Arnolds geheimer Fleck

Es war ausnahmsweise eine grosse Sache, die sich am vergangenen Montag in der ansonsten eher lahmen kalifornischen Hauptstadt Sacramento zutrug. Arnold war an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt, wo er einst als kalifornischer Gouverneur geschwarzeneggert und sich Hoffnungen auf einen Einzug ins Weisse Haus gemacht hatte. Gekommen war Arnold, weil sein «offizielles» Porträt vorgestellt wurde. Darauf ist er grossformatig und mit jugendlichem Schwung vor dem Wappen des Staats Kalifornien abgebildet.

Gemalt hatte das kolossale Kunstwerk der österreichische Realist Gottfried Helnwein, und Arnold gedieh ihm zu einem formidablen Adonis: schön, muskulös, jedoch vertrauenerweckend in einem grauen Anzug. Als Arnold dem Herrn Helnwein Modell gesessen hatte, war seine Welt noch in Ordnung: Die Ehe mit der Kennedy-Verwandten Maria Shriver florierte, Arnold rauchte Zigarren, und niemand wusste, dass eine brenzlige Liebschaft mit seiner hispanischen Haushälterin einen Kegel produziert hatte. Es war geheim!

Als Nachweis seiner Zuneigung zu Maria trug Arnold an jenem Tag, als er von Herrn Helnwein gemalt wurde, wohl eine Anstecknadel am Revers. Darauf war Maria abgebildet, sicherlich ein Lächeln im kantigen Gesicht. Schliesslich hatte sie zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung von Arnolds Sünde mit der Haushälterin. Als Realist malte Herr Helnwein, was er sah: Arnold im Anzug, Maria so gross wie ein Golfball am Revers – eine rundherum entzückende Kombination!

Danach aber stürzte Arnolds und Marias Gartenlaube krachend ein: Die Sache mit dem Kegel wurde publik, Maria reichte die Scheidung ein. Und kürzlich kam heraus, dass Maria ebenfalls einen Lover hatte, einen politischen Strategen, der es ihr besorgte und nebenbei Arnolds Wahlkampf erledigte. Nun überschlugen sich die Ereignisse. Denn konsterniert bemerkten manche Betrachter von Herrn Helnweins Kunstwerk nach der Enthüllung, dass sich ein Unbekannter daran zu schaffen gemacht hatte: Maria war vom Revers verschwunden, ein hässlicher Fleck hatte sie ersetzt!

Man könnte nun mutmassen, Arnold habe den bekannten österreichischen Übermalungskünstler Arnulf Rainer beauftragt, Maria elegant zu übermalen. Die amateurhafte Kleckserei lässt jedoch eher vermuten, hier habe Arnold selber im Affekt gehandelt, nachdem er von Marias Fehltritt mit dem Strategen erfahren hatte. Womöglich begab er sich zu später Stunde in das Kapitolsgebäude, riss die Stoffverhüllung vom Porträt und warf mitgebrachte Farbe auf Marias Konterfei. Und gewiss fluchte er dabei auf Österreichisch: Er werde es ihr zeigen, jawohl, er sei ja nicht ihr Eierschwammerl und schon gar nicht ein Paradeiser, nicht wahr, und Pfiat di! und wumms! klatschte die Farbe gegen das Revers. Mama is gone!

Bedenklich mutet freilich an, dass sich Arnold mit diesem Ausbruch in die Nähe Josef Stalins begeben und wie dieser einen ihm unliebsamen Menschen einfach so hätte verschwinden lassen. Was immer man über Maria denken mag: Sie verdient nicht, wie Lew Kamenew und Leo Trotzki behandelt zu werden! Stalin liess bekanntlich beide aus einem berühmten Foto aus dem Jahr 1920 entfernen und durch eine hölzerne Stufe ersetzen. So weit wollte Arnold offenbar nicht gehen: Die Einfügung einer braunfarbenen hölzernen Stufe auf seinem Revers hätte noch mehr Aufsehen erregt als der Farbklecks, unter dem Maria nun auf ewig schlummert.

Kalifornien, sagte Arnold bei der Einweihung des zensierten Porträts, sei «ein mythischer Ort, an dem alles möglich ist». So ist es! Dort verschwinden Leute über Nacht vom Revers eines ehemaligen Gouverneurs auf Nimmerwiedersehen.

6 Kommentare zu «Arnolds geheimer Fleck»

  • Michael sagt:

    Helnwein ist ein sehr kontroverser Mensch mit fragwürdiger politischer Einstellung. Lest mal nach, was man über ihn sagt.

  • Hans Hegetschweiler sagt:

    Arnold Schwarzenegger hatte nie Aspirationen auf den Einzug ins Weisse Haus. Dazu müsste man die Verfassung ändern und anders als in der Schweiz ist das ein mühsames Verfahren, dem 2/3 der Bundesstaaten zustimmen müssen. Das ist für die Wählbarkeitsvoraussetzungen des Präsidetenten fast nicht denkbar und das wusste Arnie genauz

  • Claude Boillat sagt:

    Wie klein doch plötzlich alle die Grossen sind, wenn ihre Faux-pas öffentlich werden…. (Geri, Berlusconi, Strauss-Kahn, Clinton, Katzav, Zuma, etc.)

  • Peter Meier sagt:

    Da hätte es doch bessere und passendere Porträts von ihm gegeben, zum Beispiel aus den Terminator Zeiten. Diese wūrden irgendwie auch besser zum USA Bild passen.

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