Archiv für die Kategorie ‘Vorsichtiges’

Fingerübungen auf der Kommandozeile

Webflaneur am Freitag den 16. April 2010

Schauen Sie, wie der Webflaneur auf der Kommandozeile herumturnt! Er füttert dem Rechner kryptische Befehle – weiss auf schwarz. Sobald er Enter drückt, jagt dieser als Antwort seitenweise Buchstaben über den Bildschirm. Der Webflaneur nickt zufrieden oder schüttelt den Kopf. Schon tippt er den nächsten Befehl ein. Woran er arbeitet? Keine Ahnung, aber es muss kompliziert und wichtig sein. Beim Zugucken wird sofort klar: Der Webflaneur ist ein Computercrack.

Doch halt: Ist die Kommandozeile nicht ein Relikt aus jener Zeit, als das Betriebssystem einem noch kein Fenster zum bequemen Klicken öffnete? Ganz und gar nicht, finden die Freunde des Webflaneurs, die wirklich etwas von der Computerei verstehen. Sie schwören auf die Kommandozeile, die Konsole, das Terminal. Damit seien sie schneller und könnten mehr machen als über Klickibunti-Oberflächen, sagen sie. Tatsächlich stockt dem Webflaneur fast der Atem, wenn er den Freunden bei ihrer rasanten Konsolenarbeit zuschaut. Und so hat er es schliesslich selbst probiert.

Dabei hat er festgestellt, dass die Konsole oft praktisch ist. Neulich musste er Bilder drehen, die ein Scanner verkehrt eingelesen hatte. Dazu brauchte er keine teure Software, sondern nur den richtigen Befehl auf der Konsole. Seither versucht er es mit der Kommandozeile, wenn er mit der grafischen Oberfläche nicht ans Ziel kommt. Und: Wenn er jemanden beeindrucken will.

Der Webflaneur rät deshalb: Lernen Sie vier, fünf der Befehle auswendig, die Sie in OnlineListen finden. Und benutzen Sie diese, wann immer Sie jemanden tief beeindrucken wollen. Aber Achtung: Lassen Sie die Konsole besser Konsole sein, wenn die Zuschauer etwas von der Computerei verstehen. Unter uns: So macht es auch der Webflaneur.

Ferienarbeit

Webflaneur am Dienstag den 27. Oktober 2009

Der Webflaneur ist in den Ferien. Doch plötzlich ruft die Arbeit. Technisch gesehen ist dies kein Problem, denn der Webflaneur hat vorgesorgt: Er hat die nötigen Daten auf einem Speicherplatz im Internet abgelegt. Er kann also von überall, wo es einen Internetanschluss gibt, darauf zugreifen. Genau das hat er nun vor.

Er tippt seinen Nutzernamen ein und ins nächste Feld das Passwort. Doch der Speicherdienst meckert. Wahrscheinlich habe er sich vertippt, murmelt der Webflaneur und probiert es nochmals. Oder hat er das falsche Passwort genommen? Eines nach dem anderen probiert er aus. Ohne Erfolg: Was immer er tippt, der Speicherdienst lässt ihn nicht an seine Daten heran. Zurücksetzen kann er das Passwort nicht, da der Dienst dies aus Sicherheitsgründen nicht zulässt. Schliesslich bleibt dem Webflaneur keine andere Wahl, als ohne die Grundlagendaten in die Tasten zu greifen. Es geht auch so. Eines nimmt sich der Webflaneur aber vor: Vor den nächsten Ferien wird er die Passwörter in einen digitalen Tresor legen. Natürlich wird er darauf achten, dass die Daten gut verschlüsselt übertragen und gespeichert werden. Und er wird nachlesen, ob der Tresorbesitzer vertrauenswürdig ist. Einige Adressen hat er schon zur Hand: Bei Passpack könnte er die Codes einzeln eintippen. Mit Xmarks könnte er jene, die er in seinem Webbrowser abgespeichert hat, einfach mit dem Netbook synchronisieren, das er in die nächsten Ferien mitzunehmen gedenkt. Oder er könnte ein spezielles Tresorprogramm installieren, etwa jenes von Keepass.

