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Die verschollene Stimme

Webflaneur am Mittwoch den 13. Dezember 2006

Screenshot Imslp.org

Mit Pauken und Trompeten hat Mozart sein Abendgebet geschrieben. An der Hauptprobe der «Vesperae Solennes de Dominica» spielen aber nur die Trompeten. Dem Webflaneur, engagiert fürs Pauken, sind die Hände gebunden: Die Timpani-Stimme fehlt. So steckt er seine Schläger schliesslich ein und fährt heim, ohne gross auf die Pauke gehauen zu haben.

Anderntags durchstöbert der Dirigent sein Archiv nach dem fehlenden Auszug. Und auch der Webflaneur beginnt zu wirbeln. Mozart müsste im Netz doch zu finden sein, sinniert er, denn Mozart darf kopiert werden: 70 Jahre nach dem Tod eines Komponisten werden dessen Werke gemeinfrei; das Recht der Erben auf Abgaben erlischt. Der Webflaneur startet den Rechner und sucht seine Stimme. Beim International Music Score Library Project findet er viel von Mozart, aber nicht das Gesuchte. In der Free Choral Sheet Music Public Domain Library findet er die Vesper, aber bloss den Chorauszug. Mit Fac-simile durchsucht er mehrere Archive – ohne Erfolg. Auch beim Projekt Projekt Gutenberg, wo nebst Literatur Musik gesammelt wird, wird er nicht fündig. Er sucht bei Mutopia, steigt ins Kantorei- und ins Sheetmusicarchiv und stöbert auf den Classical-sheet-music-Seiten.

Seine Stimme für die «Vesperae Solennes de Dominica» hat er nirgends gefunden, auch nicht bei den paar Notenverkäufern im Netz. Der Dirigent hat sie schliesslich aus der Partitur zusammengeschnipselt. Nach dem Konzert kam dann die Meldung: Das Mozarteum Salzburg veröffentlicht Mozarts Gesamtwerk. Ein Reinfall war die Suche trotzdem nicht: Der Webflaneur hat bei zwei Werken zugeschlagen. Und diese wird er – liebe Verwandte, da müsst ihr durch – mit der Mutter und den Geschwistern unter der Tanne fideln.

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