Weniger ist nicht mehr

Nach einer langen Rutschpartie auf abschüssigem Terrain ist McDonald’s in einem Jammertal gelandet. Das amerikanische Wahrzeichen tut sich schwer, weil die Kunden ausbleiben und lieber zu Burger King (zehn Chicken-Nuggets für 1.49 Dollar!) oder sonst wohin driften. Schon sehen Analysten die goldenen Bögen im unternehmerischen Abseits, obschon sich McDonald’s alle Mühe gibt: Gesündere Kost wird angeboten, der Hamburger kann mancherorts mithilfe eines ausgeklügelten Baukastensystems zusammengesetzt werden, sogar Salate gibt es.

Trotzdem sackte der Verkauf im zweiten Quartal um 0,7 Prozent ab, derweil Burger King 6,7 Prozent zulegte. Die Verfeinerungsstrategie funktioniert offensichtlich nicht. Warum sollte sie auch? Wer bei Big Mac einkehrt, will möglichst viel für möglichst wenig gemäss dem uramerikanischen Motto: Mehr ist mehr! Und da hapert es eben bei McDonald’s, seit das Ein-Dollar-Menü modifiziert wurde. Jetzt gibt es das «Dollar-Menü und mehr», was aber eigentlich weniger ist.

Die Kundschaft wurde nachhaltig verprellt

Das weniger mehr sein soll, ist völlig unamerikanisch. Trotzdem wirbt McDonald’s mit dem «Ein-Dollar-Menü und mehr», weil der Kunde damit «Geschmacksknospen und Geldbeutel» verwöhnen könne. Ausserdem fordert die Kette apodiktisch dazu auf, man solle «jetzt sofort einen Big Mac bestellen» – eine Nötigung, die offensichtlich der wirtschaftlichen Schräglage entspringt. Wahrscheinlich stellte sich diese ein, nachdem McDonald’s das Ein-Dollar-Menü verwässert und die Kundschaft damit nachhaltig verprellt hatte.

Denn nach der Modifizierung des Ein-Dollar-Menüs geriet das Preis-Leistungs-Verhältnis insgesamt aus dem Lot. Schon im Februar hatte ein gewisser Andy Prescott in einer umfassenden Forschungsarbeit die besten Deals bei McDonald’s akribisch herausgefiltert. Herr Andrew, ein Buchhalter und Autor einer Anleitung zu profunder Knausrigkeit, freut sich immer, wenn er «neue und aufregende Wege findet, weniger zu bezahlen».

Bei einem Lunch bei McDonald’s bohrte er sich deshalb tief in die Speisekarte des Etablissements und verglich Preise und Gewichte diverser Mahlzeiten. Und siehe da: Das McChicken-Sandwich, ein Prachtsding zum Schnäppchenpreis von einem einzigen Dollar, belegte den ersten Platz und kostete pro amerikanischem Pfund nur 3.14 Dollar – im Gegensatz zu allerlei Schnickscknack-Deals, deren Pfundpreise bis auf zehn Dollar explodierten. Danke, Herr Andrew!

Ebenfalls Lob für die Rodung des McDonald’schen Preisdickichts gebührt Moshe Tamssot. Er missbrauchte im Staat Illinois einen Marketing-Gag des Unternehmens zur Komposition eines hochindividuellen Hamburgers («Schaffen Sie sich Ihren eigenen Geschmack!») und konstruierte ein Monster: 30 Scheiben Käse, zehn Streifen Speck, jeweils zehn Portionen Gurken und Tomaten und Guacamole und Zwiebeln sowie Tortillastreifen und vieles mehr wie etwa Zehnerportionen sieben verschiedener Sossen. Für seine Bemühungen erhielt Herr Tamsott einen Koloss von 3,8 Pfund für lediglich 24.89 Dollar und schuf sich so einen eigenen Geschmack zum Discountpreis.

15 Kommentare zu «Weniger ist nicht mehr»

  • Bidu sagt:

    Nachdem ich nun alle Kommentare gelesen habe steht die Frage im Raum: Welche Alterkategorie hier geschrieben hat. Erstaunlich ist nämlich, dass durchs Band von negativen Aspekten (Grillgeschmack aus der Spraydose, Whopper schmeckt weniger schlecht, fragliche Inhalte im Fleisch etc) die Rede ist aber, man isst es trotzdem, Warum? Wenn die Kundschaft mit diesem Wissen gezwungen würde so zu handeln würden sie unisono die Menscherechte beklagen.

  • Remo sagt:

    Man muss halt auch die US-Fastfood-Landschaft als ganzes sehen. Bei uns in der Schweiz denkt man bei US-Burger entweder an McD oder BK – und glaubt, in den USA sei das auch eine Sache zwischen zwei Firmen. Sonic, Wendy’s, Carl’s Jr., Arby’s etc. etc. sind alles riesige Ketten, die uns kein Begriff sind. Und dann noch all die anderen Pizza / Sandwich etc. Schnell-„fress“ Läden à la Pizza Hut, Taco Bell, Subway, Chick-fil-A usw… Der Punkt: McD hat eine riesige Konkurrenz und die bieten in der Regel mehr „Mampf“ für weniger Geld an. Und für die Leute, die „Qualitätsburger“ wollen, gibts mittlerweile auch eine ganze Reihe an kleinen Premiumketten – vorallem in der Grosstädten, z.B. Five Guys Burgers. Also… MickeyD hats nicht einfach 😉