Der Webflaneur schüttelt ob seines Passwortlapsus den Kopf. Doch dann sagt er sich, das müsse so sein: Ferien sind erst richtig Ferien, wenn man das eine oder andere Passwort vergisst.

Goethes Lektor

Webflaneur am Freitag den 4. September 2009

Seit seiner Pensionierung engagiere er sich als Lektor, sagt sein Gegenüber. Wessen Texte er denn korrekturlese, fragt der Webflaneur – und freut sich diebisch ob des nebenbei eingeflochtenen Genitivs. «Ach», sagt der ältere Herr vis-à-vis, «Goethe, Schiller, Lessing und wie sie alle heissen.» Der Webflaneur guckt ihn verdutzt an. «Sie lektorieren Goethe?», fragt er. «In der That», sagt dieser; das «h» haucht er lange. Bislang habe er ausschliesslich Werke grosser Autoren gelesen. Ob er fragen dürfe, wie er dazu gekommen sei, sagt der Webflaneur. Ach, das sei einfach, sagt sein Gegenüber: Eines Tages habe er gehört, dass im Internet Lektoren gesucht würden. Er habe auf der Website der «Distributed Proofreader» auf Pgdp.net ein Konto eröffnet. Und seither arbeite er dort mit.

Wie das funktioniere, will der Webflaneur wissen. «Das Ziel des Projekts ist es, alte Bücher ins digitale Zeitalter hinüber zu retten», holt sein Gegenüber aus. Erfahrene Nutzer wählten ein Buch, das nicht mehr unter Urheberrechtsschutz stehe, aus. Das sei in Europa der Fall, wenn der Autor vor über 70 Jahren gestorben sei. Das Buch werde eingescannt. Und der Text werde von einem Programm automatisch erkannt. Leider mache dieses viele Fehler. Und deshalb brauche es Leute wie ihn, die die Texte korrigierten. Sobald sie mehrfach geprüft und richtig formatiert seien, würden sie im Archiv von Gutenberg.org abgelegt. Und von dort dürften sie kostenlos heruntergeladen werden. «Heute korrigiere ich eine Stunde pro Tag – ehrenamtlich, wie die Anderen auch», sagt der ältere Herr. Und er stelle mit Freude fest, wie die digitale Bibliothek wachse.

«In der That», sagt nun der Webflaneur, lässt das «h» lange nachklingen. Sein Gegenüber lacht. Bei Goethe nehme er es mitunter nicht so genau, sagt er. «Schliesslich soll dieser einmal selbst gesagt haben, er kenne für jedes Wort gleich mehrere Schreibweisen.»

Im Fluss

Webflaneur am Dienstag den 7. Juli 2009

Am Uferweg hängt ein Plakat. Der Webflaneur, soeben dem Fluss entstiegen, bleibt tropfend davor stehen. Die Aaretemperatur könne per SMS abgerufen werden, liest er. Das koste ihn nur 40 Rappen. Der Webflaneur schüttelt den Kopf. Zweckmässiger sei es doch, einfach mal eine Zehe ins Wasser zu tunken, sagt er zum Mitschwimmer.

Doch die Temperaturfrage lässt ihn nicht kalt. Zu Hause eingetrudelt, setzt sich der Webflaneur auf den Balkon und wirft das Notebook an. Zuerst surft er bei Aaremarzili vorbei. 20 Grad sei die Aare warm, zeigt die letzte Messung. Damit ist sie bedeutend wärmer als die Gürbe und im Vergleich zur Emme schon fast lau, wie der Webflaneur der Zusammenstellung von Wiewarm entnimmt. Wie warm ist eigentlich der Thunersee? Beim Amt für Wasser und Abfall findet der Webflaneur detaillierte Messwerte sauber auf einer Karte eingetragen. Und ausserhalb des Kantons? Für diese Zahlen schaut er bei der Landeshydrologie vorbei.

