Wie die Indianer den Jackpot gewannen

Mal wieder unterwegs mit dem Auto über Amerikas Schlaglöcher und krümelnde Brücken, vorbei an den Fetzen explodierter LKW-Reifen und manchmal auch darüber weg. Und alles nur, weil man dem inneren Glockenspiel nach New Mexico folgt, einem Shangri-La der Aussteiger, wo freundliche Hippies am Wegrand in einem Bus Getränke des täglichen Bedarfs verkaufen. Alt wie Bob Dylan ist ihr Bus und bunt angemalt wie Gene Simmons und die Freaks von Kiss. «Vor mir friedlich, hinter mir friedlich, unter mir friedlich, über mir friedlich, um mich herum friedlich», lautet ein Sprichwort der Navajo, die den Nordwesten New Mexicos bevölkern. Also nichts wie hin!

Schon bei der Ankunft in Farmington, dem Herz der Region, weicht die Euphorie jedoch Ernüchterung. Nicht nur gibt die Stadt nichts her. Sie ist überdies ein Tummelplatz stämmiger Burschen, die der Fracking-Boom angelockt hat. Dicke Diesel-Pick-ups mit schwarzen Rauchfahnen und dem Drehmoment einer Lokomotive brettern durch die Stadt. Beschriftet sind sie mit ominösen Namen wie «Halliburton» oder «Soundso-Energie» – eine Vorausabteilung von Öko-Frevlern, die nach Gas und Öl bohrt.

Dreckige Stiefel in der Hotellobby

Die Fracking-Cowboys verdienen reichlich Zaster, arbeiten wie die Berserker und besudeln mit ihren Stiefeln die Hotels, in denen sie mangels Unterkünften wohnen. Umzingelt sind diese Jäger des Fossilen von den Spielkasinos der Navajo. Dass der berühmte Lakota-Chief Red Cloud stellvertretend für alle Indianer sagte, Reichtümer «würden uns nicht helfen, und wir wollen keine Reichtümer», interessiert die Navajo nicht. Sie bauen Spielkasinos.

Insgesamt besitzt der Stamm in New Mexico drei Spielhöllen mit so poetischen Namen wie Zwillingspfeile oder Fliessendes Wasser oder Nördlicher Rand. Letzteres befindet sich am Stadtrand von Farmington. Und nachdem die Cowboys über Jahrhunderte die Indianer betrogen und sämtliche Verträge mit ihnen gebrochen haben, sind jetzt die Indianer am Zug: Ihre Kasinos ziehen den Fracking-Cowboys die Dollars aus den Taschen.

«Big Action», «Big Fun», «Big Jackpots»

In Farmington ist also allerhand los, von einer elegischen Atmosphäre wie bei Karl May kann freilich keine Rede sein: Im Kasino Nördlicher Rand rattern 750 Spielautomaten, aus Lautsprechern plärren Ansagen, auch klingelt und bimmelt es, dass Sitting Bull das Weite gesucht hätte. Immerhin verlieren beim Glücksspiel sowohl Cowboys als auch Navajo, was eine bemerkenswerte Détente zwischen den alten Widersachern suggeriert.

Das Kasino verspricht «Big Action» und «Big Fun» sowie «Big Jackpots», doch beträgt der Einsatz bei manchen Spielautomaten lediglich ein Cent. In Zahlen: 1 Cent. Wie bitte soll ein Indianer oder ein Cowboy mit einem müden Cent einen «Big Jackpot» gewinnen? Oder «Big Action» erleben? Hallo?

Der Schwanz der Klapperschlange

Ausserdem geht es bei den Navajo zu wie in Washington: Im November wählen sie einen neuen «Präsidenten», so der zeitgemässe Titel des Häuptlings. Einer der beiden Kandidaten, ein gewisser Chris Deschene, beherrscht die Navajo-Sprache anscheinend nur rudimentär – was ihn laut der Verfassung des Stammes und nach Ansicht seines Kontrahenten Joe Shirley eigentlich disqualifiziert. Hut ab vor den Navajo: Würden ähnliche sprachliche Qualifikationen im Rest Amerikas verlangt, wäre George W. Bush niemals Präsident geworden.

