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Das gute Stück

Webflaneur am Mittwoch den 23. August 2006

Screenshot iMusician.ch

Der Kellner bringt Kaffee. Noch während der Berner Zeitungsblogger das Schäumchen löffelt, kommt er zur Sache. «Wie werde ich mit meiner Musik berühmt?», fragt er. Auch er wolle seine 15 Minuten Ruhm. Und da er auch schon mal ein bisschen Musik gemacht habe, werde er sich diesen wohl erspielen können, sagt er und zwinkert Musikus zu. Dieser, ein bekannter Musikblogger, rührt langsam in seiner Tasse. Das sei kein leichtes Spiel, antwortet er. Komm schon, kontert der Zeitungsblogger, am PC produziere man günstig guten Sound – etwa mit Band in a Box, Garage Band oder Rosegarden, mit Cubase, Ableton Live oder Logic. Und dank dem Internet brauche man nicht mehr nach der Pfeife der Musikkonzerne zu tanzen, sondern vertreibe das Opus selbst. «Mach mal eine Pause», unterbricht Musikus des Zeitungsbloggers Hohelied. Mit «Garage Band» oder dessen grossen Brüdern komme man zwar erstaunlich weit. Für ein brauchbares Heimstudio werfe man aber immer noch 20’000 Franken auf. Und abmischen müsse eh ein Profi.

Angenommen, er hätte ein gutes Stück im Kasten, doppelt der Zeitungsblogger nach: Wie kriege er dieses in die Auslage von iTunes & Co.? Er könne bei Tunecore anbandeln, erklärt Musikus, bei CD Baby, Finetunes, Netlabel oder iMusician. Kriege er keinen Korb, speisten diese den Song bei Online-Musikgeschäften ein. Dass er aber mehr als einige Franken einspiele, sei unwahrscheinlich. «Deshalb verschenkst du dein gutes Stück besser», rät Musikus. Am besten tue er dies in einer eigenen Website mit «Underground»-Mief, denn darauf stünden die Leute heute. Deshalb liessen selbst Musikkonzerne für ihre Bands Seiten bauen, die selbst gebastelt aussehen, abenteuerliche Biographien aushecken und Müsterchen im Netz verstreuen. Und nein, auch Freunde sammeln bei My Space lohne sich kaum; wenn schon, dann eher ein Profil bei Pure Volume, das wenigstens gut aussehe. Am meisten Sinn mache aber ein eigener Blog. Und vielleicht kriege man irgendwann – via andere Musikblogger und ein Netzlabel – einen anständigen Vertrag bei einem Musikkonzern, der auch wirklich Geld ins Projekt investiere.

«Sorry, aber so tickt die Musikindustrie», sagt Musikus. Er leert die Tasse. Nun müsse er los, sagt er. Zwei Stunden Songs hören stehe auf dem Programm. «Ich habe einfach viel zu viel Musik.» Der Berner Zeitungsblogger bleibt sitzen. Er ordert nochmals eine Tasse Kaffee. Und schliesslich beschliesst er, beim Schreiben zu bleiben.

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