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Abgehoben

Webflaneur am Mittwoch den 12. September 2007

Screenshot Google Earth

Er ist komplett abgestürzt. Irgendwo zwischen Dampfwil und Seedorf hat es den Webflaneur verstrichen. Wie es so weit kommen konnte, daran kann er sich nicht mehr erinnern. Er weiss nur noch, dass er in Schräglage geraten ist. Er hat die Kurve einfach nicht mehr gekriegt. Die Welt begann sich um ihn zu drehen, langsam zuerst, dann schnell schneller, bald im Wirbel. Dann muss er zu Boden gegangen sein, oder besser: ungespitzt in den Boden hinein.

Dabei ist der Webflaneur eigentlich gut gestartet: Aus dem Stand heraus hat er kräftig Gas gegeben. Kurz darauf hat er zu einem wahren Höhenflug abgehoben: Farben flimmern. Filigrane Silhouetten, vertraut bis faszinierend fremd, entfalten sich und zerfallen unter ihm. Der Lüfter summt leise. Er nimmt noch einen Campari.

Und er steigt in höhere Sphären. Aus der Ferne Melodiefetzen. Lucy in the Sky with Diamonds? Er grüsst Orion, stolpert über Sternhaufen, äugt durch Gravitationslinsen. Er ficht mit dem Schwertfisch, brummt mit den Bären, flattert mit Tukan und Kranich, bis er sich im Andromeda-Nebel verliert, in den Schwaden, in der Stille, und in Richtung des Schwarzen Lochs driftet.

Doch da lichtet sich der Nebel. Der Webflaneur nimmt das Ruder wieder in die Hand, fliegt zu seinem Heimatland. Er lässt die Alpen unter sich vorbei ziehen, die Seen, seine Stadt. Dann aber ist das Malheur passiert: Er hat die Kurve nicht mehr gekriegt und ist abgestürzt, irgendwo zwischen Dampfwil und Seedorf.

Der Webflaneur rappelt sich auf. Die Hand zittert leicht, als er auf «Schliessen» klickt. Er fährt den Computer herunter. Und er freut sich bereits auf den nächsten Trip mit dem neuen Flugsimulator und der Sky-Funktion von Google Earth.

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