Die NSA sucht Sie!

Bitte rechts abbiegen: Schild auf dem Baltimore-Washington Parkway. Foto: Potjie/Flickr

Bitte rechts abbiegen: Schild auf dem Baltimore-Washington Parkway. Foto: Potjie/Flickr

Hallo, Sie! Pssst! Jawohl, Sie! Ich hätte einen tollen Job. Für Sie! Vielleicht waren Sie ja mal Journalist, nicht wahr, bevor Werbung, Auflage, Umsatz und Rendite krachend einstürzten. Jetzt machen Sie in Public Relations und kommen über die Runden. Sind vielleicht Pressesprecher. Zum Beispiel bei der Consulting-Firma Pumpkin, Pumpkin and Pumpkin LLC. Sie haben «glaubwürdiges Krisenmanagement» demonstriert und sind nachweislich «diskret» und «vertraulich».

Hallo, Sie! Pssst! Jawohl, Sie!

«Hallo, Sie! Pssst! Jawohl, Sie!»

Also, da wäre was für Sie: Die National Security Agency sucht nämlich einen «Direktor für strategische Kommunikation». Das ist Kauderwelsch für Pressesprecher. Diese amerikanische Behörde ist besser bekannt unter dem Kürzel NSA und kam schwer ins Gerede in den letzten Monaten. Als Pressesprecher sollen Sie die NSA geschickt aus dem Gerede bugsieren und dabei, so die Stellenausschreibung, «die Balance zwischen Transparenz und notwendiger Geheimhaltung wahren».

Immerhin ist Ihr neuer Arbeitgeber so geheim, dass er früher überhaupt nicht existierte. Jawohl, es gab ihn nicht! Obwohl es ihn gab. Aber darüber können Sie sich den Kopf zerbrechen, sobald Sie den neuen Job haben. Übrigens: 175’000 Dollar pro Jahr! Dafür pflegen Sie bitte die Kunst des Dementis und begeben sich auf eine durchaus stimulierende Gratwanderung zwischen Transparenz und Stahlbeton. Fliegt etwas auf, mimen Sie die Unschuld vom Lande.

Parkplätze vorhanden: Blick auf den Hauptsitz der National Security Agency. Foto: thisisbossi/Flickr

Parkplätze vorhanden: Blick auf den Hauptsitz der National Security Agency. Foto: thisisbossi/Flickr

Wird behauptet, Ihre Behörde habe in Berlin Muttis Handy angezapft, erwidern Sie im Fernsehen: Wo ist Berlin? Wer ist Mutti? Was ist ein Handy? Als Pressesprecher verinnerlichen Sie total, was Senator Patrick Leahy über den legendären CIA-Direktor Bill Casey sagte: «Er würde dir nicht einmal sagen, dass dein Mantel brennt.» Wenn Muttis Mantel in Berlin zu lodern begänne, blieben Sie cool und stumm. Nichts sagen!

Werden Sie nach einem gewissen Edward Snowden befragt, weichen Sie aus. Ja nicht zu viel Transparenz! Deshalb ist Ihnen völlig schleierhaft, wie viele Kollegen Sie haben. Ein früherer stellvertretender Direktor Ihrer Behörde, ein Mann namens John Inglis, sagte einmal, die Zahl der NSA-Angestellten liege «zwischen 37’000 und einer Milliarde». Wow! Sie repräsentieren womöglich eine Milliarde Mitarbeiter! Das ist schon ein anderes Kaliber als Pumpkin, Pumpkin and Pumpkin, oder?

Die Drecksarbeit machen die anderen: NSA-Personal auf einem Hindernisparcours. Foto: Fort Meade/Flickr

Die Drecksarbeit machen die anderen: NSA-Personal auf einem Hindernisparcours. Foto: Fort Meade/Flickr

Ihre von der NSA verlangte zehnjährige berufliche Erfahrung hat Sie auf alles vorbereitet – ausser auf die gelegentlichen Lügendetektortests, denen man Sie unterziehen wird. Die Tests dauern im Allgemeinen zwischen zwei und vier Stunden und beinhalten sogenannte Embarrassing Personal Questions, zu Deutsch: peinliche persönliche Fragen. Ihre sexuellen Perversionen, nie ein Thema bei Pumpkin oder zuvor bei der Zeitung, werden penibel abgefragt.

Alles muss ans Licht, um zu verhindern, dass Sie erpresst werden können oder Ihr Sexualleben sonst wie mit Ihrer Arbeit kollidiert. Gruppensex? Wer war in Ihrer Gruppe? Sind Sie Hetero? Homo? Neutral? Und so weiter, bis Ihre Verlässlichkeit und Diskretion ausser Zweifel stehen.

German Chancellor Merkel uses a Nokia slide mobile during a session of the lower house of parliament the Bundestag in Berlin

Kennen Sie diese Frau? Wenn nicht, haben Sie schon viel gelernt. Foto: Fabrizio Bensch/Reuters

Andernfalls könnten Sie in Versuchung geraten, bei der Pressekonferenz, die einmal in jedem Jahrzehnt anberaumt wird, als Plaudertasche aufzutreten und dabei vertrauliche und klandestine Details auszubreiten: Wie viel ein gemischter Salat in der Cafeteria Ihrer Behörde im Hauptquartier in Fort Meade nördlich Washingtons kostet. Hoppla, jetzt hätten Sie ganz nebenbei sogar verraten, wo sich Ihr Arbeitsplatz befindet. Nicht südlich, nicht westlich, sondern nördlich der Hauptstadt.

So geht es natürlich nicht! Das müssten Sie sofort dementieren! Sagen Sie mal: pssst!

1 Kommentar zu «Die NSA sucht Sie!»

  • André sagt:

    Verwunderlich dass es bis jetzt zu keinem Massenansturm von Bewerbern zu dieser Pressesprecher NSA-Stelle gibt.
    „Was ist NSA denn eigentlich?“

    Ist dies so etwas wie NDB? Wenn jemand weiss dass er nichts weiss, dann ist er dort wohl richtig.

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