In der Zwischenzeit ist die Sonne verschwunden. Die Temperatur wäre gut für ein Jogging, redet sich der Webflaneur ein. Doch wie hoch ist der Ozonpegel? Der Ozonticker der Stadt Bern steht auf 90 Mikrogramm pro Kubikmeter. Doch das Studieren, ob joggen unter diesen Bedingungen gesund sei, erübrigt sich. Denn ganz plötzlich bricht die Wolke. Sintflutartig prasselt der Regen hernieder. Der Webflaneur flüchtet vom Balkon in die Wohnung. Mit lautem Krachen schlägt in der Nähe ein Blitz ein. Die Scheiben klirren, der Boden bebt. Der Webflaneur wirft einen Blick auf die nicht mehr so schöne, braune Aare – und abonniert vorsorglich schon mal die Hochwasserwarnungen von Stadt und Kanton sowie gleich auch noch den allgemeinen Wetteralarm.

Der digitale Rossini

Webflaneur am Dienstag den 23. Juni 2009

Die Noten liegen zu Hause. Und die Zeit ist zu knapp, um sie vor der Chorprobe dort zu holen. Der Webflaneur sieht sich bereits ohne Rossini an der Probe stehen. Er spürt den vorwurfsvollen Blick der Dirigentin. Er hört Sopräne und Altistinnen über seinen Fauxpas tuscheln. Und er sieht sich vor Scham erröten.

Doch da hat er einen Geistesblitz. Gibts nicht Sammlungen von Noten mit abgelaufenem Urheberrechtsschutz? Der Webflaneur schaut nach – und landet bei Imslp.org, dem «International Music Score Library Project». Dort findet er tatsächlich die «Petite Messe Solenelle» von Gioacchino Rossini. Die Noten sind aus einer alten Ausgabe eingescannt. So sehen sie auch aus: Die Linien sind verwischt, der Text nicht immer einfach zu entziffern. Fürs Notenstudium sind die Scans interessant, fürs Blattlesen aber sind sie weniger geeignet. Deshalb schaut der Webflaneur bei Cpdl.org vorbei, der «Choral Public Domain Library». Dort findet er eine computergesetzte Version der Messe. Er lädt die Noten herunter. Das Werk ist 135 Seiten lang. Der Chef hätte kein Musikgehör, wenn er sie im Büro druckte. Zum Glück trägt der Webflaneur gerade ein E-Book-Lesegerät mit sich herum. Er kopiert die Noten darauf und fährt los.

Die Chorgspändli gucken erstaunt, als der Webflaneur die Noten auspackt. Der Kollege aus dem Bassregister vergisst vor Staunen fast das Singen. Und das Chörli attestiert dem Webflaneur unisono, dass er heute vorbildlich leise blättere. Trotzdem tut sich dieser während der Probe schwer: Seine Taktzahlen stimmen nicht mit jenen der gedruckten Ausgabe überein. Und die Noten sind auf dem Bildschirm etwas klein.
Das nächste Mal, sinniert der Webflaneur, suche er die Musik besser beim Mutopiaproject.org. Denn dort heruntergeladene Noten könnte er mit etwas Zeit und Bastelgeschick an die Grösse des Bildschirms anpassen. Oder noch besser: Er lässt die Noten in Zukunft nicht mehr zu Hause liegen.

Am Computer mitten in Paris

Webflaneur am Sonntag den 24. Mai 2009

Webflaneurs wohnen während weniger Wochen in Paris. Eben sind sie angekommen. Nun haben sie Hunger. Doch wo sollen sie speisen? Nicht zu teuer soll das Lokal sein, aber doch speziell. Und vor allem: Es muss in der Nähe liegen. Sie blättert im Insider-Reiseführer, den sie in ihrer Loge gefunden hat. Dieses Resto töne superbe, ruft sie nun aus. Wo denn dieser Gourmettempel für knappe Budgets liege, fragt der Webflaneur. «Zumindest in unserem Arrondissement», sagt sie und liest eine Adresse vor.

