Archiv für die Kategorie ‘Gemeinschaftliches’

Esel am Wäscheberg

Webflaneur am Dienstag den 24. Februar 2009

Der Webflaneur steht wie ein Esel am Berg – am Wäscheberg. Vorab dieses eine Stück gibt ihm zu denken. «Wie wäscht man einen Kaschmirpullover?», fragt er sich. Er erinnert sich noch, wie ihm, nachdem er das Päckli ausgepackt hatte, eingetrichtert worden ist, er solle ja Acht geben beim Waschen. Was er vorzukehren hat, ist ihm aber leider entfallen. Muss er den Pulli von Hand waschen? Braucht er ein Spezialmittel? Soll er normales Haarshampoo nehmen? Und falls ja: Schadet die beigemischte Pflegespülung nicht? Der Webflaneur fragt sich, wie er das wohl am besten in Erfahrung bringe, ohne allzu dumm aus der Wäsche zu gucken.

Er lässt den Zuber stehen und setzt sich an den PC. Irgendwann an einer Party hat ihm mal ein Junggeselle, der in praktischer Hausarbeit nicht gerade mit allen Wassern gewaschen ist, seinen Trick verraten: Bei komplexen Haushaltsfragen, hat er gesagt, frage er die Oma. Dann hat er grinsend buchstabiert: Frag-die-oma.de. Egal, obs um die Pflege von Wildlederschuhen oder um den gordischen Knoten des Krawattenknopfes gehe – bei der virtuellen Oma finde er Rat. Und wenn nicht, dann bei Frag-Mutti.de. Gehe es eher ums Bohren und Schleifen, gucke er bei Frag-vati.de vorbei.

Der Webflaneur hat Pech. Weder Oma noch Mutti oder Vati helfen ihm weiter, Wer-weiss-was.de und Gutefrage.net auch nicht. In den Videos auf Spotn.de erfährt er zwar, wie er eine Zwiebel würfelt oder Discofox tanzt, nicht aber, wie er einen Pulli eindrücken muss. Und bei Frag.wikia.com, dem neuen Dienst der Wikipedia-Macher? Auch dort gibts vorerst keine Antwort. Der Webflaneur erwägt, für die heikle Pullovermission den Mamiexpress.ch zu engagieren. Doch er verwirft den Gedanken wieder; auf längere Sicht kostete ihn die Hilfe gestandener Hausfrauen zu viel.

Schliesslich hat der Webflaneur seinen Pulli  doch noch gewaschen, ohne dass dieser Schaden genommen hätte. Woher er nun plötzlich wusste, wie es ging? Der Webflaneur hat anderweitig recherchiert. Wo? Na ja, er hat dann doch seine Mutter gefragt.

Mitschreiben

Webflaneur am Freitag den 23. Januar 2009

Der Kollege Schreiber druckst herum. Ob er ihm vielleicht bei Gelegenheit mal – es eile wirklich nicht, und wenn er keine Lust dazu habe, könne er auch nein sagen – kurz: ob er ihm vielleicht mal etwas erklären könne? Der Webflaneur guckt ihn erstaunt an. «Was?» Schreiber fasst sich ein Herz: «Wie mache ich bei der Wikipedia mit?», fragt er.

Ach, das sei ziemlich einfach, antwortet der Webflaneur. Am besten beginne er mit einigen Korrekturen: Das nächste Mal, wenn er über einen Tippfehler stolpere, klicke er einfach auf «Seite bearbeiten», korrigiere den Fehler, tippe ins Zusammenfassungsfeld «typo» und speichere. Das habe er versucht, sagt Schreiber. Im Text habe es aber komische Zeichen gehabt. Das seien Steuer- und Formatierungsbefehle, so der Webflaneur. «Sie sind einfach zu lernen.» – «Gibst du mir einen Schnellkurs?» – «Lektion 1: Formatieren», sagt der Webflaneur. Ausdrücke würden kursiv gesetzt, indem man davor und dahinter zwei Apostrophs einfüge. Aus ’’Wort’’ werde also Wort. Fürs fette Stichwort am Artikelanfang verwende man je drei Apostrophs. Um Aufzählungen zu machen, stelle man den Abschnitten einen Stern voran. Und nummerierte Listen erzeuge man mit dem #-Zeichen. Für Überschriften ersten Grades rahme man den Titel mit je zwei Gleichheitszeichen ein, schreibe also etwa ==Titel 1==; Überschriften zweiten Grades hätten vor und hinten je drei Zeichen. «Und das Inhaltsverzeichnis?», fragt Schreiber. Darum brauche er sich nicht zu kümmern, sagt der Webflaneur. Es werde automatisch erzeugt, sobald ein Artikel vier oder mehr Überschriften enthält.

