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Eingeschriebene E-Mail

Webflaneur am Donnerstag den 24. Juli 2008

«Und wenn ich etwas ganz Geheimes mitteilen muss?», fragt sie. «Dann tust du das am besten direkt und in aller Abgeschiedenheit», sagt der Webflaneur. Für Vertrauliches seien E-Mails ungeeignet. Sie seien wie Postkarten: Wer sie in die Hand bekomme, könne mitlesen. Zudem könne man nie sicher sein, ob eine E-Mail wirklich vom jeweiligen Absender zur notierten Zeit versandt worden sei. «Für Verträge brauchts also weiterhin eingeschriebene Briefe», sagt sie. «Wohl nicht mehr lange», kontert er – sofern man die E-Mails signiere, verschlüssele oder «eingeschrieben» verschicke.

Wie das funktioniere, will sie wissen. Am besten mache man es wie bei eingeschriebenen Briefen, sagt der Webflaneur: Man gehe damit zur Post. Er klappt das Notebook auf, startet den Webbrowser, wählt sich bei Incamail der Post ein. Er tippt eine Mitteilung ins Webformular, hängt testweise eine Foto an und klickt auf «Versand vorbereiten». Nun müsse die Handy- oder Faxnummer der Empfängerin eingetragen werden, sagt er und bittet sie um ihre Nummer. Dann klickt er auf «Senden vertraulich». Schon surrt ihr Handy. Die eingetroffene SMS enthält einen Code.  Im elektronischen Briefkasten liege nun eine E-Mail mit einem Link, erklärt der Webflaneur. Sie brauche bloss darauf zu klicken und den Code einzutippen. «Schon kannst du meine vertrauliche Nachricht lesen.» – «Schon?», frotzelt sie. Das Prozedere erscheine ihr etwas umständlich. «Im Gegenteil», sagt der Webflaneur, «bei der Post geht das einfach.» Es sei etwa alles andere als trivial, Verschlüsselungsprogramme in Betrieb zu nehmen und ein günstiges Zertifikat zu kriegen.  Bei der Post hingegen brauche man kein Extraprogramm. Und den Preis ab 95 Rappen finde er fürs sporadische Versenden wichtiger E-Mails in Ordnung. «Wenn dir aber selbst das zu kompliziert ist», so der Webflaneur, «überbringst du mir das ganz Geheime halt weiterhin direkt und in aller Abgeschiedenheit».

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