Er setzt sich an den Rechner, tippt diese bei Google Maps ein. Tatsächlich, das Restaurant liegt fast um die Ecke. Er vergrössert die Karte – und steht plötzlich mitten auf der Strasse. Er schaut sich um. Rechts und links sind kleine Ladenlokale. Vor ihm schlendern einige Passanten übers Kopfsteinpflaster. «Dort oben muss es sein», murmelt er. Was er denn nun wieder mache, holt sie ihn von der Strasse vor den Computer zurück. Das sei «Streetview», sagt er. Er kundschafte bloss rasch den Weg aus. «Streetview» gebe es übrigens demnächst auch in der Schweiz. Zumindest lasse Google derzeit kamerabepackte Autos durch die Städte kurven.

«Das sieht hübsch aus», ruft sie und deutet auf ein blau lackiertes Lokal auf der rechten Strassenseite. Klick für Klick gehts dann weiter durch die virtuelle Strasse bis zum gesuchten Lokal. «Lass uns einen Blick auf die Karte werfen», schlägt sie vor. Er vergrössert das Schild neben dem Eingang. Doch lesen können sie es nicht: Die Schrift ist verwischt – wie auch die Nummernschilder der Autos und die Gesichter der Menschen.

Webflaneurs finden den richtigen Weg dann ohne Probleme. Doch seit der Aufnahme ist aus dem Restaurant offensichtlich eine Bar geworden. Und so speisen die beiden schliesslich woanders, im blauen Lokal weiter unten an der Strasse. Dort war das Essen vielleicht etwas weniger gut. Dafür assen sie für einen guten Zweck.

Laptop auf dem Speicherstick

Webflaneur am Mittwoch den 6. Mai 2009

Was er von diesem 100-Dollar-Laptop halte, will die Lehrerin wissen. Er finde das Projekt, bei dem Laptops an Schulkinder in Schwellenländern abgegeben werden, sehr spannend, sagt der Webflaneur. «Apropos, ich schenke dir einen dieser sogenannten OLPC», sagt er. Er wühlt im Hosensack, zieht einen Speicherstick heraus und überreicht ihn ihr mit ausladender Geste. «Du darfst ihn behalten.» Die Lehrerin guckt verdutzt auf den Ministick auf ihrer Handfläche. Das hier sei natürlich bloss ein USB-Speicher, beeilt sich der Webflaneur zu erklären. Darauf befinde sich aber die Essenz des Kinder-Computers OLPC: das Betriebssystem. Dieses könne man neu auch in einer Version für Speichersticks beim Entwicklerlabor herunterladen. Und wie zur Entschuldigung fügt er an: Er habe das natürlich ausprobieren müssen.

«Schön und gut», sagt die Lehrerin. «Aber was mache ich damit?» Sie stöpsle den Speicher einfach an einen PC an, so der Webflaneur. Während des Aufstartens müsse sie dann eine bestimmte Taste drücken – je nach Computer Escape oder eine der F-Tasten. Der Computer starte dann vom Minispeicher statt der Festplatte. Dass dies nicht ganz bei allen PC klappt, verschweigt er gefliessentlich. Stattdessen sagt er: «Schon kannst du ausprobieren, ob der Kinderlaptop für deinen Unterricht geeignet ist.» Die Lehrerin schaut ihn skeptisch an. Doch der Webflaneur kommt erst richtig in Fahrt. Sie könne dann jedem Schulkind einen Speicherstick machen – damit diese stets auf ihrem gewohnten, kindergerechten System lernen und arbeiten könnten, auch wenn sie keinen eigenen Laptop haben. «Und du hast keine Probleme mit Viren oder mit PC, an denen etwas verstellt worden ist.»