«Und nun kommen wir zur Lektion 2: Links setzen.» Um auf einen anderen Wikipedia-Artikel zu verweisen, setze man das Wort in doppelte, eckige Klammern. Aber was brabble er da, sagt der Webflaneur. Alles, was Schreiber wissen müsse, finde er auf dem Autorenportal im Menü links oben. «Nun aber noch Lektion 3», insistiert Schreiber, «neue Artikel eröffnen». Auch das sei einfach, sagt der Webflaneur. Er klicke nach einer ergebnislosen Suche auf den entsprechenden Link. Bevor er aber in die Tasten greife, überlege er sich besser nochmals, ob das Thema relevant genug sei. Denn was einer Enzyklopädie nicht würdig ist, werde von anderen Nutzern schnell wieder gelöscht.

«Worüber willst du schreiben?», fragt der Webflaneur. Schreiber druckst herum. Dem Webflaneur schwant Böses. Er setzt einen strengen Schulmeisterblick auf. «So sehr ich dich schätze, deinem Werk mangelt es – noch – an Relevanz», massregelt er Schreiber. Egoartikel zu schreiben oder auch nur Infos zur eigenen Person zu frisieren sei verpönt. Und beköppelt.

Sie steigt bei Fremden ein

Webflaneur am Donnerstag den 7. August 2008

«Wann fährt der Zug?», will der Webflaneur wissen. «Der Zug?», fragt die Verwandte. «Nein», fährt sie gleich selbst fort, sie reise nicht per Bahn. Der Webflaneur guckt sie fragend an. Sie grinst und sagt: «Ich habe eine Mitfahrgelegenheit organisiert.» – «In einem privaten Auto?», fragt er und runzelt die Stirn. «Ja», sagt sie und zwinkert ihm zu, «ich steige bei einem Fremden ein.» Sie mache sozusagen modernen Autostopp: Auf einem Mitfahrportal habe sie jemanden gefunden, der morgen in dieselbe Richtung fahre. Mit ihm habe sie sich eben gerade per Telefon verabredet.

Der moderne Autostopp habe viele Vorteile, argumentiert sie: «Im Gegensatz zum Daumen-raus-Reisen auf der Strasse kannst du die Fahrt planen.» So zu reisen sei zudem günstig; die Fahrer berechneten normalerweise die Benzinkosten, schlügen 10 Prozent darauf und teilten die Summe durch die Anzahl Mitfahrende. Und so zu reisen sei spannend: Die Fahrer seien umgänglich, die Mitfahrer sowieso, und die Fahrt kurzweilig. «Längst nicht nur Geizhälse und Ökofundis organisieren sich Mitfahrgelegenheiten», fügt sie an. In Deutschland sei es gang und gäbe, die Kosten für eine Reise zu teilen – «bei diesem hohen Benzinpreis sowieso». Auch hier zu Lande komme man auf den Geschmack. Die beiden grossen deutschen Mitfahrportale Mitfahrgelegenheit und Mitfahrzentrale hätten jedenfalls Ableger in der Schweiz eröffnet. Wobei: Auch die vielen anderen Mitfahrzentralen könnten aus der Schweiz genutzt werden.

«Hast du keine Angst, bei einem Unbekannten einzusteigen?», unterbricht der Webflaneur sie. «Nein», sagt sie. Als Vorsichtsmassnahme telefoniere sie vor der Fahrt mit der Person. Sie bevorzuge zudem Fahrten, bei denen weitere Autostopper mit dabei sind. Und: «Sollte ich ein ungutes Gefühl haben, steige ich nicht ein und schickte den Fahrer alleine auf die Piste.»

Das alles ist quelloffen

Webflaneur am Mittwoch den 12. März 2008

Eigentlich sollte er sich langsam auf den Weg machen. Schliesslich ist die Fehlerjagd beendet: Fein säuberlich hat der Webflaneur aufgelistet, welche Programme bocken. Nun könnte er das Notebook ins Rucksäckchen packen, sich aufs Velo schwingen und zum BEA-Gelände pedalen, wo bis morgen in der Geschäftsinformatikmesse Topsoft die Open Expo stattfindet. Dort hofft er die Cracks zu treffen, die ihm seine Fragen zu Opensource-Software – zu gemeinschaftlich entwickelten Programmen, die gratis benutzt werden dürfen – beantworten können.

