Beiträge mit dem Schlagwort ‘Suche’

Sujet unbekannt

Mathias Born am Donnerstag den 14. November 2013

Der Webflaneur zuckt zusammen. Zwar liegen eine Reportage und ein Stapel Fotos bereit, mit denen er den Text illustrieren kann. Doch jetzt erst, als der Chef ihn immer penetranter auf den überfälligen Abgabetermin hinweist, bemerkt er: Ihm fehlen Infos dazu, was auf den Fotos zu sehen ist. Sofort ruft er die Fotografin an. Sie erhört den Ruf nicht. Er schreibt ihr eine SMS: «Bitte melde dich. Sofort.» Er holt Kaffee. Wartet. Wird nervöser. Dann beschliesst er: Abwarten und Kaffee trinken bringts nicht. Er muss handeln.

Zuerst versucht er sich in der Kunst des Verfassens vager Bildlegenden. «Eine Kirche in  Armenien», tippt er. Nein, so etwas Nichtssagendes könne er wirklich nicht hinschreiben, murmelt er. Wie wärs mit: «Touristen erklimmen die steinerne Treppe der mittelalterlichen Kirche mit ihrem beeindruckenden Kuppelbau – und geniessen den Ausblick auf die monumentalen Felsen, die rot in der Sonne glimmen»? Nein, findet er, nicht einmal damit könne er übertünchen: Hier fehlt Wichtiges. In der Not bekniet er die Layouterin, sie möge die Legenden vergessen. Sie erhört ihn nicht.

Und so probiert es der Webflaneur mit einer Recherche im Internet: Er surft Images.google.ch an. Dann packt er das Bild mit der unbekannten Kirche, das auf dem Desktop liegt, und zieht es  aufs Suchfeld. Google präsentiert ihm daraufhin ähnliche Bilder. Wobei: Die Ähnlichkeit erschliesst sich dem Webflaneur bei vielen nicht. Doch er landet einen Glückstreffer: Auf einem ist eine Kirche mit Kuppel vor roten Felsen zu sehen – eine Kirche in Armenien, fein säuberlich angeschrieben. Nach weiteren Checks ist er sich sicher: Das ist das gesuchte Gotteshaus.

Der Chef versäumt es nicht, beim Gehen noch einmal auf die kleine Verspätung bei der Abgabe hinzuweisen. Der Webflaneur bleibt daraufhin noch sitzen – um zu sehen, welche «ähnlichen Bilder» die Suchmaschine ausspuckt, wenn er ihr das Konterfei des Chefs vorwirft.

Auf der Suche

Webflaneur am Dienstag den 16. November 2010

Nun heisst es warten, sagt sich der Webflaneur. Er lehnt sich zurück und nimmt einen Schluck Kaffee. Da trabt eine Kollegin an. Ob er eine Minute Zeit habe, fragt sie. Und ohne seine Antwort abzuwarten, schiesst sie gleich los: Sie sei auf der Suche nach einem Dokument, sagt sie. Irgendwo auf ihrem Computer müsse es noch liegen. Allerdings habe sie keine Ahnung wo. Den Dokumentname habe sie leider längst vergessen. Sie könne sich bloss noch an einige Stichworte aus dem Text erinnern. «Aber das hilft wohl wenig», sagt sie.
«Doch, das kann reichen», sagt der Webflaneur. Was sie brauche, sei eine sogenannte Desktop-Suchmaschine. Damit könne sie den Datenberg auf der Festplatte ihres Computers in kürzester Zeit durchsuchen. Diese Programme fänden auch einzelne Begriffe innerhalb von Dokumenten – in einer Textdatei etwa, in einer E-Mail oder sogar in den Metainformationen von Fotos. Einige der Programme merkten sogar, wenn ein Begriff geringfügig anders geschrieben worden sei.

Damit der Webflaneur nicht allzu lange über technische Spitzfindigkeiten schwärmt, unterbricht sie ihn jetzt: «Wo kriege ich solch eine Desktop-Suche her?», fragt die Kollegin. Sie brauche kein Geld in die Finger zu nehmen, sagt der Webflaneur. Bei vielen aktuellen Betriebssystemen sei eine solche Suchfunktion bereits eingebaut. Und die eingebaute Suche müsse nicht schlecht sein: Jene von Windows 7 etwa schneide in Tests gut ab. Und natürlich liessen sich auch Suchprogramme nachinstallieren. Sie solle doch einfach mal nach «Desktop-Suche» suchen.

«Dann mache ich mich sofort auf die Suche», sagt die Kollegin. «Entschuldige, dass ich dich versäumt habe.» – «Warte», sagt der Webflaneur. Bevor die Datenberge durchkämmt werden können, müsse ihr Rechner einen Dateikatalog erstellen. Und dies könne dauern. Der Webflaneur deutet auf den eigenen PC. «Meiner indexiert noch ein Stündchen. Ich suche uns dann mal einen Kaffee.»