Archiv für die Kategorie ‘Vorsichtiges’

Der gute Ruf

Webflaneur am Mittwoch den 24. Oktober 2007

Screenshot Myonid.de

«Es ist liederlich, wie wir mit unseren privaten Daten umgehen», sagt einer am Bloggertreffen – halb nachdenklich, halb amüsiert. «Wir entblössen uns erst noch freiwillig», ergänzt ein anderer. Und ein Dritter fügt an: «Verlangte jemand nach all diesen Daten, ich gäbe sie nicht preis.»

Die Anwesenden geben sich tatsächlich nicht eben zugeknöpft: In den Weblogs plaudern sie aus ihren Leben. Ihre Schnappschüsse veröffentlichen sie etwa bei Flickr, ihre Clips bei Youtube. Sie tickern mit Twitter durchs Netz, was sie gerade treiben. Sie präsentieren sich bei Facebook, Studivz.ch, Myspace, Xing und Co. – und ihre Freunde gleich dazu. Ihr Soundtrack läuft bei Last.fm. Wo man sie abends antrifft, steht im Ausgehkalender Upcoming. Worüber sie diskutieren, trägt Cocomment zusammen. Und irgendwo liegen garantiert noch alte Foren-Einträge und Homepages herum. Das alles könne zu einem umfassenden Profil verknüpft werden, sagt der Webflaneur. Zoominfo etwa mache dies: Die Firma trage für potenzielle neue Chefs Informationen zu den Stellenbewerbern zusammen. «Das ist die dunkle Seite der schönen neuen Mitmachwelt des Web 2.0», kommentiert er. «Was einmal im Netz steht, lässt sich oft nicht mehr entfernen.» Der eine Blogger zuckt mit den Schultern. Mit Myonid könne man Fundstücke – selbst verschuldete wie von anderen produzierte – per Kommentar zumindest wieder etwas ins rechte Licht rücken, sagt er.

Wieder zu Hause: Der Webflaneur wirft die Personensuchmaschinen Wink und Spock an. Er googlet sich. Dann atmet er auf. Er glaubt sich für kein Fundstück rechtfertigen zu müssen. Das Netz ist frei von seinen Sünden. Oder?

Ihr Backup

Webflaneur am Mittwoch den 4. April 2007

Screenshot  

Plötzlich kriegt sie kalte Füsse. Was wäre, sagt sie, wenn der Rucksack geklaut würde – und damit das Notebook? Der Portier passe schon darauf auf, beschwichtigt der Webflaneur. Und für den Fall der Fälle sei sie versichert. Der Rechner sei das eine, die Daten darauf das andere, kontert sie. Sie mache sicher regelmässig Sicherungskopien, sagt er. Wie denn, fragt sie.

Sie könnte die Daten auf CD oder DVD brennen, sagt er. Dabei müsse sie aber wissen, was kopiert werden muss. Bei den E-Mails und Kontaktinfos werde dies bereits knifflig. Deshalb rate er zu einem Backup-Programm. Bei Windows XP sei eines dabei, in ihrer Home-Version aber versteckt auf der CD. Alternativ könne sie eines kostenlos laden: Dir Sync etwa, Backup Slave, Traybackup, Version Backup oder Z-D Backup. Manche Hersteller bündelten Sicherungssoftware zudem mit Festplatten, die das Backup dann automatisch erledigen. Stets müsse die Festplatte, CD oder DVD aber an einem sicheren Ort deponiert werden, damit die Scheibe nicht in Flammen aufgeht, wenn das Feuer wütet, und damit die Festplatte nicht auch weg kommt, wenn ein Dieb beherzt zugreift.

Im Zeitalter der fetten Internetleitungen würden deshalb oft Backups übers Netz gemacht. Für Firmen gebe es längst solche Services – allerdings zu stolzen Preisen. Nun aber komme Bewegung in den Markt: Mit Elephantdrive und Jungledisk etwa könnten sich nun auch Private eine Sicherungskopie auf dem Zentralrechner leisten, doziert der Webflaneur.

Danke, danke, unterbricht sie seinen Redeschwall. Sie setze auf den Elefant. Doch als sie – mitsamt Rucksack wieder zu Hause – beim Backup-Dienst ihre Kreditkartennummer eintippen soll, bricht sie ab und holt CDs. Denn sie kriegt kalte Füsse.