Von kosmischer Harmonie und Gelassenheit ist in und um Farmington nicht viel zu spüren. Im Gegenteil: Es wird gefrackt und gedieselt, gezockt und gestritten. Völlige Desillusionierung setzte ein, wäre da nicht die Weisheit der Indianer. «Nichts ist so eloquent wie der Schwanz einer Klapperschlange», sagen die Navajo. Solcher Tiefgang stimmt doch sehr versöhnlich!

Ein virtueller Rundgang durch das Navajo-Kasino-Resort Twin Arrows in Farmington:(Quelle: Youtube)

14 Kommentare zu «Wie die Indianer den Jackpot gewannen»

  • Arnaldo Semadeni sagt:

    Treffender Beitrag, Martin Killian. War im Juli 2014 in SW Colorado zu Besuch bei meinen Cousin und Cousinen in Cortez, Dolores und Mancos, die dort Farmer , Ranchers und Cow Boy sind; am Ort wo meine Grosseltern vor genau 90 Jahren auswanderten. Bereiste dabei Colorado, Utah, Arizona und New Mexico mit der Navajo Indian Reservation. Es leben dort auch sehr viele Ureinwohner, Indianer genannt. Übrigens, Klapperschlangen die dort nicht so gross gedeihen – ca. zwei Fuss lang – sind sehr gut “ gebraten a la Mexicaine“ – in scheiben geschnitten ohne Kopf und den Klapperschwanz! Und es wimmelt von Prairie Dogs – cynomis app. – die grosse schäden an Felder und Wiesen verursachen; einige Black Bear – ursus americanus und gelegentlich Pumas – mountail lion, felis concolor -, die man am besten nicht ohne geladener Gewehr begegnen möchte!

  • Manfred Grieshaber sagt:

    Was für ein schwacher Beitrag. Navajos sind und waren sesshafte Völker mit einer Agrar-Kultur, die hat bis auf wenige religiöse Details gar nichts mit der Welt der Nomadenvölker im Nordwesten der USA zu tun. Es ist das US-System des „keep it simple“, danach sollten alle indigenen Völker der USA irgendwie gleich sein. Ebenso wenig verstanden die Hippies etwas von der Pueblo-Kultur, die wollten nur das ihre Vorstellungen von „Friede, Freude, Eierkuchen“ auch bei diesen indigenen Völkern zu finden sei was natürlich absoluter Blödsinn ist. Und wer wollte den Navajos verdenken das sie ihre Sonderrechte als Reservatsbewohner ausnutzen und Glücksspiel anbieten? Von traditioneller Schafzucht kann heute kaum jemand existieren. Und die wollen auch nicht Teil eines Museums sein in der globalisierungsgeschädigte Weiße ihren Traum von der heilen Indianerwelt ausleben können.

    • Kokopelli sagt:

      @ Manfred, absolut einverstanden mit Ihrem Kommentar. Ich wohne hier in Arizona mit vielen Indianerreservaten, was da abgeht mit Alkohohl, Armut, Reichtum, Missgunst zwischen den Staemmen und untereinander und alten Fehden ist fast unglaublich. Andererseits gibt es auch viel Schoenheit, Kindlichkeit und Respekt zu lernen fuer uns Weisse. Lieber Gruss von drueben.

    • Manfred Grieshaber sagt:

      @Kokopelli: Es gibt meines Wissens nur einen Weißen der sich ernsthaft mit der geistigen Welt der Pueblo-Indianer beschäftigte: C. G. Jung. Er führte 1924 / 25 intensive Gespräche mit den geistigen Führungspersonen der indigenen Völker im Südwesten der USA was in seine wissenschaftlichen Arbeiten zur Psychotherapie einfloss.
      Da die Identität ihre geistlichen Anführer bis heute nach außen geheim gehalten wird weiß man nicht sehr viel über deren metaphysische Welt. Dagegen haben wir Europäer zu ihrer materiellen Welt einen relativ einfachen Zugang da diese Völker schon immer sesshafte Bauern und Viehzüchter waren. Ganz im Gegensatz zu den Prärie-Völkern wie den Dakota, deren Welt ist doch meilenweit von unserer entfernt.

