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Aufgebretzelter Browser

Webflaneur am Freitag den 13. November 2009

Sie legt den Laptop auf ihren Schoss. Dann klickt sie auf das Symbol mit dem runden, blauen e. Der Webflaneur, der neben ihr auf dem Sofa sitzt, ist gespannt: Wie sieht er aus, der Frauen-Webbrowser, den die Zeitschrift «Annabelle» mit Microsoft entwickelt hat? Wurde der Browser in ein hübsches Kleidchen gesteckt, um ihn optisch zur «Internet-Explorerin» aufzubretzeln? Hat diese abgerundete Fensterecken und sanft fliessende Menüs? Hat Microsoft alles nicht Nötige – auf das vorab funktionsbesessene Männer bestehen – aus den Leisten und Menüs gekippt? Konnte in empirischen Studien gar gezeigt werden, dass Frauen anders surfen als Männer – also einer Benutzerinnenoberfläche bedürfen?

«Und jetzt?», holt sie den Webflaneur jäh aus den Tagträumen zurück. «Was ist anders?» Auf den ersten Blick unterscheidet sich die «Internet-Explorerin» kaum vom normalen Browser. Erst auf den zweiten Blick entdecken die beiden drei dynamische Lesezeichen – in männlicher Terminologie Webslices genannt: Sie verlinken zu einer «Annabelle»-Kolumne, zum Horoskop und «Schnäppchen der Woche». In den Lesezeichen finden sich weitere Links, gruppiert in Bereiche wie News, Shopping, Kochen und Männersachen. Darunter sind nebst Links zu Shoppingseiten auch Verweise auf «Annabelle»- und Microsoft.

Sie schüttelt den Kopf. Damit würden Frauen für blöd verkauft, sagt sie. Und der Webflaneur sinniert, dass sich die automatische, mit zwei Neustarts aber aufwändige Installation nicht gelohnt habe. Ausser für «Annabelle» und Microsoft: Die Medien berichten über den Frauen-Webbrowser. Und dank des Browser-Gags hat die eine oder andere Frau endlich den alten Internet-Explorer – der Graus der Webentwickler – durch den aktuellen ersetzt.