Einen an der Waffel

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Eine von 2100 Filialen: Im Waffle House gibt es cholesterinreiche Kost wie Spiegeleier mit Steak und Waffeln aller Art. Foto: rpavich (flickr.com)

 

Vor dem Autofahrer liegt der schwarze Asphalt eines Highways inklusive Schlaglöchern und zerplatzten LKW-Reifen. Er reist in US-Amerika, wo die Infrastruktur bröselt und rieselt. Es ist drei Uhr morgens, irgendwo im Süden zwischen Greenville in South Carolina und Atlanta, Georgia. Auf dem USB-Stick hört der einsame Automobilist AC/DCs «Highway to Hell». Trotzdem stellen sich Ermüdungserscheinungen ein.

Dann aber naht Erlösung. Langsam schiebt sich eine riesige Leuchtreklame näher. Schwarze Buchstaben auf gelbem Grund: WAFFLE HOUSE. Hallelujah! Waffle House, ein Zufluchtsort für erschöpfte Reisende und die kulinarische Heimat cholesterinreicher Kost wie etwa Spiegeleier mit Steak, dazu Waffeln und Kaffee. 2100 Waffel-Häuser gibt es entlang den Highways in 25 Staaten, vor allem im Süden. Sie schlagen zwei Prozent aller amerikanischen Eier auf.

Und nun gibt es einen sensationellen Meilenstein zu vermelden. Erreicht wurde er am Dienstag, als eine gewisse Shanneil McCollum aus Miami bei einem Waffle House in Norcross nahe Atlanta morgens um zehn einkehrte. Frau Shanneil bestellte aus unerfindlichen Gründen nicht die von ihr offenbar besonders geschätzte Blaubeerwaffel, sondern eine Apfelstreuselwaffel. Sie hätte auch eine Waffel mit Nüssen oder Erdbeeren oder Schokolade essen können.

Kaum aber war die Waffel serviert worden, verwandelte sich das Waffle House in Norcross zur Bühne eines ausserordentlichen Festakts: Luftballone stiegen auf, die Belegschaft applaudierte der verdatterten Frau Shanneil, ja sogar Fernsehkameras schoben sich auf sie zu. Und warum? Weil Frau Shanneil die milliardste Waffel in der sechzigjährigen Geschichte von Waffle House bestellt hatte. Eine Milliarde Waffeln, welch ein Jubiläum, man könnte weinen, nicht wahr!

«Das sind aber viele Waffeln», staunte Frau Shanneil und bekannte, sie liebe Waffeln. «Ich bin glücklich», sagte sie und erhielt eine Plakette als Andenken. Dann ass sie ihre Apfelstreuselwaffel. Zur Feier des Tages wurde sie wie alle anderen Kunden eingeladen, alles war umsonst. Darren Jarrett, bei Waffle House als Manager für die Region Atlanta zuständig, erklärte danach, dass die Analysten des Unternehmens die milliardste Waffel genau im Visier gehabt hätten. «Gestern haben sie uns gesagt, dass es heute so um zehn Uhr passieren würde», sagte er.

Kaum aber hatte das Hauptquartier der Waffeln den festlichen Moment getwittert, erhob sich Einspruch: «Ich frage mich, wie Sie wussten, in welchem Restaurant das passieren würde», twitterte ein Zweifler. Wurden etwa in einer Kommandozentrale sämtliche in allen 2100 Filialen bestellten Waffeln elektronisch registriert? Riefen die Filialen an? Ehe sich die Verdachtsmomente häufen konnten, lieferte das Welthauptquartier alles Gewaffelten eine überzeugende Antwort: Es handle sich hierbei um «Waffel-Magie», twitterte die Unternehmenszentrale.

Und Frau Shanneil? Sie erhielt neben der Apfelstreuselwaffel einen Beutel mit nützlichem Tand und Plunder aus dem Waffle House. Alle waren glücklich.

