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Selbstentfesselung

Webflaneur am Dienstag den 21. Mai 2013

Heute Nacht wird er die Ketten endlich sprengen. Heute wird der Webflaneur jene Texte, Bilder und Dateien befreien, die er während langer Jahre bei einem kommerziellen Bloganbieter gesammelt, gehegt und gepflegt hat. Denn er weiss: Kriegt er die Daten nicht heraus, bevor das Abo ausläuft, könnten sie für immer verloren sein.

Es sei unmöglich, wettert der Webflaneur: Da bezahle man jahrein, jahraus für ein Angebot. Und am Schluss habe man nichts als Scherereien. Er weiss, wovon er spricht: Mehrmals hat er dem Anbieter geschrieben und ihn um einen Export gebeten. Dieser versprach zwar, zumindest die Datenbank zu liefern. Trotz einiger Nachfragen ist bislang noch nichts eingetroffen.

Zuerst plante der Webflaneur jeden Artikel einzeln aufzurufen und die Daten mitsamt allen Bildern und verlinkten Dateien von Hand zu kopieren. Doch das hätte ihn Tage gekostet. Deshalb bläst er nun zum Datenbefreiungsfeldzug mit brachialer Gewalt. Er installiert das kleine Hilfsprogramm Httrack. Dieses setzt er auf die eigenen Daten an: Das Programm soll eine Webseite nach der anderen aufrufen und auf seinem Computer abspeichern. Dabei soll es auch gleich die Bilder herunterladen, die sich in den Artikeln befinden, sowie alle intern verlinkten Dateien. Damit die vielen Zugriffe nicht den Server ausbremsen, soll das Programm dabei behutsam vorgehen. Nachdem der Webflaneur lange gepröbelt hat, startet er nun die Aktion. Er lässt den Computer eine Nacht lang durcharbeiten. Und am Morgen findet er tatsächlich einen Grossteil der eigenen Daten auf dem Computer wieder – nebst ziemlich viel Datenmüll.

Zugegeben: Elegant ist diese Selbstbefreiungsaktion nicht. Aber nicht jedermann ist halt ein Harry Houdini.

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