    • Marcel Stierli sagt:

      Das wollen die heren Schweizer aber nicht lesen Remo. Es geht hier eher drum die allseits überlegene europäische (Essens)Kultur zu manifestieren. Natürlich hat dies nichts zu tun damit, dass man sich des öfteren mit fettigen und lampigen Gyros, Kebab oder Fallafel eindeckt oder sogar die traurig nach unten hängenden Pizzaslices des Pizzablitzes nach Hause bestellt. Ist ja schliesslich Europäischer Fastfood. Kein Vergleich….tststs…

      • Bidu sagt:

        All die Brand die Remo erwähnt sind aber auch nicht mehr das was sie mal waren. Die Amis wollen „nur noch billig“ und machen bewusst Abstriche bei der Qualität. Hierzulande drücken aber auch immer mehr Fast food brands auf den Markt. Die Gyros und Co befriedigen halt einen grossen, „neuen“ Kultursektor ab. Die US Ketten haben an popularität verloren was halt auch mit neuen Generationen einher geht. Ich find dieses „Essen“ nicht besonders attraktiv und hab ja die Wahl woanders hin zu gehen. Super!

  • Ueli sagt:

    Untergang eines Imperiums? Naja – die Jammern auf hohem Niveau. Die Leute stehen für einen pappigen BigMac immer noch von Mumbai bis Zürich Schlange. Wieso? Weil Leute im Durchschnitt etwa überall gleich bescheuert sind. Japaner, Araber, Chinesen, Inder und Amis kommen im Sommer nach Zürich um ein heisses Fondue bei 35 Grad im Schatten zu „geniessen“ – und das ist anscheinend die sogenannte „Elite“ dieser Länder. Da kommt`s doch einem hoch…

    • adam gretener sagt:

      Ich möchte Sie ja nicht erschrecken, aber z.B. die Walliser zeigen uns den Vogel, wenn das Raclette im Winter genossen wird. Das wird nur für die Flachland-Schweizer angeboten.

    • Tina S sagt:

      Ich würde auch Fondue bei 35 Grad im Schatten essen, wenn ich mein ganzes Erspartes in eine einmalige Schweizreise investiert hätte. Das machen Sie doch auch, wenn man irgendwo im Ausland isst. Und sonst gibts eben noch BK oder McD. Wobei ich, wenns unbedingt sein muss, BK bevorzuge.

  • Martin sagt:

    1. Fastfood Ketten in der CH sind zu teuer. 2. Der Big Mac ist zu klein. 3. Die Fritten bei McDo sind scheusslich! Die von BK sind einfach besser, knackiger. 4. Bei praktisch allen Burger extra Kreationen, ist die Hauptsauce BBQ. Die schmeckt mir aber nicht.

  • Claudio Hammer sagt:

    Kann es nicht einfach sein, dass die Burger-King Hamburger einfach mehr Geschmack nach Grillfleisch haben sowie bessere Brötchen als die doch ziemlich fade schmeckenden McDonalds Burger, bei denen einem dieser fade Geschmack oft auch noch Stunden nach dem Verzehr aus dem Magen aufstösst?
    Mich kann McD als Kunden auch vergessen – das Zeug schmeckt einfach überhaupt nicht!

    • adam gretener sagt:

      Klar, der Burger-King-Grill-Geschmack aus der Spraydose. Da können Sie sich auch ein Bacon-Duftbäumchen kaufen.

      • Peter Seiler sagt:

        Der Whopper schmeckt zumindest weniger schlecht. OK, ist ein Geschmacksvergleich auf der alleruntersten kulinarischen Stufe. Wobei ich ein richtig guter Burger gerne esse. Ist einfach schwer zu finden in der Schweiz. Selbst die 30 Franken Versionen in Zürich kommen nicht an einen einfachen guten Burger in den Staaten ran.

      • Hans sagt:

        Egal woher der Geschmack kommt. Burger King schmeckt einfach besser. Ich kaufe einzig noch während der Schweizer Wochen Burger bei McD, diese Kreationen sind teilweise überraschend gut.

      • Claudio Hammer sagt:

        Gretener: Das mit dem Spraydosengrillgeschmack habe ich auch schon gelesen. Aber ist mir eigentlich egal, wenn ich schon eher selten mal ein Junk-Food Lokal aufsuche, will ich wenigstens, dass der Food nicht auch noch nach Junk schmeckt — und da liegt BK einfach meilenweit vor McD habe ich festgestellt.

        • adam gretener sagt:

          Ciao Claudio, dieser Spray wird natürlich nicht neben dem Grill im Restaurant angewendet, sondern direkt in der Produktion.

          Ich möchte auch gar nicht sagen, dass ich noch nie bei einem dieser Lokale zu Besuch war. Aber immer nur, wenn ich mit den Jungs in der Stadt unterwegs war (hicks) und dann 20 Minuten auf den Zug/Bus warten musste.

          Man muss sich nur bewusst sein, was das alles wirklich ist. Vergleich mal ein Stück Hamburger-Fleisch, welches Du selbst aus einem Pfund Hackfleisch gemacht hast, mit diesen Produkten. Die behaupten ja immer, das Fleisch sei 100% aus regionaler Produktion. Nur die sagen nicht, was sonst noch alles drin ist.

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