Igitt, ein Metrosexueller!

Republican National Convention

Das waren noch Zeiten: Rick Perry gibt sich im Präsidentschaftswahlkampf als richtiger Texaner, und da gehört der Cowboyhut mindestens so dazu… Foto: Lucian Perkins/Getty

Der Gouverneur kommt daher wie sein Staat. Kantig, männlich, ein Verächter jeglichen Bullshits. Wie Texas eben, das Rick Perry seit nunmehr 14 Jahren regiert. Selbstverständlich trug Perry in all den Jahren als oberster Texaner an seinen Füssen Schuhwerk, wie es sogar Jesus auf einem Grabstein in Texas trägt: Cowboystiefel. In ihnen stolzierte Perry durch eine bemerkenswerte politische Karriere und verkörperte mit seinen volksnahen Sprüchen den texanischen Anspruch, grossmäuliger und krasser zu sein als der Rest Amerikas.

Texas ist mehr als nur ein immenses Stück Land. Es ist ein Bewusstseinszustand. Auch wenn der Cowboyhut grösser ist als die Rinderherde und das Pferd eine Klimaanlage und Vierradantrieb hat. Texas will authentisch sein. Und Rick Perry strotzte vor Authentizität. Unweigerlich ereigneten sich dabei Unfälle: Beim Präsidentschaftswahlkampf 2012 ging Perry in der Riege der republikanischen Bewerber sang- und klanglos unter, weil er im Oberstübchen bedenkliche Aussetzer hatte.

The Tonight Show with Jay Leno

…wie die Cowboystiefel – hier als Gast der Jay-Leno-Show 2011. Foto: Paul Drinkwater/NBC, Getty

Mal konnte er sich bei einer TV-Debatte nicht mehr daran erinnern, welche drei Ministerien er nach einem Einzug ins Weisse Haus abschaffen wollte, mal redete er dermassen debil daher, dass Fragen nach dem Zustand seiner Synapsen laut wurden. So verlegte er die amerikanische Revolution ins 16. Jahrhundert und definierte die Evolutionslehre als «eine Theorie da draussen». Ausserdem empfahl er Bloggern, ihm auf «Tweeter» zu folgen. Zu Haus wurde ihm natürlich verziehen: Perry sprach, wie ihm der Schnabel gewachsen war, lobten sie ihren Mann in Dallas und El Paso.

Das war einmal. Denn vergangene Woche beging der oberste Texaner den grössten vorstellbaren Verrat an Texas: Wegen seiner Rückenschmerzen werde er fortan keine Cowboystiefel mehr tragen, verkündete der Gouverneur in einem orthopädischen Anfall. Cowboystiefel sind nicht irgendein modisches Accessoire in Texas. Cowboystiefel sind eine texanische Devotionalie. Vom Staatsparlament in Austin wurden sie 2007 sogar als «offizielle texanische Fussbekleidung» geehrt. Sie seien integraler Bestandteil «der mythischen Romanze» mit Texas, verklärten die parlamentarischen Poeten das Schuhwerk.

Kaum hatte sich Perry seiner Stiefel entledigt, sattelten die Traditionalisten die Pferde. An ihre Spitze begab sich Jerry Patterson, der texanische Landkommissar und ein Prototyp texanischer Bodenstämmigkeit: Im linken Stiefel versteckt Patterson eine 22er-Magnum, gewiss wähnte er sich ohne Knarre und Stiefel nackt und wehrlos. Das mit den Rückenschmerzen sei «eine schwache Entschuldigung», befand Patterson streng und legte sodann auf Perry an: «Ich beklage die Tatsache, dass unser Gouverneur jetzt wie ein Metrosexueller von der Westküste aussieht und uns alle mit seinem modischen Richtungswechsel eine Peinlichkeit beschert hat», sprach der ergrimmte Kommissar.

Texas Governor Rick Perry attends the second Annual Champions of Jewish Values International Awards Gala in New York

Und jetzt? Sieht Rick Perry in den Augen seiner ehemaligen Fans mit neuer Brille und ohne Cowboy-Boots wie ein Metrosexueller aus. Igitt! Foto: Keystone

Rick Perry, ein Metrosexueller aus Kalifornien! Ein David Beckham der Rinderzucht! Ein Aficionado der Pediküre! Und war da nicht auch die neue Brille, die sich der Gouverneur im Vorjahr zugelegt hatte? Die ihn wie einen Eierkopf aus Boston aussehen liess? Und hatte er neulich nicht sogar angedeutet, nach dem Ende seiner Amtszeit vielleicht nach – pssst! – Kalifornien zu ziehen?