Er plant, mit einer Uniarbeit, die sich partout nicht ins richtige Format bringen lässt, am Openoffice-Stand aufzukreuzen. Er wird die Leute am Scribus-Tisch um Tipps für die Gestaltung eines Konzertplakats bitten. Er hofft, dass ihm ein Linux-Experte zeigen kann, wie er mehr Leistung aus der Grafikkarte kitzelt. Er möchte sich von Cacert ein Zertifikat ausstellen lassen, um E-Mails verschlüsseln zu können. Er wird versuchen, herauszufinden, ob man als Amateur Websites besser mit Joomla, Plone, Phpwcms oder Typo3 aufbaut. Er will schauen, was er von Ausbildungssystemen wie Moodle und Olat lernen kann. Er will das neue Funknetz von Openwireless ausprobieren. Er möchte sich das Openmoko-Handy zeigen lassen, das erste wahre «Frei-Phone».

Doch statt sich sofort auf den Weg zu machen, klickt sich der Webflaneur selbstvergessen durch die Bestenliste auf Sourceforge, der grössten Code-Schmiede für gemeinschaftlich entwickelte Software. Angeführt wird sie von Tauschbörsentools. Dann folgen die Portable Apps, mit denen andere Programme auf USB-Sticks installiert werden können. Sehr oft heruntergeladen werden Hilfsprogramme wie 7-Zip zum Komprimieren oder Filezilla, um Daten auf Zentralrechner zu laden. Beliebt sind die Audio-Schnittsoftware Audacity und zum Chatten Pidgin. In der Bestenliste der Plattform sind auch die Windows-Programme Notepad++, der PDF-Creator, der Audio- und Videokonverter Media Coder und der Virenscanner Clam-Win zu finden.

Endlich schreckt der Webflaneur auf. Eigentlich wollte er ja nicht Neues suchen, sondern Bestehendes zum Laufen bringen – heute und morgen an der Open Expo.

Der Harem

Webflaneur am Mittwoch den 30. Januar 2008

Er habe nun 17 Freundinnen, frohlockt der Webflaneur. Sie schaut etwas verdutzt auf. «Was?», fragt sie. Er habe 17 Online-Freundinnen, präzisiert er. «Aufschneider», kanzelt sie ihn ab. Sie tut, als läse sie weiter. Offenbar wurmt es sie aber doch. Einige Minuten später steht sie hinter ihm vor dem Computer und fragt: «Und – wo ist dein Harem?»

Nein, einen Harem habe er nicht, stellt der Webflaneur klar. «In sozialen Netzwerken ist Hinz und Kunz Freund und Freundin.» Was soziale Netzwerke seien, fragt sie. Das seien Webplattformen, auf denen die Nutzer sich präsentierten – und andere zu ihren Freunden machten, versucht er zu erklären.  «Schau her!» Er zeigt ihr sein Profil bei StudiVZ, demonstriert, wie man nach Unibekanntschaften sucht und sie zu «Freunden» macht. Und er demonstriert einige der vielen Spielereien auf Facebook. Dies seien nur zwei der meistgenutzten Plattformen, sagt er. Es gebe viele andere. Zudem: In diversen Softwareschmieden werde an neuen Netzen gearbeitet, und mit Ning könne man relativ einfach eigene erstellen. «Wer benutzt all das?», fragt sie. «Erstaunlich viele», sagt er. Er habe jedenfalls viele alte Bekannte getroffen.

«Demnächst beginnt ein harter Kampf zwischen Facebook und StudiVZ», prophezeit der Webflaneur. Facebook habe zwar weitaus mehr Nutzer, liege aber hier zu Lande hinter dem deutschsprachigen Klon StudiVZ zurück. Für den März habe Facebook nun aber eine deutschsprachige Oberfläche angekündigt. Die StudiVZ-Macher rüsteten sich derweil für die Schlacht: Sie konzentrierten ihre Kräfte – nach einem erfolglosen Kreuzzug in internationalen Gefilden – im deutschsprachigen Stammland. Um dort die Stellung halten zu können, überarbeiteten sie die Plattform komplett und öffneten sie für externe Programmierer.  Zudem planten sie ein Angebot für diejenigen, die an keiner Uni eingeschrieben sind. Sie fragt nach dem Datenschutz. «Ein berechtigter Vorbehalt», sagt der Webflaneur. Er erzählt, wie diverse grosse Anbieter die gesammelten Daten vermarkten wollten, dann aber unter dem Druck der Nutzer klein beigeben mussten.

