Archiv für die Kategorie ‘Geografisches’

Der Weg des Vorgängers

Webflaneur am Mittwoch den 26. Juli 2006

Screenshot GPSWandern.de

Der Vater feiert Geburtstag. Die Verwandtschaft hat ihm bereits einen Navigator geschenkt. Der Berner Zeitungsblogger hingegen irrt noch auf Geschenksuche durch die Kaufhäuser. Schliesslich beschliesst er mit seinen Geschwistern: Sie schenken ihrem Vater Koordinaten – einfach so, ohne Kommentar. Diese sollen ihn auf die richtige Fährte locken. Speist er sie ins Navigationsgerät ein, weist es ihm den Weg über Stock und Stein, über Brück’ und Trampelpfad auf einen entlegenen Gipfel – auf der Spur des Vorgängers sozusagen, der die Daten beim Wandern gesammelt hat. Auf diesem Weg geruhen die Geschwister den Vater zu begleiten, im Rucksack zusätzlich noch eine papierene Karte, damit der Weg nicht zur Gratwanderung oder sogar zum Reinfall wird.

Der Zeitungsblogger wird rasch fündig: MySwitzerland.com hat zu einigen Wanderrouten auch gleich die GPS-Daten organisiert. Ganz auf dem Laufenden sind auch das Graubünden und das Wallis. Grössere Routensammlungen für Wandervögel wie für Drahtesler und Fussroller findet der Zeitungsblogger bei GPS-Tracks.com und GPS-Tour.info. Als er ob all der Pfade die Orientierung verliert, verschafft er sich bei Map.search.ch, wo neu Freizeittipps aufs Luftbild projiziert werden, einen Überblick. Schliesslich wählt er einen Pfad aus, scheitert dann aber fast am Sprachenwirrwarr: Jeder Navigator versteht nur seine Sprache. Der Zeitungsblogger muss sich mit GPS-Babel einen Dolmetscher auf den Rechner holen.

Die Koordinaten sind gedruckt. Der Zeitungsblogger ist gespannt, was Vater damit anfangen wird. Unter uns: Statt sie direkt in den Navigator einzuspeisen, könnte er den Atlas auf- und den Startpunkt nachschlagen. Er könnte die Koordinaten dem Trackviewer schicken und sie auf eine Karte übertragen lassen. Oder er könnte die Pro-Version von Google Earth kaufen und sie mit den Daten füttern. Aber verrate die Tricks nicht! Vater muss seinen eigenen Weg finden.

Tausend Ferienpläne

Webflaneur am Mittwoch den 28. Juni 2006

Screenshot Travelblog.ch

Hätte alles geklappt, wäre er jetzt mit ihr in den Ferien. Doch dann habe sie gopfriedstutz in letzter Sekunde das Weite gesucht, sagt er und nimmt einen Schluck. Nun hänge er eine lange Ferienwoche lang alleine zuhause vor der Flimmerkiste herum. Dass die Schweiz auch noch aus der WM gefault und die Fussballpartys dem kollektiven Kater gewichen seien, dass das Wetter wieder mal auf Sturm mache und die Aare mit 17 Grad nur haarscharf am Gefrierpunkt vorbei schramme, das passe irgendwie.

Der Mann braucht frische Ideen, denkt der Berner Zeitungsblogger. Und er sagt: Neulich, als er mit Google Earth im Tiefflug über fremde Länder gedüst sei, als er mit Nasa Worldwind den Globus ausgekundschaftet und mit Virtual Earth auf Karten herum gereist sei, neulich als er im Travelblog gelesen habe, was andere anderswo treiben, und bei 43places, wo andere hinwollen, da sei er wieder einmal von Reisefieberschüben geschüttelt worden.

Hätte er plötzlich eine ganze Woche Zeit, packte er den Rucksack und reiste auf die billige Tour, sagt der Zeitungsblogger: Er reservierte sich rasch ein günstiges Click’n’Rail-Ticket. Er sattelte seinen Drahtesel. Er postete sich in allerletzter Minute einen Flug – das schlechte Gewissen beruhigte er mit einem Ablasshandel bei Myclimate. Oder er stoppte bei einer der vielen Mitfahrzentralen ein Auto. Unterwegs logierte er bei Gastgebern, die er im Hospitalityclub oder beim Couchsurfing getroffen hat. In der Fremde schaute er sich dann das an, was Reisende auf Virtualtourist, Wikitravel oder World66 empfehlen – und gäbe dort später den eigenen Senf dazu. Vielleicht wanderte, kletterte oder schwämme er auch mit dem GPS-Gerät dort hin, wo sich Längen- und Breitengrade kreuzen – und dokumentierte seine Expedition auf Confluence. Und ganz beiläufig kartographierte er für Openstreetmap seinen Weg.

Der Zeitungsblogger setzt kurz ab. Sein Gegenüber schaut ihn gelangweilt an. Nein, brummelt dieser nun, er bleibe daheim. Er nimmt einen Schluck. Und dann fragt er, was der Zeitungsblogger eigentlich gemacht habe, als er jüngst unerwartet Ferien nehmen musste. Nun gerät dieser ins Schwimmen. Ehrlich gesagt, gibt er zu: Ferien auf Balkonien…

Berns erste Strasse

Webflaneur am Mittwoch den 11. Januar 2006

Screenshot Openstreetmap.org

«Gestatten Sie: B. Z., der Erbauer von Bern.» So könnte er sich nun inskünftig vorstellen, sinniert der Berner Zeitungsblogger. Er hat sein Notebook eingeschläfert und sich hingelegt. Schlafen kann er aber nicht. Er ist noch ganz aus dem Häuschen. Denn er hat eben gerade seine erste Strasse gebaut – die erste Strasse in der Stadt Bern überhaupt.