 

Das Backup-Programm von Windows XP Home ist auf der CD oder DVD im Verzeichnis “VALUEADDMSFTNTBACKUP” zu finden. Ein Doppelklick auf die Datei “NTBACKUP.MSI” startet das Programm.

Auf Nummer sicher

Webflaneur am Mittwoch den 22. Februar 2006

Enigmail

Es war am Treffen der Computerfreaks: «Merci fürs Passwort», frohlockt der Tischnachbar. Der Berner Zeitungsblogger schaut ihn verdattert an, als dieser leise eine kryptische Buchstaben-Zahlen-Kombination vom Monitor seines Notebooks abliest. «Woher hast du mein Passwort?», zischt der Zeitungsblogger. Ob er nicht eben E-Mails gelesen habe, fragt der Nachbar. Doch, antwortet der Zeitungsblogger. Er erwarte eine wichtige. Deshalb habe er übers Funknetzwerk den elektronischen Briefkasten geleert. «Und ich habe aufgezeichnet, was durch die Luft schwirrte», erklärt der Nachbar. Er könne fast alles mitlesen, was die Leute hier übermittelten. Das funktioniere übrigens auch zuhause. Allein aus seiner Wohnung könne er sich in vier Netze einklinken – und etwa die E-Mails lesen, die seine Nachbarn verschicken.

«Und wie verhindere ich, dass du meine E-Mail liest?», fragt der Zeitungsblogger. Falls er ein Funknetz habe, müsse er es sicher machen, sagt der Tischnachbar: «Broadcast abschalten, Mac-Verschlüsselung aktivieren, Passwort abändern». Wie das gemacht werde, stehe in der Anleitung. «Und wenn ich im Restaurant ins Netz gehe?», fragt der Zeitungsblogger. Dann baue er einen «Tunnel» und schicke die Daten hindurch. Ein «Virtual Private Network» nenne man das. Er solle sich mal beim Arbeitgeber oder dem Provider danach erkundigen. «Dann kann kein Hacker mehr mitlesen?», fragt der Zeitungsblogger. «Dann ist es bloss schwieriger», sagt der Tischnachbar. Eine E-Mail werde von Server zu Server weitergereicht, bis sie im Postfach des Empfängers lande. Wer Zugang zu einem dieser Rechner habe, könne mitlesen. Deshalb verschlüssele er wichtige E-Mails.

Der Zeitungsblogger hat daraufhin den Gnu Privacy Guard installiert und die Schlüssel seiner Kollegen importiert. Ganz simpel war das nicht. Mit dem kostenpflichtigen Pretty Good Privacy wäre es einfacher gewesen. Auch nicht allzu kompliziert ist es mit dem E-Mailprogramm Thunderbird und der Enigmail-Erweiterung.

Am nächsten Treffen der Computerfreaks: Der Berner Zeitungsblogger baut – stolz auf seine Sicherheitsmassnahmen – einen «Tunnel» zur Uni, verschickt verschlüsselte E-Mails – und kriegt zu seinem Entsetzen wieder das Passwort vorgelesen. Doch dann grinst der Hacker frech und sagt: «Und nun nimmst du noch das Post-It mit dem Passwort von der Tastatur…»

Die Retourkutsche

Webflaneur am Mittwoch den 7. September 2005

Irgend etwas ist dazwischen gekommen. Vielleicht hat damals jemand ein Glas gekippt, vielleicht sind Gäste eingetrudelt, vielleicht hat jemand zum Sturm auf das Buffet geblasen – gerade, als der Berner Zeitungsblogger dem Banknachbarn ins Wort fallen wollte. Eine geschlagene Viertelstunde lang hatte dieser zuvor über Google referiert. Er hatte die «schnellste Suchmaschine» gepriesen, den «effizentesten E-Mail-Dienst», den «coolsten Weltatlas». Wie er die Firma kenne, werde auch der neue Talk-Dienst genial sein. Der Zeitungsblogger liess den Superlativ-Hagel vorbeiziehen. Dann gedachte er zu kontern.

