«Al-Qaida – deiner Mutter zuliebe!»

Ayman al-Zawahri betrachtete nachdenklich die Wände seiner Höhle. Feuchte Flecken hatten sich darauf gebildet. Die Sommer in Wasiristan waren schwüler geworden, und nur selten noch verirrten sich Touristen in die pakistanisch-afghanische Grenzregion. Ferienwohnungen und Vergnügungsparks standen leer, willige Verkäufer blieben auf ihren Time-Share-Wohnungen sitzen. Zu allem Unglück war die Skisaison wegen Klimawandels ausgefallen.

Der weissbärtige Terrorist seufzte. Al-Qaida war von vorgestern, der Nachwuchs lief zum Islamischen Staat über. Die Konkurrenz warb sogar in Wasiristan. Mit eigenen Augen hatte er die Autoaufkleber gesehen: «Jihad mit Spass beim Islamischen Staat», stand darauf. Wut kroch in ihm hoch. Dieser al-Baghdadi, ein Emporkömmling, nicht wahr, ein Möchtegern! Als er in Mosul predigte, trug er für alle sichtbar eine teure Armbanduhr. Sicherlich ein Schweizer Fabrikat.

Welttheater

Kult: Die Casio Digital Quartz F-91W. Foto: pd

Bedrückt blickte al-Zawahri auf sein Handgelenk und das billige Imitat einer Casio Digital Quartz F-91W aus dem Discount-Basar in Peshawar. Natürlich wurde dieser al-Bagdadi in einem protzigen Toyota-Pick-up herumchauffiert, derweil er, al-Zawahri, einen museumsreifen Mitsubishi fuhr, wenn er die Höhle für sein wöchentliches Pinball-Spiel im nahegelegenen Dorf verliess. Die Klimaanlage des Mitsubishi streikte, auch konnte der erste Gang nicht eingelegt werden, weshalb al-Zawahri stets mit schleifender Kupplung im zweiten Gang anfuhr.

Kein Zweifel: Al-Qaida verlor Marktanteile an den Islamischen Staat. Darüber konnte auch die Gründung eines Al-Qaida-Ablegers in Indien nicht hinwegtäuschen. Al-Baghdadi hatte sich zum Kalifen erklärt, er hingegen war ein verwitterter Ägypter in einer Höhle in Wasiristan mit einem Casio-Imitat und einem Auto ohne ersten Gang und Klimaanlage. Ein Elvis-Song aus seiner Jugend fiel ihm ein: «You Ain’t Nothing but a Hound Dog».

Es fehlte an Branding, jawohl, an einer klaren und vom Islamischen Staat abgrenzbaren Marke al-Qaida. Es war wie Pepsi und Coke. Und al-Qaida war Pepsi: abgehängt vom führenden Brand. Obwohl Pepsi doch jünger war als Coke, al-Qaida dagegen älter als der Islamische Staat. Al-Zawahri grübelte. Für 50 Millionen Dollar hatte Beyoncé für Pepsi geworben. Ob sie..? Er verwarf den Gedanken sofort. Beyoncé trug zu kurze Röcke. Zu enge Hosen. Überhaupt zu wenig.

Eher schon würde ein Vergleichstest helfen. Wie Pepsi ihn 1975 gegen Coca-Cola veranstaltet hatte. Interessierte Rekruten könnten die Angebote von al-Qaida und dem Islamischen Staat direkt vergleichen. Zusatzleistungen? Bezahlte Ferien? Kantine mit Biogemüse? Eine ansprechendere Fahne als die blöde schwarze von al-Baghdadi würde ebenfalls helfen! Vielleicht mit Goofy darauf? Oder mit Dumbo? Gewiss würde Disney die Lizenz verweigern. Schade!

Al-Zawahri überlegte. Eine Werbeagentur musste her! Aber welche? Niemand in New York würde einen Auftrag annehmen. Und in Peshawar arbeiteten nur Nieten. Plumpe Slogans würden sie dort produzieren: «Kalif ist Mief!» Oder: «Al-Qaida – deiner Mutter zuliebe!» Damit liess sich nichts bewegen.

