Die Schnapsidee einer Schnapsfahrt

Ah, Spring Break, dieses alljährliche Ritual amerikanischer Studenten! Was wäre das Studium ohne den Spring Break mit seinen Bikinis und Bierorgien? Selbstverständlich will diese Vergnügung sorgsam vorbereitet sein, weshalb die Burschenschaft Phi Kappa Psi an der Louisiana State University (LSU) in Baton Rouge rechtzeitig ein beachtliches Arsenal von allerlei Alkoholika anhäufte. Jawohl, bei LSU handelt es sich um jene Uni, die Randy Newman in seinem berühmten Lied über Rednecks besang: «Gingen dumm da rein, kamen dumm da raus». Aber das nur nebenbei.

Zur Burschenschaft muss gesagt werden, dass die amerikanische Version dieser Jungmännervereine als «Fraternity» bekannt und wegen ihres destruktiven Umgangs mit Alkohol berüchtigt ist. Kaum eine Woche vergeht ohne ein Desaster irgendwo im Land. Bisweilen stimmen die «Fratboys» im Zustand der Totalvernebelung rassistisches Liedgut an oder fallen von den Dächern ihrer Häuser, deren Kühlschränke stets prallvoll mit billigem Bier sind.

Um diesem sowie anderen Alkoholika auch während des Spring Break am Strand von Gulf Shores an Alabamas «Redneck Riviera» wie gewohnt zusprechen zu können, sorgten die «Fratboys» von Phi Kappa Psi wie gesagt vor: Sie luden diverse Variationen ihrer Lieblingsdroge in einen Anhänger, der von einem Pick-up-Truck von Baton Rouge nach Gulf Shores gezogen werden sollte.

Einer der Transporteure, ein gewisser Hunter Coker, meldete sich auf Instagram vor der Abfahrt stolz mit einem Foto der Fracht. «Ich glaube, wir haben genug für den Spring Break», prahlte er und machte sich mit drei weiteren «Fratboys» von Phi Kappa Psi auf den Weg nach Gulf Shores, wo eine Vorausabteilung die Spediteure sicherlich ungeduldig erwartete. Leider aber war das Kennzeichen des Anhängers ungültig, weshalb ein scharfäugiger Polizist im Kreis Mobile in Alabama die Burschenschaftler auf der Autobahn 10 anhielt und den Anhänger inspizieren wollte.

Sobald der Cop dessen Tür geöffnet hatte, blickte er auf 106 Kartons Bier der Marke Natural Light – ein preiswertes Gebräu mit schweren geschmacklichen Defiziten, das sich bei «Fratboys» gleichwohl grosser Beliebtheit erfreut – sowie 60 Dosen mexikanisches Corona-Bier. Abgerundet wurde das rollende Depot durch einen Karton billigen Weins der Marke Franzia sowie Literflaschen voller Rum, Tequila, Wodka und Whiskey.


Das Spring-Break-Debakel. (Quelle: 3KSN News)

Nichts an der Fracht wäre illegal gewesen, doch fand der Cop schnell heraus, dass alle vier Logistiker jünger als 21 waren. Das amerikanische Alkohol-Alter aber ist 21: Wer jünger ist, darf weder trinken noch transportieren – ein dummes Gesetz, aber eben das Gesetz. Umgehend beschlagnahmte der Cop an der Autobahn 10 deshalb die gesamte Fracht der «Fratboys» und beendete ihre Fahrt. Jetzt wird der Alkohol vom Sheriff des Kreises Mobile vernichtet werden, was übertrieben scheint. Ein Karton Natural Light zu Weihnachten wäre doch ein schönes Präsent für bedürftige Bürger des Kreises gewesen!

Die Schnapsfahrt der «Fratboys» endete also mit einem Debakel, wenngleich es nicht an einer Warnung gefehlt hatte: «Wer von euch ist 21?», wollte auf Instagram ein Freund der Spediteure vor der Abfahrt wissen. Die Antwort weht im Wind. Bob Dylan? Nein?

8 Kommentare zu «Die Schnapsidee einer Schnapsfahrt»

  • Franz Holzner sagt:

    Das gibt es Europa doch schon lange, von Nord bis Süd; unter verschiedenen Namen: Midsommar-Party, Karneval, Oktoberfest oder Botellón …

  • Sebastian Rieder sagt:

    Der Spring break ist in der Tat eine bizarre Angelegenheit. Ich war anno 2010 nach abgeschlossenem Studium und dem ersten „grossen“ Gehalt aus der Festanstellung mit 2 Kumpels in Daytona Beach. Nun, als Singleman geniesst man natürlich den „Damenzuspruch“ (um es mal halbwegs unverfänglich auszudrücken). Zudem hat man auch noch die „interessanter Ausländer aus Europa“ und den „über 21 = kann Alkohol kaufen“ Boni. Aber eben, als halbwegs reflektierte Person, wird einem das ganze Trara und kindische Gebahren der Leute (Niveau Dorfdisco voller 14 Jähriger) nach spätestens 3 Tagen schlicht zu blöd.

  • Alex sagt:

    Ja, und die Besäufnisse kommen hier auch ohne Frühling. Donnerstage, Freitage und Samstage reichen vollauf dazu.

  • Eduard J. Belser sagt:

    Hoffentlich müssen wir hier in Europa nebst anderen Dummheiten, wie Haloween usw. nicht auch noch diesen Schwachsinn aus den Verunreinigten Staaten von Amer(d)ika, dem «Land des unbegrenzten Schwachsinns» nachäffen. Der Frühling kommt auch ohne hirnlose Besäufnisse.

    • Sandra sagt:

      Werden wir nicht, da die jungen Leute bereits ab 18 trinken können. Das ist der alleinige Grund für diese Frühjahrsmigration.

    • Michael sagt:

      Hoffentlich kommt die Dummheit, den Datenschutz zu lockern, auch nie nach Europa. Wie viele andere US-Amerikaner liebt es Martin Kilian in seinen Artikeln, die Personen auch bei kleineren Vergehen mit vollem Namen und Foto blosszustellen, weil die Gesetze es dort erlauben.

    • Markus Borer sagt:

      Das gibt es bereist. In Kroatien sind an den Küsten bereits solche Party-Meilen vorhanden und werden ausgiebig besucht. Im Osten an der Schwarzmeerküste gibt es (ich glaube in der Ukraine) im Sommer ein Festival, da ist der Amerikanische Springbreak ein Nasenwasser dagegen.
      Der Import von „bescheuert sein“ haben wir doch bereits vollzogen, nur noch nicht ganz so exzessiv.. Eigentlich schade.

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