Doch der Reihe nach: Der Berner Zeitungsblogger hat jüngst mit einem Navigationsgerät herum gespielt. Irgendwann hat er entdeckt, dass er seinen Magellan vom Navigator zum Routenplaner befördern kann, wenn er ihm ein Speicherkärtchen unterschiebt. Bloss: Günstig sind solche Kärtchen mit Kärtchen nicht. Deshalb hat er einen Plan ausgeheckt: Würden viele Nutzer die Koordinaten, die ihre Geräte aufzeichnen, zusammenlegen, entstünde eine Karte. Weshalb sollte bei Strassenkarten nicht auf funktionieren, was mit der Wikipedia bei Enzyklopädien klappt? Doch dann hat er entdeckt: Andere hatten die selbe Idee schon, in Deutschland etwa Opengeodb und Gpspunkte. Auf dem besten Weg ist aber das Community-Projekt Openstreetmap, urteilte er.

Es war am Nachmittag: Der Zeitungsblogger kurvte auf seinem quietschenden Velo durch die Stadt. Magellan sass festgezurrt auf dem Lenker und sammelte eifrig Daten. Wieder zuhause brachte der Zeitungsblogger die gesammelten Koordinaten mit dem Hilfsprogramm, das er auf GPS-Babel aufgestöbert hatte, in die richtige Form. Dann kopierte er sie auf den Rechner von Openstreetmap. Wenig später war das Satellitenbild der Stadt Bern mit gelben Punkten übersäht – dort, wo der Zeitungsblogger durchgekurvt war. Zwei Punkte verband er zu einer Strasse und gab ihr ihren Namen. Zugegeben: Das Prozedere ist etwas gar umständlich und die Website nicht ganz ausgereift. Aber sein Plan funktionierte. Die Londoner haben auf diese Weise bereits eine erstaunlich detaillierte Strassenkarte aufgezeichnet.

Nun ist also auch in Bern der erste Pflasterstein gelegt, sinniert der Berner Zeitungsblogger. Dann döst er ein. Und er träumt von seinen vielen, vielen bunten Punkten, die nun zu Strassen verbunden werden können – von irgendwem.

Auf Schatzsuche

Webflaneur am Mittwoch den 30. November 2005

Geocaches

Irgendwo hier muss er sein. Wo aber genau ist der Schatz: dort drüben beim knorrigen Baum, bei der Strassenlampe oder in den Büschen? Der Berner Zeitungsblogger irrt mit Navigationsgerät und Taschenlampe in den klammen Händen durchs Schneetreiben. Er spielt Geocaching, eine moderne Schnitzeljagd. Er hat dem Gerät Koordinaten eines Verstecks gefüttert, das er via Swissgeocache.ch auf Geocaching.com entdeckt hat. Und nun soll ihn der Navigator zum «Schatz» führen – einem Kistchen oder Tupperware mit Kleinmaterial darin. Dann darf er etwas heraus nehmen, sofern er Anderes hinein legt.

Hätte er sich nur früher auf den Weg gemacht, sinniert der Zeitungsblogger, als er vom knorrigen Baum zur Lampe schreitet, schliesslich gar zu den Büschen hinauf kraxelt und – zack – auf dem Hosenboden wieder hinunter schlittert. Aber eben: Zuerst meckerte das Gerät über die Koordinaten, die er eingetippt hatte. Dann ist er beim Lesen stecken geblieben, hat gestaunt, was die Leute mit ihren GPS-Geräten so alles anstellen: Manche verstecken also Tupperwares, die andere dann suchen. Über 1500 solcher «Schätze» gebe es in der Schweiz, steht auf Geocache.ch. Andere wandern, schwimmen, klettern dort hin, wo sich Längen- und Breitengrade kreuzen, und machen Fotos für Confluence.org. Andere spulen laut Gpsdrawing.com Routen ab, die, übertragen auf den PC, zu «selbst erfahrenen Bildern» werden. Weitere wandern, trekken und biken anhand der Wegmarken, wie sie Gps-tour.info sammelt. Brandneu ist Travelblog.ch, wo Reiseberichte direkt mit dem aktuellen Standort des Globetrotters ergänzt werden. Stationäre Blogger tragen ihre Koordinaten bei Geourl.org ein, damit sie auf einer Weblog-Karte zu finden sind. Der Zeitungsblogger hat das auch gemacht. Und so ist es spät geworden.

Das Schneegestöber wird dichter. Der Berner Zeitungsblogger gibt auf. Es ist zu dunkel für die Schatzsuche, brummelt er vor sich hin, und zu kalt. Und überhaupt: Wie ist er nur auf die abwegige Idee gekommen, zu dieser Jahreszeit Schätze zu jagen? Aber eben: Er muss das GPS-Testgerät bald zurück schicken. Doch zuvor will er den Schatz noch heben, beschliesst er daheim in der warmen Stube. Das GPS-Fieber hat ihn gepackt. Und für später wünscht er sich nun ein Navigationsgerät unter dem Weihnachtsbaum.