8 Kommentare zu «Einen an der Waffel»

  • Rolf Rothacher sagt:

    Einmal mehr liest Herr Kilian eine dünne Meldung in einer US-Zeitung und schreibselt sich einen unnötigen Artikel zusammen, der weder über die USA wirkliche Wahrheiten erzählt, noch anderweitig lehrreich wäre, sondern bloss die USA niedermachen soll, damit sich eine dümmliche Leserschaft in der Schweiz „erhaben und überlegen“ fühlen darf. Kommt mir vor wie’s Schweizer Fernsehen mit seinem Kulturplatz. Auch dort wird immer nur von oben herab berichtet, wenn es um Kulturleistungen geht, die tatsächlich rentieren und funktionieren und nicht bloss durch millionenschwere Subventionen des Staates vergoldet werden.
    Da liest man doch besser „Nicholas Nickleby“ von Charles Dickens aus dem Jahre 1839, denn darin findet man weit mehr der echten, amerikanischen Seele als in allen Kilian-Beiträgen.

    • Petet Müller sagt:

      Herr Rothacher weshalb nehmen sie sich überhaupt die Zeit den Tagi zu lesen oder Schweizer Fernsehen zu schauen wenn sie sich dermassen darüber aufregen.

      • Rudolf Naegele sagt:

        ums sich jedes mal auf ein Neues zu freuen, es Richtig gemacht zu haben, sich im Ausland niederzulassen.
        Genau wegen Leuten wie sie Herr Mueller sind wir weggezogen und ich habe es nach 35 Jahren noch kein einziges Mal bereut.
        Gruss aus Motown

        • Peter Müller sagt:

          Herr Naegele,sie Leben in Detroit, das ist doch eine Nordamerikanische Grossstadt wo durch die Gentrifizierung komplett zerstört worden ist. Welche ein Polizeichef hat wo die Statistik über die Ermordeten manipulieren muss, weil sonst das Leben in jeder Irakischen Stadt sicher wäre als in Detroit.

    • Benni Aschwanden sagt:

      Einmal mehr eine destruktive Miesmacherkritik, mit dem einzigen Zweck andere niederzutrampeln und sich selber hochzuschaukeln („Ach, Sie lesen Charles Dickens?“). Allerdings, war Dickens nicht Engländer? Und spielte der erwähnte Roman nicht im alten England?? Naja, vermutlich ist die echte amerikanische Seele eben in London zu finden. All those angry old men…
      Ich finde die Beiträge von Herr Kilian immer wieder erfrischend und witzig, eben mit mehr Unterhaltungswert als Anspruch auf hochseriöse Journalistik. Solche „Berichterstattung“ mit Augenzwinkern dürfte es in der oft allzu dramatischen und humorarmen Tagespresse gerne mehr geben.

    • Dieter Neth sagt:

      Ach kommen Sie. Keinem Ami würde Herr Kilians Bericht ernsthaft missfallen. Ich mag amerikanische Waffeln. Vor allem die, welche man sich in den Comfort Inns die in der endlosen Weite New Mexicos stehen am Morgen selber macht. Mit viieeel Schlagsahne und all dem Süsskram, welchen man uns hierzulande sauertöpfisch miesmachen will. (Kein Uebergewicht und kein Diabetes, hehe) In einem so grossen und vielgestaltigen Land ist eben alles irgendwie wahr, sogar die seltsamsten Geschichten. Das ist meiner Ansicht nach das einzig „typisch Amerikanische“ das mir nach 30 jähriger Bekanntschaft einfällt. Ich habe allerdings nie richtig dort gewohnt, war immer auf Achse, sei es als Reisender oder geschäftlich. Oder hab mich mit den USA als Bewohner des südlich daran angrenzenden Nachbarland auseinandergesetzt. Und nein, in Nordmexiko hasst man Gringoland nicht, das tun nur die Kaffeehausmarxisten in Mexiko Stadt.

    • rainer_d sagt:

      Fand den Artikel nett.
      Die Wahrheit ist das, was die Mehrheit der Leute für die Wahrheit hält.

    • H.Trickler sagt:

      Kein Zweifel dass es sich um einen dünnen 😉 Beitrag handelt, bestens geeignet auch für Blickleser oder als Homestory eines Familienblatts.

      Gar nicht anderes will Newsnet sein. Die Zeiten der seriösen Tageszeitung Bund usw. sind leider vorbei 🙁

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