Wie Schuppen fiel es den Texanern plötzlich von den Augen: Rick Perry wollte seinen Stallgeruch mit allerlei Deos vertreiben, weil Rick Perry 2016 wieder Präsident werden möchte! Deshalb der orthopädische Frevel, die Brille, der Umzug in einen perversen Staat, wo sich sexuell frustrierte Techies in die Betriebssysteme ihrer Computer verknallen.

Oh…my…god! Ein Metrosexueller! An! Der! Spitze! Von! Texas!

25 Kommentare zu «Igitt, ein Metrosexueller!»

  • Beat Reuteler sagt:

    Das glaube ich Hrn Kilian nicht, dass der Perry in der Wahl wegen seiner „Aussetzer“ weniger gut abgeschnitten hat.
    Das Wahlvolk in den USA kann das doch nicht unterscheiden. Wie wäre sonst ein Bush je Präsident geworden?

  • Goran sagt:

    Ich weiss, was das groesste Problem ist: Der durchloecherter Grenzuebergang von Mexico in die USA ! Das ist aber alles mit Absicht getan, damit man illegale Arbeiter anstellen kann und somit den Lohn ]runter druecken kann ! Unter dem Existenziminimus fuers Ueberleben und somit auch unter dem vorgeschriebenen Minimallohn, den die schuftenden Arbeiter sicherlich verdienen wuerden ! Ich spreche von den zahlreichen Feldern, die geerntet werden! Aber davon will ja Herr Perry sicher keine Gedanken verschwenden,weil sonst die Immigrationsfrage gestellt werden muesste !

    • Beatrice sagt:

      Grossartig dass Sie wissen was das groesste Problem ist in Texas. Leben Sie in Texas??? Texas ist 20 mal groesser als die Schweiz! Wissen Sie wie viele Kilometer die Grenze ist Mexico/USA und wieviele Rancher es braucht die Grenze zu kontrollieren? Warum kommen so viele Mexikaner ueber die Grenze wenn der Lohn nach Ihrer Sicht so niedrig ist? Es geht ihnen viel besser und sie verdienen viel mehr als in ihrem eigenen Land. Rick Perry kaempft seit langem mehr Angestellte anstellen zu koennen, um den Grenzuebertritt von illegalen Einwanderer unter Kontrolle zu haben, doch Washington hat kein Gehoer . Zudem kostet es dem amerikanischen Steuerzahlen Millionen von Dollars, da die illegalen Einwanderer keine Steuer bezahlen, ebenso bezahlen sie die frei Arzt/oder Spitalrechnungen, was ebenso der amerikanische Steuerzahler finanzieren muss.. Dank Obama haben sie dieses Dilemma. Es wuerde mich interesssieren was sie uber die Ueberflutung der illegalen Einwanderer in der Schweiz zu sagen haben und wie diese in der REICHEN Schweiz als Arbeitskraefte ausgenuetzt werden fuer einen Minimallohn, welches nicht einmal genugzum Leben. Warum wird die USA von illegalen Einwanderer ueberflutet?? Sie waehlen dieses Land, weil sie ein Zukunft sehen fuer sich selbst und ihre Familien.

      • Franz Vontobel sagt:

        Mmh, ich kann mich irren, aber wenn die Amis die Grenzkontrolle wirklich den Texanischen Rinderzüchtern („Ranchern“) überlassen, so kann das ja nicht gut gehen…

  • christa müller sagt:

    Also diese Cowboy-Stiefelchen sehen doch so etwas von schwul aus, wenn sie zusammen mit Anzug getragen werden. Das haben nun auch Perry bzw. seine Stilberater gemerkt. Und die eckige Brille verstärkt seine markante Männlichkeit. Oder sollte er etwa runde Gläser tragen wie ein New Yorker Greenwich-Village-Softie?

  • Da musste wohl einer um jeden Preis irgend einen Mist schreiben. Erbärmlich, wenn einer so seinen Lebensunterhalt verdienen muss!

