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Die Postkarte

Webflaneur am Dienstag den 31. Juli 2012

Das Foto zeigt einen schönen Sandstrand. Dieser liege gleich unterhalb ihres Hotelzimmers in Spanien, schreibt die Ferientechnikerin. Sie schwärmt vom palmengesäumten Pool, dem traumhaften Wetter und den piekfeinen Restaurants. So sehr der Webflaneur ihr die offenbar gelungenen Ferien auch gönnt – etwas neidisch ist er schon. Schliesslich hält er im Büro die Stellung, während sie und schätzungsweise die Hälfte der Stadtbewohner sich an irgendwelchen Stränden suhlen. Als die Ferientechnikerin kurz darauf auch noch ein Bild einer stimmigen Tapasbar nachliefert, reisst dem Webflaneur der Geduldsfaden. Er wünscht sie zurück in den Stollen. Er wettert übers schlechte Berner Wetter. Und er schmiedet einen perfiden Plan.

«Nach interessanten Exkursionen hier in Bali geniesse ich einige entspannende Tage am Strand», schreibt der Webflaneur in das Formular, das er unter Touchnote gefunden hat. Von dort können richtige Postkarten derzeit kostenlos verschickt werden. Er hätte geradeso gut einen der zahlreichen anderen Postkartenversand-Dienste benutzen können, etwa Swisspostcard der Post, wo die Karte 2.50 Franken kostet, jenen von Postalo (1,80 Euro), Pokamax (2 Euro) oder Postkarten-fabrik (1,90 Euro). Sogar vom Handy aus könnte er echte Postkarten verschicken; dank Applikationen wie Touchnote, Postagram oder Postcard on the Run ist das ganz einfach. Da der Webflaneur aber sowieso am PC sitzt, tippt er lieber auf der richtigen Tastatur. Er lädt das allerschönste Traumstrandbild hoch, das er im Web finden konnte. Dann lässt er der Ferientechnikerin die Postkarte zuschicken. Dass darauf keine indonesische Marke klebt, möge sie übersehen, hofft er.

Eine Woche darauf flattert dem Webflaneur eine Postkarte in den Briefkasten, gezeichnet von der Ferientechnikerin in Spanien. Bloss zwei Details irritieren ihn ein bisschen: Die Nachricht ist in Druckschrift gesetzt. Und die Marke ist eine deutsche.

Ab die Post!

Webflaneur am Dienstag den 29. März 2011

Adresse notieren, Umschlag zukleben – und ab die Post. Doch beim Briefkasten wird der Webflaneur jäh ausgebremst. Der Markenautomat fehlt und jener drüben bei der Poststelle auch. Unverrichteter Dinge fährt der Webflaneur an diesem Abend wieder nach Hause. Ihm bleibt nur der Amtsweg. Da dieser lediglich während der ordentlichen Postöffnungszeiten beschritten werden kann, schleicht er sich tags darauf, als der Chef gerade nicht aufpasst, aus dem Büro und eilt zur Poststelle – zum ersten Mal seit langer Zeit. Dort staunt er übers postmoderne Kundenmanagement: Zu den Schaltern wird nur vorgelassen, wer ein nummeriertes Zettelchen vorzulegen hat. Er nimmt eines und irrt durch den bunten Basar des Postproduktesortiments, bis seine Nummer auf der Leuchtanzeige blinkt.

«B-Post», sagt der Webflaneur. Die Angestellte sucht im dicken Ordner nach der passenden Marke, klebt sie aufs Couvert und sagt: «85 Rappen.» Sie nimmt das Geld entgegen, klaubt das Rückgeld aus der Kasse. Eineinhalb Minuten dauert das Prozedere. Was denn mit den Markenautomaten passiert sei, will der Webflaneur schliesslich noch wissen. Diese würden entfernt, sagt die Postmitarbeiterin. «Denn sie rechnen sich nicht.»

Dieses verquere Effizienzstreben tue er sich nie mehr an, sagt sich der Webflaneur. Als er das nächste Mal einen Brief verschicken muss, loggt er sich auf der Post-Website ein und gestaltet eine Webstamp. Zugegeben: In der Zeit, die er fürs Gestalten, Bezahlen und Drucken benötigt, hätte er den Brief gleich selbst ausliefern können. Mit den paar Bogen, die er nun ausdruckt, gehts fortan aber schneller.

Trotzdem trauert der Webflaneur den Markenautomaten nach. Denn wo sonst wird er die Fünfräppler los?

Wettbewerb: Weshalb soll der Webflaneur ausgerechnet Ihnen einen Bogen Webflaneur-Webstamps zukommen lassen? Bitte begründen Sie in den Kommentaren. Der Chef des Webflaneurs wählt am 5. April die seines Erachtens beste Antwort aus.