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Kauft meine Fotos!

Webflaneur am Mittwoch den 8. März 2006

Screenshot Fotolia.de

«Machen wir ein Foto?», fragt sie. Und ohne abzuwarten, wirft sie sich in Pose, legt den einen Arm um seine Schultern. In der Hand des ausgestreckten zweiten hält sie eine Kamera. Der Berner Zeitungsblogger grinst etwas verlegen in die Linse. Sie drückt, der Blitz blitzt, sie guckt aufs Display. «Cool», sagt sie. Und: «Darauf stossen wir an». Nun erhascht auch der Zeitungsblogger einen Blick auf den Monitor. Er faselt etwas von «doofes Grinsen», stösst dann aber trotzdem mit ihr an. Gerade als sie weiter will, um sich mit dem nächsten Partygast abzulichten, fügt er bewundernd hinzu: «Gute Kamera – gehört sie dir?» Ja, die Kamera sei ganz neu, sagt sie – acht Megapixel und Objektiv zum Wechseln. Sie sei jetzt Fotografin. Sie mache Fotos und verkaufe sie übers Internet. «Aber verkauf bitte nicht unseren Helgen», fleht er. Nein, kontert sie. So etwas kaufe eh niemand. Gefragt seien Symbol- und Kunstfotos. «Und davon lebst du?», fragt er. «Nee», sagte sie, «aber längerfristig vielleicht». Online-Agenturen würden die Medien- und Werbebranche umkrempeln, orakelt sie. Und etwas leiser fügt sie an: Bislang habe sie erst drei Bilder verkauft. Immerhin hätten einige hundert Leute ihre Arbeiten angeschaut. Ob er fotografiere, fragt sie den Zeitungsblogger. Und sie rät ihm, seine Fotos auch zu verkaufen. Sie schicke ihm den Link.

Einige Tage später schickt sie gleich eine Linkliste. Es gebe viele Webseiten, über die man auch als Amateur Fotos verkaufen könne, schreibt sie – von 123rf, Areaimage und Bigstockphoto über Canstockphoto, Crestock, Dreamstime sowie Gimmestock, Istockphoto bis hin zu Microstockphoto, Scanstockphoto, Shutterstock und Stockxpert. Sie persönlich bevorzuge Fotolia. Dort setze sie den Preis ihrer Bilder selbst fest. Sie bestimme, wofür die Fotos gebraucht werden dürfen. Sie behalte alle Rechte – die Agentur kriege bloss eine Provision pro verkauftes Bild. Zudem sei die Agentur länderübergreifend. Und Suchanfragen würden automatisch in mehrere Sprachen übersetzt.

Auch der Berner Zeitungsblogger schreibt sich bei Fotolia ein. Er borgt sich eine Digitalkamera und macht sich auf die Jagd nach Sujets. Seine Bilder wird er dann auf die Website laden. Er wird sie fein säuberlich beschriften. Er wird festlegen, wie viel sein Foto kostet und was Käufer damit anstellen dürfen. Er wird bei abgebildeten Personen ihr schriftliches Einverständnis einholen. Und bereits heute rührt er kräftig die Werbetrommel. «Kauft meine Pix», schreibt er und reimt – unbeholfen, aber immerhin –: «Sie kosten fast nix.»

(via Sunfleps)

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