    • Franz Vontobel sagt:

      Echt? Sie kriegen Geld für diese Troll-Posts? Von „Texatour“? Tatsächlich ziemlich erbärmlich…

      • Lieber 1000 Ricks als ein Vontobel. Von nichts ne Ahnung und meint er wisse alles!

        • Franz Vontobel sagt:

          Wo genau habe ich geschrieben, dass ich alles weiss? Ich find die Stelle in meinem langen Post grad nicht…

          Ansonsten: Weiter so, Fredi! Bin ein Fan von écriture automatique.

          • Sie glauben eben, dass sie alles wissen. Sie glauben bzw. wollen wissen oder wollen suggerieren ich bekäme Geld für meine Posts. Und wenn sie etwas nicht wissen, (z.B. dass man in den USA auch“ Rancher“ für Sicherheitsaufgaben beschäftigt „würdigen“ sie das herablassend. Noch nie was von Ranchereinheiten gehört!? Hat nichts mit Viehzüchtern zu tun! Auch sie dürfen in ihrer bekannten Art weiter posten. Frei nach s s d d.

          • Franz Vontobel sagt:

            Fredi, Fredi, Fredi… die Jungs heissen Rangers… sollte man wissen, wenn man drüben lebt.

          • Franz Vontobel sagt:

            Ranchereinheiten, hihihi – mit Mistgabeln und Dreschflegeln in den Bauernkrieg!

          • Ja ja Franz. Auf deutsch eben Rancher und englisch Ranger. Ich konnte jedenfalls verstehen, was die Dame meinte. Waren sie intellektuell überfordert um zu Switchen? Oder suchten sie einfach ein Haar in der Suppe um motzen zu können? Versuchen sie mal etwas mit Tiefgang von sich zu lassen. Und wenn`s nicht klappt nochmals ein bisschen französisch. Macht immer furchtbar Eindruck.

          • Franz Vontobel sagt:

            Hihi, es wird immer besser: Das deutsche Wort Rancher – ehrlich Fredi, versteht sie dort drüben jemand?

            Aber damit sie auch noch was lernen: der Rancher ist der Chef der Ranch, eine Ranch ist eine Viehfarm. Soweit ok? Können sie folgen? Der Ranger wiederum hat seinen Namen vom Verb to range = herumstreifen, ist also ursprünglich ein Waldläufer.

          • Reine Energieverschwendung noch weiter auf sie zu reagieren. Bei so viel engstirniger Einbildung hat das keinen Zweck. Ende.

          • Franz Vontobel sagt:

            Oh? Das ist natürlich ein Argument! 😀

          • Franz Vontobel sagt:

            Einen kleinen Tipp hab ich noch: sollten sie drüben mal in eine Baseball Diskussion verwickelt werden, erzählen sie bloss nichts von den Texas Ranchers – nichts zu danken…

  • Ursula Schüpbach sagt:

    Martin Kilian hat offenbar keine Ahnung davon, obwohl Texas da die Bühne war.
    https://www.youtube.com/watch?v=KWWohv7q6D0

  • Thomas Matter sagt:

    Ganz Texas so stereotypisch zu beschreiben ist schwachsinn. Texas ist 20 mal grösser als die Schweiz und auch hier würde niemand einen Berner einem Zürcher oder einem Bündner gleichsetzen. Texaner in den Städten Austin, San Antonio, Houston, Dallas sind sehr modern und liberal, auch mit Homosexuellen. Natürlich gibt es die Rednecks, die Pickup Trucks und die Cowboy Stiefel, die Mehrheit ist es aber definitiv nicht

  • Markus Schneider sagt:

    Ich hoffe, Kilian kriegt für seinen Blödsinn kein Geld. Der soll mit der Binswanger zusammen am mamablog weiterschreiben, für mehr taugt er wirklich nicht.

  • G. S. Z. sagt:

    Ausgezeichnet geschrieben!!

  • alias sagt:

    Wieso denn? Dieser Rick sieht doch richtig schneidig aus, jedenfalls genug schneidig, um seine Erinnerungslücken auszugleichen. Rick mackt das schon ricktick (auszusprechen mit amerikanischem Akzent).

  • Miguel del Roque sagt:

    Ein weiterer grossartiger Artikel von Martin Kilian. Seine Schilderungen, ob nun ernsthaft über Politik oder, mit einem Augenzwinkern versehen, über Land und Leute, sind stets lesenswert. Toll!

  • Goran sagt:

    Was soll das? Quatsch !

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