«Eine skurrile Welt», sagt sie. Und während sie unter die Bettdecke schlüpft, um noch einige Seiten zu lesen, fügt sie an: «Ich überlasse dich nun wieder meinen Nebenbuhlerinnen.»

Geschenke tauschen

Webflaneur am Mittwoch den 19. Dezember 2007

Screenshot Exsila.ch 

Es ist spät am Heiligen Abend. Eine Kerze nach der anderen glimmt ein letztes Mal auf, verlöscht. Der Teppich ist übersät mit Geschenkpapier. Der Webflaneur steht, eine CD in der Hand, vor der Tanne, blickt ins erwartungsvolle Gesicht des Gegenübers. Die Dissonanz der Blockflöten habe genügt, denkt er. Er lasse sich besser nicht über die erhaltene CD aus. «Thank You for the Music», trällert er sodann  – in der Hoffnung, sich mit dem überraschend vorgetragenen Musikzitat aus der misslichen Lage retten zu können. Es gelingt. Das Gegenüber strahlt.

«Eine schöne Bescherung!», wettert der Webflaneur tags darauf im Kollegenkreis. Der Spieler doppelt nach: Er bezweifle, ob seine Konsole die Games, die er gestern erhalten habe, überhaupt fresse. Und die Leseratte klaubt ein Buch aus ihrer Tasche. Bei diesem Autor holpere bereits der Klappentext, polemisiert sie. Bloss der Vierte im Bunde scheint zufrieden zu sein. Was er zu Weihnachten geschenkt erhalten habe, will der Webflaneur wissen. «Unter anderem eine DVD, die ich schon habe», antwortet der Filmfan. Tragisch sei das nicht. Er tausche sie einfach um. «Ohne Kassenzettel?», fragt die Leseratte. Er bringe Filme, Games, CDs und Bücher nicht ins Geschäft zurück, sondern tausche sie gegen Passenderes ein, sagt er – auf Websites wie Exsila, Homepaq und Dertausch oder alternativ bei den weniger bevölkerten Tradefarm und Book2book.

Wie dieser Tausch funktioniere, will die Leseratte wissen. «Ist auf deinem Buch ein Strichcode aufgedruckt?», fragt der Filmfan. Er nimmt das Notebook aus der Tasche, startet es auf, wählt sich in der Tauschbörse ein. Er tippt die Nummer ein, die unter dem Strichcode des Buches aufgedruckt ist, fragt bald darauf, wie viel das Werk denn kosten soll, übernimmt den Preis. «In wenigen Tagen ist das Buch weg», prophezeit er. Für das «getauschte» Buch kriege er Punkte gutgeschrieben. Und mit diesen dürfe sie dann ein anderes eintauschen. Den halben Weihnachtstag lang klicken sich die vier durchs Tauschangebot. Und in Zukunft werden sie selbst für die unpassendsten Geschenke aufrichtig bedanken.

Bijou im Weltkulturerbe

Webflaneur am Mittwoch den 27. Juni 2007

Screenshot Spacexchange.de

Nun kenne die Welt also auch die Farbe seiner Bettwäsche, spottet der Werber und klickt auf «nächstes Foto». Der Balkon sei ein Bijou, kommentiert er. «Ich bin mir sicher: Du wirst von Anfragen überflutet werden.» Da sei er weniger zuversichtlich, entgegnet der Webflaneur. Er könne für den Haustausch lediglich seine einfache, kleine Loge in Bern anbieten – keine Villa in einer Weltstadt. Wenigstens sei er ehrlich und deklariere dies.

Der Werber liest den Inseratetext und schüttelt den Kopf. «So klappt es nie», murmelt er. Er kapert die Tastatur. «Bijou: Maisonette-Appartement im Weltkulturerbe», tippt er. Er lobt die zentrale, aber ruhige Lage, schwärmt vom Blick auf Aare und Park. In Bern, dem «idealen» Ausgangspunkt für Reisen in Europa, «verweilt man gerne länger», schreibt er. «Knackig», sagt der Webflaneur, «aber etwas gar dick aufgetragen.» «Das tun alle», kontert der Werber.