Plötzlich spürte al-Zawahri die Last des Alterns. Für den Ruhestand hatte er nicht vorgesorgt. Es würde knapp werden. Zumal draussen die Drohnen der Amerikaner lauerten. Er kam sich böse vor und verbraucht. Ob al-Baghdadi seinen Leuten bei der Einstellung wohl eine Rentenversicherung anbot? Mit garantiertem Zuwachs? «Gut versorgt im Alter – al-Qaida!» Vielleicht konnten damit verlorene Marktanteile zurückgewonnen werden? Oder mit Ferienangeboten? «Erlebnisurlaub im Jemen!» Al-Zawahri schaute auf die Casio. Seine Zeit war abgelaufen.

5 Kommentare zu ««Al-Qaida – deiner Mutter zuliebe!»»

  • Beat Reuteler sagt:

    Es ist trotzdem nicht lustig weil wenn dann die Zeit der IS ebenfalls abgelaufen ist, steht sicher schon die nächste noch extremere Organisation ins Haus oder?

  • Matthias Erzinger sagt:

    Sehr gut beobachtet, und geschrieben… Ein Moment etwas Schmunzeln tut gut.

  • rascha kocher sagt:

    Was man nicht fassen kann steht irgendwann vor der Tür. Je weniger Täterä desto besser.

  • Alex Kramer sagt:

    Witzig geschrieben Herr Kilian, aber trotzdem absoluter Unsinn, denn:
    Das Branding ISIS kommt, wie DAS NETZ (arab: al-quaida, Parallelen mit dem Spielfilm mit Sandra Bullock sind wirklich Zufälle) auch, wegen dem bösen Buben Bashar al-Assad von den US-Geheimdiensten. Schema F.
    War bei Saddam Hussein und der Absetzung des Schahs im Iran und der Einsetzung Khomeinis bereits schon so gelaufen, und die Kohle dazu kommt heute aus Saudi-Arabien und deren Vettern aus den VAE und Kuwait. Denn die Saudis sind die einzigen, welche unmittelbar von einem steigenden Oelpreis im traditionellen Oelgeschäft profitieren (nebst der weltweiten Waffenindustrie), seit sich die Amis mittels Fracking erfolgreich selbst mit Oel versorgen und dabei die eigenen Böden vergiften.
    Welche Terrororganisation man dereinst dafür (Trinkwassermangel) zu Rate ziehen wir, steht noch in den Sternen (oder es wird grad eine gegründet), aber BILDERBERG wäre aus heutiger (realistischer) Sicht eine annehmbare Variante, welche sich wirtschaftlich bedingt sogar begründen liesse.
    Da würde sogar der selbstbestimmte Zar Wladimir I-III. seine Zustimmung dazu geben, eventuell auch noch die Krim (da er ja noch nie zu den konspirativen Treffen der Bilderberger geladen war, und das ist schlecht für’s Ego, auch wenn er wegen Spitzeleien das ganze Programm sicher kennt. Deshalb macht er ja einfach ungestört und ungestraft so weiter im Hinterhof des Nachbarn). Die Ukraine wird er dann ja bereits am Stück haben, da kann man auch ein paar nett gemeinte Zugeständnisse machen an die dannzumal nicht mehr vorhandene Minderheit der Ukrainer in Neurussland. Fördert das politische Marketing – so läuft’s halt eben auf dem Internationalen Parkett und mit den beleidigten Buben, welche nicht mehr in einen Kinderwagen passen.
    Falls es NESTLE wäre, um auf das gefrackte US-Trinkwasser zurück zu kommen, hätten wir, die CH-Steuerzahler, also echt die Arschkarte gezogen als Heimat den neuesten BöFei der Amis. Dann müssten allenfalls die Steuern rauf, um Nestlé freundlich zu einem bereits angedrohten Umzug nach Irland oder Delaware zu bewegen. Auf jeden Fall wird dann das Bankendebakel Kindergeburtstag sein. In Delaware wäre er sicher besser bedient, denn das wären dann ja wieder ureigenste US-Interessen. Der Bundesrat wird sein Bedauern für diese einvernehmliche Lösung (von Nestlé) bekannt geben und dafür sofort 2 US-Fracking-Firmen gratis ansiedeln (so wie Transocean, auch wenn dies technisch komplett in die Hose, respektive in den Golf ging), denen es in den USA steuerlich nicht mehr behagt. Herr JSA wird uns das als überwältigenden Sieg verkaufen, so wie bei Freihandelsabkommen und Technologietransfers jeweils auch, sofern er dann noch im Amt ist.
    Betreffend Wladi I-III. wäre noch was anzufügen:
    Erinnert irgenwie an Berlusconi, der im Vergleich dazu gerade sympatisch rüberkommt, weil er ja nur mit (zu) jungen Möpsen rummacht(e). Für die echte Drecksarbeit hatte dieser ja die Cousins aus dem Süden, er war halt wirklich kein echter Macher und doch eher ein Schnurri. Pajazzo, sagen die Italiener. Die beiden kennen sich ja aus (zumindest für Berlusconi) politisch und juristisch selbstbestimmteren Zeiten.

