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Tausend Ferienpläne

Webflaneur am Mittwoch den 28. Juni 2006

Screenshot Travelblog.ch

Hätte alles geklappt, wäre er jetzt mit ihr in den Ferien. Doch dann habe sie gopfriedstutz in letzter Sekunde das Weite gesucht, sagt er und nimmt einen Schluck. Nun hänge er eine lange Ferienwoche lang alleine zuhause vor der Flimmerkiste herum. Dass die Schweiz auch noch aus der WM gefault und die Fussballpartys dem kollektiven Kater gewichen seien, dass das Wetter wieder mal auf Sturm mache und die Aare mit 17 Grad nur haarscharf am Gefrierpunkt vorbei schramme, das passe irgendwie.

Der Mann braucht frische Ideen, denkt der Berner Zeitungsblogger. Und er sagt: Neulich, als er mit Google Earth im Tiefflug über fremde Länder gedüst sei, als er mit Nasa Worldwind den Globus ausgekundschaftet und mit Virtual Earth auf Karten herum gereist sei, neulich als er im Travelblog gelesen habe, was andere anderswo treiben, und bei 43places, wo andere hinwollen, da sei er wieder einmal von Reisefieberschüben geschüttelt worden.

Hätte er plötzlich eine ganze Woche Zeit, packte er den Rucksack und reiste auf die billige Tour, sagt der Zeitungsblogger: Er reservierte sich rasch ein günstiges Click’n’Rail-Ticket. Er sattelte seinen Drahtesel. Er postete sich in allerletzter Minute einen Flug – das schlechte Gewissen beruhigte er mit einem Ablasshandel bei Myclimate. Oder er stoppte bei einer der vielen Mitfahrzentralen ein Auto. Unterwegs logierte er bei Gastgebern, die er im Hospitalityclub oder beim Couchsurfing getroffen hat. In der Fremde schaute er sich dann das an, was Reisende auf Virtualtourist, Wikitravel oder World66 empfehlen – und gäbe dort später den eigenen Senf dazu. Vielleicht wanderte, kletterte oder schwämme er auch mit dem GPS-Gerät dort hin, wo sich Längen- und Breitengrade kreuzen – und dokumentierte seine Expedition auf Confluence. Und ganz beiläufig kartographierte er für Openstreetmap seinen Weg.

Der Zeitungsblogger setzt kurz ab. Sein Gegenüber schaut ihn gelangweilt an. Nein, brummelt dieser nun, er bleibe daheim. Er nimmt einen Schluck. Und dann fragt er, was der Zeitungsblogger eigentlich gemacht habe, als er jüngst unerwartet Ferien nehmen musste. Nun gerät dieser ins Schwimmen. Ehrlich gesagt, gibt er zu: Ferien auf Balkonien…

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