Eine stolpernde Enttäuschung

Beleidigte die Latinos und Asiaten: Der republikanische Präsidentschaftskandidat Jeb Bush, hier in Columbus, Ohio. Foto: Paul Vernon, AP

Jahrelang warteten seine Fans auf Jeb!, den Mann mit dem Ausrufezeichen auf seinen Wahlkampfplakaten und in seinen TV-Spots. Jeb! Es hiess, er sei der wahre Bush mit einer direkten genetischen Verbindung zum präsidialen Vater George Herbert Walker Bush und zum Senator und Opa Prescott Bush. Die Ahnen bestachen als Politiker mit Augenmass. Nichts Verrücktes hatten sie an sich wie beispielsweise George W. Bush, der Bruder von Jeb!

Nein, Jeb! würde als Fähnrich der Bushs den Clan zu neuer Blüte führen, nachdem George W. jahrzehntelang zwar eine Fahne vor sich hergetragen hatte, aber eben nicht die der Familie Bush. Sondern die seiner Alkoholsucht. Schon jetzt aber setzt Ernüchterung ein: Nach genauem Studium von Jeb! und präzisen Beobachtungen seiner Person im TV bleibt nur die schreckliche Wahrheit, dass Jeb! nicht besser ist als George W. Jawohl: Kein bisschen Fortschritt!

Mit George W. konnte man zumindest Pferde stehlen. Ein Mann für Jux und Tollerei. Jemand, der dir auf den Rücken klopft, Witze versprüht und für jeden einen Spitznamen hat. Kanzlerin Merkel massierte er bekanntlich sogar die Schulter als Ausdruck seiner Wertschätzung. Und Putin blickte er tief in die Seele und gewahrte darin Hehres und Schönes. Hätte George W. seine Fahne nicht tapfer eingeholt und auf immer verschwinden lassen: Zu gerne würde man ein Bier mit ihm trinken. Trotz Irak und Folter, und was immer er sonst anstellte.

Jeb! hingegen kommt sauertöpfisch wie Schopenhauer daher. Er stolpert durch seinen Wahlkampf als eine einzige grosse Enttäuschung. «Er war schrecklich», seufzte die «New York Times», nachdem Jeb! am vergangenen Montag an der Grenze zu Mexiko aufgetaucht war, um im Gegensatz zu Trump etwas Intelligentes zur Einwanderung zu sagen. Doch es kam nichts Intelligentes. Wenngleich Jeb! die strenge Miene eines Pedanten aufsetzte. Wie ein Elefant trat er auf. Einen Porzellanladen hatte er mitgebracht. Mächtig trampelte er darin herum.

Erst beleidigte er Latinos – umso erstaunlicher, als seine Gattin Latina ist – und danach Amerikaner asiatischer Herkunft und überhaupt Asiaten. Was und wer ist als Nächstes dran? Der Papst? Zuvor taumelte Jeb! benommen durch den Irak. Zuerst sagte er, trotz allem, was inzwischen bekannt sei, würde er Saddam wieder abräumen. Dann gab er vor, die Frage nicht verstanden und deshalb etwas Dummes gesagt zu haben. Und neulich behauptete er, der Sturz Saddams sei ein «guter Deal» gewesen. Prima Deal, Jeb! Nur ein paar Hunderttausend Tote zum Preis von zwei Billionen Dollar und IS gratis.

Verbrezelt ist der Mann, sein Wischiwaschi furchtbar. Dann doch lieber ein Bier mit Trump. Da weiss man, was man hat. Trumpismo! Da darf wenigstens gelacht werden, wenn auch tunlichst hinter dem Rücken des Caudillo. Ausserdem ist Trumpismo unterhaltsam: Ich, ich, ich, ich, ich. Jeb! hingegen ist zum Weinen. Könnte Opa Prescott den schlingernden Enkel sehen, bräche er gewiss in Tränen aus. Lieber Jeb!: So wirst du niemals Präsident. Schon weil kein Wähler ein Bier mit dir trinken möchte.

16 Kommentare zu «Eine stolpernde Enttäuschung»

  • Stefan Studer sagt:

    Ich lebe seit vielen Jahren in der USA. Grosse Gratulation Herr Kilian, perfekter koennte Ihr Kommentar auf das Derzeitige nicht zutreffen. Die Presidentschaft ist hier eine Casting Wahl und dann eine Populaerheitsfrage. Alles andere ist sekundaer. Lasst uns beten das der beste gewinnt. Ich hoffe auf Hillary, weitaus die besten Qualifikationen, auch wenn das nicht immer so erkannt wird.