    Aber solange es Brot, Banken mit Bonuskultur (=Staatsgarantie), Olympische Spiele und die FIFA gibt, wird sich hierzulande kaum jemand stören daran. Ansonsten wir die bAdW innerhalb von 8 Tagen zu einem Drittel der Sollstärke voll mobilisieren, wenn dann auch alle freiwillig dabei sind. Ansonsten stockt man dann mit der ordentlichen Polizei auf – was als weitaus realistischeres Szenario anzunehmen sei. Schliesslich haben schon viele $VP-Wähler in den Tagi-Blogs durchblicken lassen, dass, wenn der Ueli zu den Waffen ruft, sie das Asyl im Ausland dem Heldentum des Aktivdienstes vorziehen werden.

    Weshalb ich die FIFA auch noch angepeilt habe: Man hat für die WM Arbeitsplätze und Wachstum versprochen. Heute befindet sich Brasilien in einer Rezession, wie sie typisch ist, wenn ein abruptes Wachstum organisch nicht getragen werden kann. Dazu kommt, dass Brasilien für all die Stadien noch Kredite aufgenommen hat. Clever also, wer sich aus den OK’s für Olympia und Fussball-WM’s fernhält und nur hingeht…

    Wie es scheint, steht ein gewaltiger gesellschaftlicher Umbruch bevor. Ich sehe der Veränderung eher positiv entgegen, auch wenn es sehr harzig sein wird für eine gewisse Zeit und für sehr viele Menschen auf diesem Planeten, die nicht wissen, wie ihnen geschieht. Aber das wissen sie heute ja auch nicht.

  • Sacha Meier sagt:

    Da kann ich Herrn Kilian für einmal absolut zustimmen: In einem Kassensturz-, ZDF-WISO- oder sonst einem Marktvergleich würde Al-Quaida gegenüber der Konkurrenz IS haushoch verlieren. Seit Osama Bin-Laden von den Navy-Seals zu seinen 21 Jungfrauen befördert wurde, hat die Marke Al-Quaida jeden Biss verloren. Mangels neuen aufregenden Terror-Produkten in der Pipeline klingt sogar das alte 9/11-Credo des Konzerns «Terror ist unser Geschäft. Tod sicher» hohl und abgedroschen. Kein Wunder sind die Aktienkurse bei den saudiarabischen Anlegern und den VAE im Keller. IS hat als globaler Brand einfach mehr Sex-Appeal – und damit auch eine wachsende Schar von Anhängern. Schon das Konzern-Logo auf der schwarzen Fahne kommuniziert bei Freund und Feind ein klares Corporate Identity. Während dem CEO von IS, Abu Bakr al-Bagdhadi, jeder abgeschnittene und in Full-HD präsentierte Feindeskopf frenetischen Applaus einbringt – etwa wie als Steve Jobs jeweils ein neues iPhone in die Höhe hielt, bietet al-Zawahri einfach – nichts. Zudem hält die angejahrte Terrororganisation auch keine staatlichen Strukturen bereit. Höchste Zeit also, um die Bilanz zu deponieren und Chapter 11 nach US-Recht anrufen.

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