Wie gross die Reichweite dieser Plattform sei, fragt der Werber. «Keine Ahnung», antwortet der Webflaneur. Er schalte das Inserat auf den kostenlosen Haustausch-Sites Spacexchange und Switchome. Die anderen schienen ihm etwas teuer: Beim Schweizer Ableger des Pioniers Intervac koste die Mitgliedschaft 140 Franken pro Jahr, inklusive eines Inserats im Katalog. «Für kurzfristiges Suchen bringts Print nicht», sagt der Webflaneur. Kaum günstiger seien Homelink und Haustauschferien. Tauschhaus verlange 70, B-each 60 Euro pro Jahr, Ihen 40 Dollar, Home-exchange-holidays 30 Euro.

«Du musst investieren, um zu profitieren», behauptet der Werber. Ein Entgelt sei kein Garant für einen erfolgreichen Tausch, argumentiert der Webflaneur. Die beiden diskutieren. Schliesslich einigen sie sich auf ein zusätzliches Konto bei Swapeo, wo man zwar 80 Euro bezahlt – aber erst, wenn ein Tausch zu Stande kommt. Nun ringen die beiden bloss noch um den definitiven Inseratetext, der Webflaneur und der Werber in seinem Kopf.

Der Programmierer plant eine Party

Webflaneur am Mittwoch den 18. April 2007

Screenshot Amiando 

«Vergiss es», sagt der Programmierer bestimmt. «Eine Party zu organisieren, ist kein Fest.» Selbst wenn für Speis und Trank gesorgt sei, fehle ihm die Zeit dazu: Zuerst provoziere man eine unendlich lange Terminschlacht. Dann schlage man sich mit Zu- und Absagen herum. Schliesslich vertrödle man eine halbe Ewigkeit damit, den Ortsunkundigen den Weg zu weisen.

«Dafür gibts praktische Helferchen», unterbricht ihn der Webflaneur. Statt Briefe und E-Mails mit Terminvorschlägen zu verschicken und die Antworten mühsam von Hand abzugleichen, könne er eine Liste der möglichen Daten ins Netz stellen. Etwa mit Doodle: Die Geladenen können dann einfach ankreuzen, welcher Termin passt. Mehr Möglichkeiten habe er mit Amiando, wo auch gleich Partyfotos veröffentlicht werden können. Sollen Arbeitskollegen eingeladen werden, könne er die Terminumfrage mit dem Agendaprogramm im Büro machen. Ringe er sich dazu durch, ab und zu ein Fest steigen zu lassen, könne er ein Skript auf seinem Webserver installieren, etwa Termin Genius. «Und wenn du etwas googlest, findest du sicher noch mehr Angebote.»

«Und wie erklärt man Ortsunkundigen, wo die Party steigt?», fragt der Programmierer. Lange Beschreibungen könne er sich ersparen, sagt der Webflaneur, und stattdessen einen Link zur Karte schicken. «Auf der Karte ist die Brätlistelle aber kaum eingezeichnet», frohlockt der Programmierer. «Dann zeichnest du selbst», kontert der Webflaneur. Bei Map.search.ch könne man seit einigen Wochen malen. Und wer registriert ist, könne nun auch bei Maps.google.com zeichnen, schreiben und Fotos einfügen.

Nun gibt der Programmierer klein bei. «Ich überlege es mir nochmals», sagt er. Der Webflaneur grinst. Er hofft fest auf ein Fest.

Das Fitnessprogramm

Webflaneur am Mittwoch den 7. März 2007

 Screenshot GPSies.com

Nun ist genug gebastelt. Der Blog aus der letzten Kolumne läuft. Der gute alte iMac aus der vorletzten wird diese Woche verschenkt. Und der kostenlose Internet-Zugang aus der vorvorvorletzten funktioniert. Nichts geändert hat sich in Sachen Augenringe: Sie hängen weiterhin tief. Und seit mit der Wanderung beim vorvorletzen Mal kurzfristig etwas Bewegung in die Kolumne gekommen ist, sind viele Tage ins Land gezogen.

Der Webflaneur braucht Auslauf. Herz und Muskeln sollen wieder einmal richtig pumpen. Da es mit dem Skifahren dieses Jahr nicht recht geklappt hat, verrennt er sich in neue Vorsätze: Nun will er joggen und wandern, klettern und stemmen, radeln und schwimmen. Und zur Kontrolle will er genau darüber Buch führen.

