Birminghams Bibliothek fehlen die Bücher

Bücherei in Birmingham: Blick in den Shakespeare Memorial Room. (Foto: Facundo Arrizabalaga/EPA)

Sie ist ein städtisches Glanzstück, landesweit bestaunt und bewundert – ein preisgekröntes architektonisches Juwel. Bei der Eröffnung vor zwei Jahren erregte sie den Neid aller anderen britischen Kommunen. 188 Millionen Pfund (285 Millionen Franken) kostete die neue Bibliothek von Birmingham.

Für das Geld erhielt Englands «zweite Stadt» ein grandioses Kulturzentrum fürs 21. Jahrhundert. Dessen strahlende Präsenz am Centenary Square trotzt allen Austeritätsklagen, allem kommunalen Kleinmut im Königreich.

Einen Haken hat die Sache allerdings, wie sich nun herausstellt. Die Stadtväter und -mütter Birminghams vergassen etwas bei ihrem grossen Wurf. Vielleicht kalkulierten sie auch bloss nicht ein, dass sich die Haushaltslage in der Stadt durch erneute scharfe Sparmassnahmen der Regierung weiter drastisch verschlechtern würde.

Jedenfalls hat Birmingham jetzt kein Geld mehr, um seiner Bücherei Bücher zu kaufen. Weder zum Erwerb von Neuerscheinungen noch zur Auslage von Zeitungen reicht das Budget für die nächsten Jahre offenbar. Staunende Bürger Birminghams sehen sich so seit ein paar Tagen mit dem Notruf «Bücher benötigt!» konfrontiert.

Wegen der Kürzung der öffentlichen Mittel sei man leider nicht in der Lage, die alten Schmöker auf den Regalen durch frische Druckware zu ergänzen, hat die Bibliothek die Stadt per Anschlag wissen lassen: «Wir bitten deshalb darum, der Bücherei Bücher aller Art zukommen zu lassen, die in den letzten zwölf Monaten erschienen sind. Jede Gabe wird dankbar akzeptiert.»

Der Aufruf hat auf der Insel spöttische bis verzweifelte Reaktionen ausgelöst. Schriftsteller im ganzen Land hadern öffentlich mit «dieser fatalen Politik». Eine solche «Bettelei», finden sie, sei doch wirklich demütigend. Dazu dürfe eine grosse Einrichtung nicht gezwungen werden. Eine Kolumnistin hat die neue Library mit einer Bäckerei verglichen, die kein Brot verkauft. Einer anderen kommt es so vor, als habe die Stadt sich ein fürstliches neues Schwimmbad geleistet – und als erwarte sie nun, dass die Besitzer privater Swimmingpools überall in Birmingham eimerweise das Wasser anschleppen, das man zum Schwimmen nun einmal braucht.

Womöglich, hiess es in einem weiteren Kommentar, habe man in Birmingham nur an Bilbao und an das berühmte Guggenheim-Museum gedacht beim Bau des eigenen Kulturtempels – und dabei eine gewaltige Fehlinvestition, einen künftig leer stehenden «weissen Elefanten», riskiert.

Wer übrigens seine frisch gelesenen Bücher gern an die Bücherei weiterreichen möchte, muss sehen, dass er dort auch jemanden antrifft, der sie ihm abnimmt. Wegen der Entlassung einer Grosszahl ihrer Mitarbeiter ist die vielgefeierte «Stätte der Begegnung» mittwochs bis samstags nur noch sechs Stunden am Tag geöffnet … Was natürlich Sinn macht, wenn es nicht viel auszuleihen oder zu lesen gibt.

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