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Eine eigene Wolke

Webflaneur am Dienstag den 21. August 2012

Ihre Daten gehörten ihr, ruft sie aus. Und sie sagt es nochmals klipp und klar: «Ich hänge weder meine Fotos noch mein Adressbuch ins Internet.» Der Webflaneur, der seine Kollegin bloss kurz beim Kauf eines Smartphones beraten wollte, schluckt leer. «Ein Smartphone ohne Anbindung an die Datenwolke taugt nicht viel», sagt er. Ganz abkoppeln lasse es sich nicht, bloss ein bisschen. Damit verzichte sie aber auf Annehmlichkeiten: Sollte das Smartphone abhanden kommen oder kaputtgehen, verliere sie die darauf gesammelten Kontakte, ihre damit gemachten Fotos, die empfangenen Nachrichten. Es sei denn, sie kopiere diese von Hand auf den PC, was ohne Onlinespeicher umständlich sein könne. Die Kollegin bleibt dabei: «Meine Daten gehören nicht ins Netz», sagt sie.

Vielleicht lasse sie sich auf einen Kompromiss ein, sinniert der Webflaneur nach der missglückten Beratung: Statt die Kollegin komplett bei Google oder Apple anzuhängen, könnte er ihre Daten in einer persönlichen Datenwolke speichern. Sofort macht er sich an die Arbeit: Er mietet einen Platz auf einem Zentralrechner und eine Internetadresse. Dann lädt er die Software von Owncloud.org herunter. Er kopiert sie auf den Server, versucht sie zu installieren. Doch er scheitert vorerst; nötig ist ein Update des Webservers. Nach intensivem Pröbeln während einiger halber Nächte klappt es doch noch: Die eigene Datenwolke hebt ab. Der Webflaneur erfasst einige Kontakte, trägt Termine in die digitale Agenda ein, schickt Fotos und Textdateien in die Wolke. Dann installiert er auf dem Smartphone die Owncloud-App. Sie bietet in der ersten Version erst einfache Funktionen: Dateien lassen sich hoch- und herunterladen; neue Fotos auf Wunsch automatisch.

Halbwegs zufrieden lehnt sich der Webflaneur zurück. In diesem Moment ruft die Kollegin an. Sie möchte sich entschuldigen, sagt sie – wegen ihrer Borniertheit in Sachen Cloud. Mittlerweile sei sie zur Einsicht gelangt: Google Drive und Apples iCloud seien voll in Ordnung.

Als sie dies sagt, fällt der Webflaneur aus allen Wolken.

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