Besonders innovativ sei die neue Software Google Talk nicht, hätte der Zeitungsblogger dem Banknachbarn entgegengehalten. Telefonieren und Sofortmitteilungen verschicken, das könne er auch mit den Programmen Skype und Gizmo. Versöhnlich hätte er hinzugefügt, dass Google wenigstens auf freie Standards setze – anders als Skype. Dann aber hätte er zum Rundumschlag angesetzt: Wer mit Google talken wolle, müsse mit Google e-mailen. Und das widerstrebe ihm. Er vertraue ungern alles einer Firma an, so gut ihre Dienste auch sein mögen. Vor Jahren habe die Firma das Usenet-Archiv gekauft, später die Bildsoftware Picasa und einen Weblog-Anbieter. Ein Google-Mitarbeiter kriege mit Orkut von den Nutzern private Daten zugesteckt. Und Google raffe in Bibliotheken Wissen zusammen. Google baue an einem Wissensimperium, hätte sich der Zeitungsblogger in Rage geredet. Das lasse selbst Microsoft-Chef Steve Ballmer erbeben: Als wieder einer der seinen zu Google gewechselt habe, habe er deftig geflucht und dem Büroinventar das Fliegen beigebracht. Das alles hätte er in einem Wortschwall gesagt. Und dann hätte er angefügt: Fürs Verschicken von Sofortnachrichten ziehe er die Programme Gaim, Miranda oder Sim vor.

Aber eben: Irgend etwas ist damals dazwischen gekommen. Vielleicht hat jemand ein Glas gekippt, vielleicht sind Gäste eingetrudelt, vielleicht hat jemand zum Sturm auf das Buffet geblasen. Der Zeitungsblogger hat jedenfalls nichts gesagt. Dafür, lieber Banknachbar, hast du es jetzt schwarz auf weiss.

Die Balkon-Demo

Webflaneur am Mittwoch den 22. Juni 2005

Dieser Abend könnte gemütlich werden. Der Berner Zeitungsblogger hat es sich auf dem Balkon bequem gemacht, vor sich ein Bier und sein Notebook. An solch lauen Sommerabenden sei nur das beste gut genug, sinniert er – und stöbert in der Gewinnerliste der Webby Awards. An der Preisverleihung anfangs Monat hat der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore einen Webby für sein unentwegtes Werkeln an der Datenautobahn erhalten. Die Fotogemeinschaft Flickr wurde ausgezeichnet, und einmal mehr Google. Die Mitarbeiter von Skype haben einen Webby für ihr Telefontool eingeheimst, die Blogger von Boingboing für ihr «directory of wonderful things». Feuer und Flamme ist der Zeitungsblogger für Book Crossing: Sobald er den Wälzer gelesen habe, der neben seinem Bett Staub ansetzt, werde er ihn – wie auf der Site vorgeschlagen – an einem öffentlichen Ort deponieren, beschliesst er. Wenig anfangen kann er hingegen mit der virtuellen Knochenverteilet auf Dogster. «Braucht auch der letzte Hund eine Homepage?», brummelt er. Schnell surft er weiter. Ausgiebig schmökert er im Videotagebuch des fiktiven US-Soldaten auf Weapons of misdirection, der Gewinner-Site in der Kategorie Politik.

Der Abend könnte ganz gemütlich werden. Doch dann holen die politischen Weblogs, die von den Reportern ohne Grenzen jüngst ausgezeichnet worden sind, den Zeitungsblogger auf den harten Boden der Realität zurück. Er liest in Press Think aus den USA und in Jeff Oois Kommentaren zur malayischen Politik, klickt sich durch ICT-Lex aus Italien, Shared Pains zu Afghanistan und Al Jinane zu Marokko. Er liest, dass Mojtaba Saminejad, Gewinner der Kategorie Iran, wegen seiner politischen Aussagen zu zwei Jahren Haft verurteilt worden ist. Bei Netzpolitik, Gewinner der Kategorie International, informiert er sich über die weitgehenden Softwarepatente, die Europa durchgepeitschen will.

Solche Patente passen ihm nicht. Der Zeitungsblogger will protestieren. Und so steht er plötzlich mitten in einer turbulenten, virtuellen Demo – an diesem lauen Sommerabend, der eigentlich so gemütlich begonnen hat.