Aber wie? Zuerst hat er mit «Fusion» von Adidas und Polar geliebäugelt oder mit «Nike+», einem Schrittzähler für den iPod nano. Doch die Trainingsuhr mit Pulsmesser-Shirt war ihm zu teuer, er hat keinen iPod nano und in Sachen Schuhen steht er derzeit auf Asics’ Basics. Gratis wäre hingegen das Programm Jogger. Soll er es installieren? Oder soll er sich auf einer Sport-Website einschreiben? Bei Jogmap und Laufrausch könnte er sich auf Landkarten Parcours zusammenklicken, Statistiken erstellen, ein Lauftagebuch führen. Vorschläge für Wanderungen könnte er bei Gpswandern und Gps-tour holen – und die Routen fürs GPS-Gerät als Wegweiser für unterwegs. Doch eine eigene Plattform für jede Sportart findet selbst der Webflaneur ermüdend. Als er auf seiner Netzpedition Mehrkämpfer entdeckt, atmet er auf: Bei Gpsies und Ttsm könnte er die GPS-Daten der Ausflüge ablegen oder den Weg per Maus einzeichnen und sähe dann, wie weit er gewandert und gesegelt oder wie hoch er geklettert ist. Auch mit Hilfe des Peertrainer könnte er Buch führen – und sich von Sportskollegen anfeuern lassen.

Mit dem iPod, mit einer Software oder via eine Website? Der Webflaneur fragt einen bekannten Läufer, wie er denn seine Trainings auswerte. Er notiere sich die Einheiten ganz einfach in der Tabellenkalkulation, sagt der Profi. Und der Webflaneur fragt Kollege Renner. Doch dieser hebt nur die Augenbraue und pariert mit einer geraden Rechten: «Schalte einfach mal die Kiste aus», sagt er, «und lauf».

Wie sie zu ihrem Blog kam

Webflaneur am Mittwoch den 21. Februar 2007

«Zu lange Blogs gelesen?», fragt die Lehrerin und zeichnet keck seine Tränensäcke nach. Es tue ihr Leid, fährt sie grinsend fort, «bald wirst du auch noch mein Lernatelier-Tagebuch studieren müssen». Der Webflaneur gähnt. «Keine Kommentare», weist sie ihn zurecht. Dann flötet sie: «Könntest du mir – bitte, bitte – beim Essen zeigen, wie ich zu einem Blog komme?»

Entweder eröffne man einen Blog bei einem der vielen Anbieter, erklärt der Webflaneur während der Vorspeise – etwa bei Blog.ch, Freeflux oder Kaywa, bei Livejournal, Twoday oder Blogger. Oder man reserviere ein Plätzchen auf einem Zentralrechner, installiere darauf die nötige Software. «Genau das will ich», sagt sie. Ein Blog mit einer «richtigen» Internetadresse wirke seriöser. «Ein bisschen etwas zum Netz muss man schon wissen», warnt er. «Deshalb habe ich heute Mittag zum Essen ins Internet-Restaurant geladen», kontert sie, entnimmt der Tasche ein Notebook und einige Blätter. Das Plätzchen auf dem Webserver habe sie bereits reserviert – «fünf Franken pro Monat, nicht schlecht, oder?» – und zusätzlich eine Internetadresse. «Du kannst also loslegen.» In diesem Moment kommt der Kellner. «Vor der Arbeit das Vergnügen», sagt der Webflaneur und isst.

Nach dem Mahl holt der Webflaneur, was er braucht: einen FTP-Client, um Dateien auf den Zentralrechner zu laden – unter Windows nimmt er jeweils Filezilla, auf Macs Cyberduck, auf Linux-PC Gftp – und eine Weblog-Software. Auch hier hat er die Qual der Wahl: Soll er es dieses Mal mit Serendipity probieren, mit Lifetype, Textpattern, Nucleus oder Drupal? Er entscheidet sich wiederum für WordPress, da das Programm einfach zu bedienen ist und anhand einer Anleitung in wenigen Schritten installiert wird: Herunterladen und auspacken, Datenbankname und -passwort eintragen, auf den Zentralrechner kopieren, mit einigen Klicks fertig installieren. Noch bevor sich der Kellner nach Kaffeewünschen erkundigen kann, läuft der Lernblog.

So einfach hat sich der Webflaneur das Essen dann doch nicht verdient: Die Lehrerin wollte Layout-Änderungen. Es gab schliesslich ein frühes Zvieri und trotz Kaffee noch dunklere Augenringe.