      • Kokopelli sagt:

        @Manfred: Es kommt darauf an wen Sie fragen, Carlos Castaneda, Grandfather Two Bears, Swift Deer?
        Ich bin uebrigens ein Grossstadtindianer in Sunnyslope/ Phoenix AZ.

  • Toni Müller sagt:

    @R.Rothacher: Ich muss Ihnen recht geben. eigentlich sind sogar die meisten Beiträge vom Martin Kilian (MK) so billig zusammen geschustert das es mir vorkommt wie ein Roman von Karl May. Ich kann mir vorstellen das MK den Herrn May als Vorbild genommen hat. Karl May war übrigens nie in den USA! Bei MK bin ich mir nicht sicher ob er da war. Vielleicht findet MK seine Geschichten lustig. Ich finde es passt zum Niedergang des Tages Anzeiger als seriöse Zeitung.

  • Peter E. M. Schudel sagt:

    So ein grottenschlechtes Gekritzel… Typisch amerikanisch, oberflächlich, keine Kenntnisse der Fakten und etwas Fiktion sollen auch noch etwas Humor vermitteln. Katastrophal! Dieser Artikel war sicher ein Werbegeschenk…

  • Kurt B. Stucki sagt:

    Nana, Herr Rothacher,
    Es ist jedenfalls locker-luftig- leicht geschrieben und wohl auch so zu verstehen.
    Da kein juristisches Dokument, würde ich die Schreibe nicht so streng verurteilen.
    Machen Sie’s einfach besser… Schönen Sonntag noch.

  • Rolf Rothacher sagt:

    Schwacher Beitrag. Zum einen haben niemals die Cowboys irgendwelche Verträge mit Indianern gebrochen, denn Angestellte schliessen keine Verträge mit Nationen ab, auch früher nicht. Zum anderen sind die Indiander-Kasinos nichts neues und auf keinen Fall sind es „Spielhöllen“, sondern ganz normale Klein-Kasinos. Und der Seitenhieb an G.W. ist mehr als dürftig. Ich hoffe, kein Verleger hat für dieses Kilian-Gewäsch etwas bezahlt. Es ist nicht einmal lustig oder komisch, sondern bloss diffarmierend und billig zusammengeschustert.

    • A.K. Hitz sagt:

      Also ich fands lustig.

    • Toni Müller sagt:

      @R.Rothacher: Ich muss Ihnen recht geben. eigentlich sind sogar die meisten Beiträge vom Martin Kilian (MK) so billig zusammen geschustert das es mir vorkommt wie ein Roman von Karl May. Ich kann mir vorstellen das MK den Herrn May als Vorbild genommen hat. Karl May war übrigens nie in den USA! Bei MK bin ich mir nicht sicher ob er da war. Vielleicht findet MK seine Geschichten lustig. Ich finde es passt zum Niedergang des Tages Anzeiger als seriöse Zeitung.

      • Ruettimann Hans sagt:

        Karl May / Wikipedia:
        1908 unternahm Karl May mit seiner Frau eine sechswöchige Amerikareise. Sie besuchten unter anderem Albany, Buffalo und die Niagarafälle und Freunde in Lawrence

        • Toni Müller sagt:

          @H.Ruettimann: Sie haben Recht. Gemeint war VOR er seine „Wild-West-Geschichten“ geschrieben hat. May war tatsächlich Nie in den USA/Amerika um zu recherchieren. Winnetou V ist dann was anderes, Wurde ja auch (noch) nicht verfilmt.

    • Sebastian Nussbaumer sagt:

      Herr Rothacher, bitte beachten Sie dass die Frage um Gut und Böse in diesem Blogbeitrag fast nicht geklärt werden kann, Er enthält aber Verallgemeinerungen („Cowboys“) und Übertreibungen („Spielhöllen“) die der Belebung des Alltagsberichts dienen, der ansonsten eben nur alltäglich wirken würde und kaum Aufmerksamkeit erhalten würde. Hoffentlich haben auch Sie etwas über den Alltag in New Mexico erfahren, obwohl sie das Format offenbar nicht richtig verstaden haben.

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