Die Lehrerin hats ausprobiert. Doch das Aufstart-Prozedere war ihr zu kompliziert. Und das Kinder-Betriebssystem schien ihr zu wenig auf die hiesigen Verhältnisse angepasst zu sein. Noch zu wenig, wie sie später sagt. Vielleicht ändere sich das. Sie habe den Stick jedenfalls mal einem Didaktik-Studenten geschenkt.

Ein PDF für den Kollegen

Webflaneur am Donnerstag den 23. April 2009

Nein, ein PDF mache er nicht, sagt der Kollege. «Mein ‹Office› kann das nicht.» Er mache es sich allzu einfach, antwortet der Webflaneur. In der Ausschreibung werde verlangt, dass eine PDF-Datei eingereicht werden müsse. Der Kollege braust auf. Er sei nicht bereit, für diese eine Seite die teure Acrobat-Vollversion zu kaufen. Das müsse er auch nicht, kontert der Webflaneur. Er könne sich zum einmaligen Konvertieren die Testversion herunterladen. Wenn er aber sporadisch eine Datei konvertieren wolle, empfehle er ihm eines der vielen Zusatzprogramme, mit denen sich PDFs über die Druckfunktion produzieren lassen – etwa jenes von DoPDF oder Cutepdf.

Doch der Kollege wehrt sich vehement gegen jedes Tool. «Damit riskiere ich bloss, Viren einzuschleusen», behauptet er. Und auch auf Openoffice.org, das längst PDFs schreiben kann, will er nicht umsatteln. Dann solle er die Datei doch rasch im Internet konvertieren, rät der Webflaneur. Das sei einfach: Er öffne sie mit der Online-Textverarbeitung Google Docs und speichere sie dann als PDF. «Ausgerechnet bei Google, der Datenkrake?», ruft der Kollege aus. Der Webflaneur guckt ihn verständnislos an. Allzu sensibel sei das Dokumentchen wohl auch nicht, kommentiert er. Er könne die Datei auch durch irgend eine andere Maschine jagen: Er könne sie an eine E-Mail anhängen und an pdf@koolwire.com verschicken, schlägt er vor. Postwendend erhalte er die fertige Datei zugeschickt. Doch auch das behagt dem Kollegen nicht.

Der Webflaneur zeigt dem Kollegen noch das eine oder andere Tool. Doch dieser will partout nichts installieren, geschweige denn online konvertieren. Schliesslich schickt er seine «Office»-Datei ein. In einer unverschlüsselten E-Mail. Der Webflaneur schüttelt den Kopf.

Et wuala

Webflaneur am Freitag den 26. September 2008

Daten sichern mit Wua.la 

«Wuala», sagt der Webflaneur. «Voilà?», fragt sein Freund. Mit Wua.la könne er Sicherheitskopien der Daten ganz einfach machen, erklärt der Webflaneur. «Ah, voilà», sagt der Freund. «Ich speichere sie also auf einem Zentralrechner. Wenn das Notebook geklaut oder von Viren heimgesucht wird, lade ich sie wieder herunter.» – «Richtig, bis auf ein Detail», sagt der Webflaneur: Die Daten würden nicht bloss auf einem Zentralrechner gespeichert, sondern zusätzlich auf den Computern von fünf anderen Nutzern, «also mehrfach redundant, wie die ITler sagen». «Was bringt das?», fragt der Freund. Zum einen spare dies Bandbreiten- und Speicherkosten bei der Beitreiberfirma, einem Schweizer Startup. Dieses biete dafür günstige Dienste. Er wiederum habe gute Chancen, dass Daten bei Bedarf schnell wieder hergestellt werden – auch wenn der Zentralrechner gerade überlastet sein sollte.

