Archiv für die Kategorie ‘Kommerzielles’

Rendez-vous im Netz?

Webflaneur am Mittwoch den 5. April 2006

Swissflirt.ch

Spät in der Nacht an einer Party: Nein, sagte sie, niemals würde sie sich in einer Partnerbörse einschreiben, niemals. «Warum nicht?», fragte der Berner Zeitungsblogger. Die Verweigerin antwortete ausschweifend. Kurz zusammengefasst: Die Partnerbörsen seien ineffizient, sagte sie: Stundenlang schreibe man E-Mails, dabei erledigte sich die Chose an einem Treffen in Augenblicken. Sie seien teuer: Die Betreiber zockten hemmungslos ab. Und überhaupt: Anbandeln im Netz sei unsexy.

Als sie irgendwann Luft schnappte, gelang dem Zeitungsblogger der Konter: Für viele Suchende seien die Portale sehr wohl effizient, sagte er, nicht jeder und jede könne und wolle nächtelang an Partys herumhängen. Und sie böten die Chance, Leute auf andere Art kennen zu lernen: Das Aussehen und Auftreten stehe dabei nicht an erster Stelle.

Die Verweigerin und der Zeitungsblogger hätten noch lange diskutiert, hätte der Gastgeber nicht die Lichter gelöscht. Vergiss deine Streifzüge durchs Nachtleben, hätte der Zeitungsblogger ihr gesagt, mache es dir mit dem Rechner auf dem Sofa gemütlich: Die Erfolgsaussicht im Netz liege laut einer Schweizer Studie bei 23 Prozent – weitaus höher als jene in der Disco. Offenbar floriere das Geschäft mit den Suchenden, hätte er nachgedoppelt: In der Schweiz gebe es laut einem Singleboersenvergleich über 500 Portale – von Datingpoint, Elitepartner und Friendscout24 über iLove, Meetic und Match bis zu Neu, Partnerwinner und Swissfriends.

Gesagt hat er es nicht. Der Gastgeber hat ihn vorher rausgeworfen. Egal, die Liebesmüh hätte nichts mehr gefruchtet, wie der Zeitungsblogger eben gerade feststellt: Er klickt sich, aus rein beruflichen Gründen, durch Annoncen auf Swissflirt – einem der wenigen Portale, wo er kein Abo lösen muss. Die E-Mail an die Frau, deren Annonce er nun entdeckt, ist ihm den Preis von 70 Rappen wert: Es ist unverkennbar die Partnerplattform-Verweigerin.

Oh, du fröhliche

Webflaneur am Mittwoch den 14. Dezember 2005

Gut gekleidet ins Geschäft

Läden lassen Lichtlein leuchten, Glitter glänzen, Weihnachtsmänner winken. Und die Kinderlein kommen und bringen Mami und Papi und Gotti und Götti mit deren Plastikkarten mit. Und auch die anderen kommen und kaufen und hasten und bugsieren. Ausser dem Zeitungsblogger: Dieser stösst sich am Gedrängel in den Konsumtempeln. Eine geschlagene halbe Stunde lang ist er neulich ums Shoppyland gekurvt. Dann hat er aufgegeben. Nein, in dieses Getümmel stürzt er sich nicht mehr. Er brüht sich stattdessen ein Glas Glühwein, setzt sich vor seinen Rechner und kauft von zu Hause aus ein.

Eine CD für die kleine Schwester? Der Zeitungsblogger sucht in einem der vielen Musikshops eine passende aus. Ein Buch für die Mutter und eines für den Vater? Der Zeitungsblogger klickt sich durch Klappentexte und Kritiken in OnlineBuchhandlungen und stöbert in Antiquariaten – per Suchmaschine in vielen gleichzeitig. Ein Lexikon für die Schwester? Der Zeitungsblogger schaut sich die Wikipedia-DVD genauer an. Die Verwandten hingegen beglückte er mit Selbstgemachtem: eigenen Fotos in Büchern oder Kalendern, wie sie von vielen Labors angeboten werden. Wie wärs mit einem Gutschein vom Filmverleiher DVD One für den Kollegen Kinogänger? Freute sich der Mitsänger an einem iTunes.ch-Gutschein und sein Mitstudent über freien Eintritt per Museumspass? Würde der Single mit einer Lizenz zum Flirten warm? Wie wäre es mit Präsenten ab Geschenkabo.ch: Für den Bruder, der nur noch schick gekleidet ins Geschäft kommt, bestellte er ein Socken- oder Krawattenabo. Nähme ihm der Kumpel, dessen Freundin sich jüngst zu später Stunde abschätzig über das Unter-der-Gürtellinie geäussert hat, ein Unterhosenabo wohl übel?

Schliesslich bestellt der Berner Zeitungsblogger noch, was er im Festmahl verkochen und in seinen Christstollen verbacken will: Sowohl Migros als auch Coop liefern den Einkauf nach Hause. Das ist ihm die paar Extra-Franken wert. Zufrieden lehnt sich der Zeitungsblogger nun zurück. Der Glühwein ist ausgetrunken, der Weihnachtseinkauf erledigt. Doch da fällt ihm noch etwas ein: Er schaut bei Lindt vorbei und bestellt ein Paket mit Pralinées – für den Pösteler.

Im Freudentaumel

Webflaneur am Mittwoch den 11. Mai 2005

Die Büro-Gspänli rieben sich die Augen: Der Berner Zeitungsblogger tanzte. Er tanzte mit seinem iPod, freudentaumelte durch die Schreibstube – zu den Songs, die er sich für je eineinhalb Franken aus dem soeben gestarteten iTunes-Musikladen geholt hatte.

Der Zeitungsblogger tanzte – etwas ungelenk, wie die Büro-Gspänli spotteten. Sein iPod ist wohl zu lange stumm geblieben. Allzu umständlich schien es dem Zeitungsblogger, ins Musikgeschäft pilgern und eine CD kaufen zu müssen, um einzelne Songs auf den Rechner und dann auf den iPod laden zu können. Zwar hätte er vermehrt Musik in Tauschbörsen beschaffen können. Doch dabei war ihm nie wohl zumute gewesen, obschon ihm Kollegen versichert hatten, Piratenjäger könnten ihm keinen Strick drehen, solange er nur Musik kopiere, nicht aber anbiete. Zu geklauter Musik mochte der Zeitungsblogger ganz einfach nicht tanzen. Kaufen konnte er online aber auch keine – weder bei Coca Cola, noch bei Migros Nr. 1, Migros Nr. 2 oder bei Sonys brandneuem Shop Connect: Der iPod goutiert das Format der Konkurrenz nicht. Nur beim Nischenanbieter One2joy fand der Zeitungsblogger Musik, und beim umstrittenen, aber technisch überzeugenden Portal All of MP3, wo er die Qualität ordern kann, die er will: Komprimierte Songs kosten weniger als solche in bester Tonqualität. Musik extra für den iPod gab es bislang nicht. Die Schweizer mussten zuschauen, wie Andere mit dem iPod tanzten. Als sie allzu eifersüchtig wurden, forderten sie Apple in einer Online-Petition zum Vorwärtsmachen auf. Auch der Zeitungsblogger ärgerte sich – und tanzte nicht.

Heute aber freute er sich, tanzte quer durch die Schreibstube, bis dies der Kollegin vis-à-vis zu bunt wurde und sie mit Vehemenz den Stopp-Knopf seines iPod drückte. «Bevor du auch noch zu singen anfängst…», raunte sie und befahl dann streng: «Schreib, Zeitungsblogger, schreib.»

Et voilà.