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Der Paragrafenreiter

Webflaneur am Mittwoch den 9. Juli 2008

Als er die Türe öffnet,  schlägt ihm laute Musik entgegen. Die Kollegin kommt leichten Schrittes daher und begrüsst ihn überschwänglich. Sie sei Feuer und Flamme für diese Scheibe, ruft sie dem Webflaneur zu, während sie ihn ins Wohnzimmer führt. Sie dreht die Musik zurück. Die CD gehöre ihrer Schwester, sagt sie. «Ich will sie unbedingt kopieren. Aber irgendwie klappt es nicht.» Das liege am Kopierschutz, sagt der Webflaneur. «Wie knacke ich den?», fragt sie. Der Webflaneur zuckt mit den Schultern. «Du weisst es sicher», sagt sie und lässt die Wimpern klimpern. Er dürfe ihr nicht helfen, entgegnet er. Sie runzelt die Stirn. Und er rezitiert Artikel 39 des neuen Urheberrechts, das Anfang Monat in Kraft gesetzt worden ist: «Wirksame technische Massnahmen zum Schutz von Werken dürfen nicht umgangen werden.» Sie nehme alles auf sich, sagt sie. «Du erklärst, ich klicke.» Auch das gehe nicht, sagt er. Das Gesetz verbiete es ihm auch, hier Tipps zum Kopierschutzknacken zu geben.  

«Das können die nicht machen», enerviert sich die Kollegin. Bislang habe sie Kopien der CDs ihrer Schwester herstellen dürfen. «Es gibt eine Ausnahmeklausel», beruhigt sie der Webflaneur. Werde der Kopierschutz «ausschliesslich zum Zweck einer gesetzlich erlaubten Verwendung» umgangen, könne man nicht bestraft werden. Und das Gesetz erlaube es weiterhin, für sich, Verwandte und enge Freunde Musik und Filme zu kopieren – sogar wenn diese geschützt seien. Er aber werde sich hüten, hier zu erklären, wie man Kopierschutze knackt. «Allenfalls hilft dir ja die Suchmaschine weiter.»

Einen Tipp könne er ihr aber geben: «Kauf fortan, wenn immer möglich, ungeschützte Musik.» Mittlerweile gebe es diverse Anbieter, die Musik unverschlüsselt verkauften. Im iTunes-Laden von Marktführer Apple etwa seien bestimmte Stücke ohne Kopierschutz erhältlich – wenn auch zu höheren Preisen und mit in der Datei gespeichertem Käufernamen. Auch bei der Konkurrenz gebe es Unverschlüsseltes – bei Neueinsteiger  Musicload ebenso wie bei Exlibris und Soundmedia sowie in Nischenshops wie Finetunes, Fastrecords und Magnatune.

Was die Kollegin mit der CD angestellt hat, entzieht sich der Kenntnis des Webflaneurs. Beim nächsten Besuch läuft aber noch immer derselbe Song.

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