«Dafür liegen meine Daten auf fremden Computern, wo sie gelesen werden können», wendet der Freund ein. Das sei fast unmöglich, sagt der Webflaneur, denn die Daten würden zerstückelt und vor der Übertragung verschlüsselt. Das einzige Problem sei, dass er eine fette Internetleitung brauche, da jedes Datenpaket mehrfach versandt wird. Dies geschehe jedoch im Hintergrund. Am besten probiere er es aus: Eröffne er ein Konto, kriege er ein Gigabyte Speicher. Das reiche nie, wendet der Freund ein. Dann müsse er Speicher mieten, 10 Gigabytes kosteten 25 Franken pro Jahr, oder aber den eigenen Speicher gegen Online-Speicher eintauschen.

Der Freund schaut skeptisch. Wenn ihm dies nicht behage, so der Webflaneur, könne er auch einen der vielen anderen Anbieter wählen, Elephantdrive etwa, iDrive, MozySosonlinebackup oder andere. Die meisten Speicherdienste verlangten derzeit 4.95 Dollar pro Monat. Wolle er die Daten lieber einer Berner Firma anvertrauen, schaue er bei Stepping Stone vorbei. Für grosse Datenmengen sei Amazons S3-Dienst spannend, auf den man etwa mit der Software von Jungledisk oder einer Firefox-Erweiterung zugreifen könne. Und Fotos hinterlege er – wahlweise für 30 oder sogar 99 Jahre – auf der Swisspicturebank.

Wenige Tage später treffen sich die beiden wieder. Er habe die Daten gesichert, so der Freund. Und grinsend fügt er an: «Mehrfach redundant, wie ITler sagen.» Als Dankeschön für seinen Tipp habe er dem Webflaneur Musik geschenkt. Das könne man mit dem Speicherdienst nämlich auch. «Et voilà», sagt der Webflaneur.

Eingeschriebene E-Mail

Webflaneur am Donnerstag den 24. Juli 2008

«Und wenn ich etwas ganz Geheimes mitteilen muss?», fragt sie. «Dann tust du das am besten direkt und in aller Abgeschiedenheit», sagt der Webflaneur. Für Vertrauliches seien E-Mails ungeeignet. Sie seien wie Postkarten: Wer sie in die Hand bekomme, könne mitlesen. Zudem könne man nie sicher sein, ob eine E-Mail wirklich vom jeweiligen Absender zur notierten Zeit versandt worden sei. «Für Verträge brauchts also weiterhin eingeschriebene Briefe», sagt sie. «Wohl nicht mehr lange», kontert er – sofern man die E-Mails signiere, verschlüssele oder «eingeschrieben» verschicke.

Wie das funktioniere, will sie wissen. Am besten mache man es wie bei eingeschriebenen Briefen, sagt der Webflaneur: Man gehe damit zur Post. Er klappt das Notebook auf, startet den Webbrowser, wählt sich bei Incamail der Post ein. Er tippt eine Mitteilung ins Webformular, hängt testweise eine Foto an und klickt auf «Versand vorbereiten». Nun müsse die Handy- oder Faxnummer der Empfängerin eingetragen werden, sagt er und bittet sie um ihre Nummer. Dann klickt er auf «Senden vertraulich». Schon surrt ihr Handy. Die eingetroffene SMS enthält einen Code.  Im elektronischen Briefkasten liege nun eine E-Mail mit einem Link, erklärt der Webflaneur. Sie brauche bloss darauf zu klicken und den Code einzutippen. «Schon kannst du meine vertrauliche Nachricht lesen.» – «Schon?», frotzelt sie. Das Prozedere erscheine ihr etwas umständlich. «Im Gegenteil», sagt der Webflaneur, «bei der Post geht das einfach.» Es sei etwa alles andere als trivial, Verschlüsselungsprogramme in Betrieb zu nehmen und ein günstiges Zertifikat zu kriegen.  Bei der Post hingegen brauche man kein Extraprogramm. Und den Preis ab 95 Rappen finde er fürs sporadische Versenden wichtiger E-Mails in Ordnung. «Wenn dir aber selbst das zu kompliziert ist», so der Webflaneur, «überbringst du mir das ganz Geheime halt weiterhin direkt und in aller Abgeschiedenheit».