  • Tom sagt:

    Die Dominanz des amerikanischen Berlusconi im republikanischen Vorwahlkampf zeigt doch nur wieder mal wie dumm es ist, wenn sich eigentlich vernünftige Konservative auf das Niveau des fremdenfeindlichen Bodensatzes herablassen. Sie werden so zu unglaubwürdigen, defensiven Nachäffern und fallen deswegen beim Zielpublikum erst recht durch, während besonnerere Schichten am Kandidaten zu zweifeln beginnen. Das Phänomen gibt es ja auch auf der linken Seite.
    Wäre ich Amerikaner, ich würde mir Kyra Kennedy Townsend als Präsidentin wünschen, die hier vor ein paar Tagen interviewt wurde. Aber vielleicht kann sie da wo sie jetzt arbeitet viel mehr bewegen, das der Welt Fortschritt und Prosperität bringt.
    Zu wünschen ist sicher, dass sich nicht wieder wie im Fall G.W. Bush ein Interessenclan des Militärisch-Industriellen Komplexes (Eisenhower warnte ja früh vor ihm) hinter einem eher überforderten Dummy breit macht. Leute die primär an Konflikten interessiert sind, die ihren Firmen Umsätze bringen. Die Folgen davon tragen ja auch wir heute erst richtig mit diesen Flüchtlingsströmen aus Vorderasien. Die wiederum die hiesigen Angst- und Wutbürger zu Extremisten werden lassen.

  • Hefti Rolf sagt:

    Als Schweizer kann ich keinen US-Presidenten wählen. Wenn ich es könnte würde ich wohl auch nur den „bösen, dummen, unfähigen“ Presidenten wählen. Bin also gespannt für wen sich die Amerikaner bei den nächsten Wahlen entscheiden werden. Anzumerken ist noch, können im 2015 US-Presidenten überhaupt noch etwas bewirken?

  • August Sommerhalder sagt:

    Dank an Herrn Kilian! Sie sind der Erste, der es wagt, die Wahrheit über die Bush’s zu sagen. Der hinterhältige, in keinster Weise gerechtfertigte Krieg, ausschliesslich gegen Sadam gerichtet hat ein Chaos verursacht und die Geburt des IS ermöglicht. Sadam müsste auferstehen, er wäre fähig Ruhe und Ordnung wieder herzustellen. George W. hätte den Galgen verdient. Nochmals besten Dank für die Wahrheit!

    • Mario Monaro sagt:

      Kann schon sein, dass Herr Kilian einer der ersten war, aber sicher nicht hier und heute. Was die Bushs sind, insbesondere G.W. für einer, war wohl schon seit längerem bekannt. Dass Sie dann aber ausgerechnet Saddam Hussein wieder herbeiwünschen will nicht so recht ins Bild passen. So ziemlich alles, was man G.W. vorwerfen kann, hat er ebenfalls praktiziert, plus noch ein paar Hässlichkeiten mehr, wie z.B. den Giftgasangriff auf Kurdendörfer.

  • Regis Schifferle sagt:

    Das Demokraten-Groupie Kilian würde gescheiter die Leute in der Schweiz darüber aufklähren, wie tief die Hillary Clinton im Sumpf steckt, faktisch unwählbar geworden ist, jeden Tag weniger Zustimmung geniesst, so dass die Demokraten auf den greisen Joe Biden zurückgreifen müssen. Auf die Umfrage der Journalisten nach der wichtigsten Eigenschaft Clintons kam LÜGEN als Nummer eins Antwort. Dass er den wirklich nicht überzeugenden Bush jetzt in die Pfanne haut ist typisch Kilian, dann muss er nämlich nichts über die zahlrechen guten Republikaner Kandidaten schreiben!

  • Markus Schneider sagt:

    Fahr zur Hölle, Kilian. Oder erzähl den Amerikanern endlich mal, warum du dich in ihrem Land herumtreibst und was du Woche für Woche über sie schreibst.

    • Edi Rey sagt:

      Besser Sie erzählen uns endlich mal, woher Ihr Hass auf diesen Journalisten kommt. Und an Ihren Manieren können Sie ja noch etwas feilen.

    • Peter Müller sagt:

      Aber das steht Herr Kilian ist Amerikaner, also hat er genauso ein Recht dort zu sein wie sie selber.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.