbringung und Essen umsonst sind. Ausserdem verriet Bezos den geladenen Gästen, dass er bereits als kleiner Junge fasziniert war von Wernher von Brauns kolossaler Saturn-5-Rakete.

Und natürlich gab Bezos, dem niemand jemals Bescheidenheit nachgesagt hat, den Visionär: «Wenn es mein einziges Ziel wäre, Geld zu verdienen, hätte ich einfach eine neue Art von Snack-Firma aufgemacht.» Nicht mit revolutionären Energieriegeln aus Sargassotang und Amaranth will Bezos indes Zaster verdienen, sondern mit bemannten Weltraumflügen – irgendwann einmal.

Aber warum? Und überhaupt: Weshalb drängt das milliardenschwere Unternehmertum plötzlich derart vehement ins bislang nicht käufliche Weltall? Soll es in Besitz genommen werden? Möchte Bezos Jupiter und seine Monde beanspruchen? Dort eine Flagge wie einst Amundsen am Südpol pflanzen? Amazon statt Norwegen? Und wird Musk sich den Asteroidengürtel abgreifen? Gibt es dort Mineralien? Was führt Branson im Schilde?

Paranoia setzt ein, umso mehr als die Kolumnistin Jess Zimmerman im britischen «Guardian» eine erschreckende These aufstellte. «Warum möchte jeder, der wirtschaftliche Dominanz über den Planeten erlangt hat, diesen Planeten unverzüglich verlassen?», fragt sie und liefert eine höchst beunruhigende Antwort darauf: Die Milliardäre wollten den verdreckten Planeten womöglich aufgeben und das Saubermachen und Aufräumen dem Rest der Menschheit überlassen.

Ein brisanter Gedanke: Erst tragen Milliardäre wie Branson und Bezos erheblich zur Vermüllung und Erwärmung des Planeten bei. Dann heben sie ab und sagen: Nach uns die Sintflut. Oder so ähnlich. Aber müsste Elon Musk davon nicht ausgenommen werden? Bekanntlich baut er Elektroautos. Sollten umweltbewusste Weltallreisende deshalb mit Musks Raumschiffen reisen und die Raketen des Lagerhallen-Impresarios meiden? Nein?

5 Kommentare zu «Vernarrt ins Weltall»

  • Andy sagt:

    Welch eine schwachsinnige Konklusion…

  • Max Läppli sagt:

    In 100Km Höhe ist man (und frau auch!) ca 3% leichter, als hier auf dem „Erdboden“. Anstelle von 74 Kg lediglich 71,8 Kg. Also Klamotti`s runter und diesen Effekt für lau auch hier erleben! Bei der ISS ca 400 Km Höhe ist man gut und gern 10% leichter, damit diese aber nicht immer wieder herunterfällt, hat jemandem mal die „Zentrifugalkraft“, also die „Fliehkraft“, für diese entdeckt, resp. die, „dafür eingesetzt“, gut und gern 10x schneller als die Concorde fliegt (Ballonfahrer sagen „fährt“) die deswegen da oben ununterbrochen um die Erdkugel herum. Bei dem Weltraumschiff lässt man das ganze einfach fallen, wie bei der „Gireizi“ und voilà!!! Chilbiplatz reicht also vollkommen. Auch top: Trampolinsprung, Turmspringen für lau, da gratis ja für viele nichts Wert ist besser: Bungeespringen, Fallschirmspringen, Freifallturm usw. Und für die „Vorrauszahler-Vorfreude-Ist-Die-Schönste-Freude“ Fetischisten gibt’s eben noch die Playboy`s Branson &Co… Falls nicht in diesem Leben vielleicht im Nächsten, also logischerweise nur das „Fliegen“ zahlen natürlich schon im jetzigen!

  • Benni Aschwanden sagt:

    Es ist generell verwunderlich, wieviel Energie und v.a. auch Geld in die bemannte und unbemannte Raumfahrt gesteckt wird. Obschon es da gar nichts zu holen gibt! Es ist einzig die menschliche Fantasie und Sehnsucht nach einem Mehr ausserhalb unseres Planeten, die die Menschen dahin treibt. Eine neue Art Religion vielleicht? Dabei könnte Mutter Erde diese Milliarden Gelder und intelligenten Köpfe eher brauchen, um die vielen Probleme innerhalb unseres Orbits zu lösen. Was hat man denn bisher im All aufregendes gefunden, ausserhalb unserer Satelliten-Müllschicht? Auf dem Mond Sand und Steine. Auf dem Mars Sand und Steine. Auf Jupiter Sand und Steine. Und jetzt sensationell scharfe Bilder von Pluto! Mit Sand und Steinen…

    • Manuel Navarro sagt:

      Das ist, mit Verlaub, eine ziemlich ignorante Analyse. Erstens: Im Rahmen der Forschung, welche die NASA und viele andere kluge Köpfe im Zusammenhang mit der Reise ins Weltall betrieben haben, wurden viele Dinge entwickelt, die heute als quasi selbstverständlich gelten: Kabellose Werkzeuge, CAT-Scanner, Tiefkühlnahrung, verschiedenste Isolationsmaterialien, LED, Rauchmelder, kratzsichere Brillengläser, Solarpanels, Wasserfilter usw. Es ist also nicht so, als würden bei der Weltraumforschung kluge Köpfe ihre Zeit verschwenden.
      Zweitens: Die Beobachtung der Umgebung war schon immer nützlich, um Erkenntnisse über seinen eigenen Standpunkt im Universum zu erhalten. Was glauben Sie wäre passiert, wenn sich die Menschheit einfach damit begnügt hätte, keine Boote zu bauen und niemals zu erforschen, was sich jenseits des Horizonts befindet? Fast täglich kommen heutzutage neue Meldungen über neue Erkenntnisse in den Medien, die neue Rückschlüsse ermöglichen, wie die Erde, die Galaxie und das Unviersum entstanden sind. Und ja, dazu muss man Sand und Steine untersuchen. Das klingt vielleicht nicht sonderlich spektakulär, ist es aber, wenn man genauer hinschaut.

    • Dieter Neth sagt:

      Wenn Sie auf dem Jupiter Sand und Steine gefunden haben wäre das eine absolute Sensation! Die Wissenschaftler halten den nämlich für einen Gasplaneten. Aber auch so ist das Befahren des Weltalls mit Raumschiffen auch nicht unvernünftiger als das was die Spanier, Portugiesen und ein gewisser Bürger Genuas im 15. und 16. Jahrhundert getan haben. Es gab damals in Europa noch mehr als genug Platz und was gab es dort in Amerika schon zu holen? Haben Sie die Massen von Sand und Steinen dort drüben gesehen? Also dann: Völlig losgelöst von der Erde scwebt das Raumschiff….

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