Logo

Im Freudentaumel

Webflaneur am Mittwoch den 11. Mai 2005

Die Büro-Gspänli rieben sich die Augen: Der Berner Zeitungsblogger tanzte. Er tanzte mit seinem iPod, freudentaumelte durch die Schreibstube – zu den Songs, die er sich für je eineinhalb Franken aus dem soeben gestarteten iTunes-Musikladen geholt hatte.

Der Zeitungsblogger tanzte – etwas ungelenk, wie die Büro-Gspänli spotteten. Sein iPod ist wohl zu lange stumm geblieben. Allzu umständlich schien es dem Zeitungsblogger, ins Musikgeschäft pilgern und eine CD kaufen zu müssen, um einzelne Songs auf den Rechner und dann auf den iPod laden zu können. Zwar hätte er vermehrt Musik in Tauschbörsen beschaffen können. Doch dabei war ihm nie wohl zumute gewesen, obschon ihm Kollegen versichert hatten, Piratenjäger könnten ihm keinen Strick drehen, solange er nur Musik kopiere, nicht aber anbiete. Zu geklauter Musik mochte der Zeitungsblogger ganz einfach nicht tanzen. Kaufen konnte er online aber auch keine – weder bei Coca Cola, noch bei Migros Nr. 1, Migros Nr. 2 oder bei Sonys brandneuem Shop Connect: Der iPod goutiert das Format der Konkurrenz nicht. Nur beim Nischenanbieter One2joy fand der Zeitungsblogger Musik, und beim umstrittenen, aber technisch überzeugenden Portal All of MP3, wo er die Qualität ordern kann, die er will: Komprimierte Songs kosten weniger als solche in bester Tonqualität. Musik extra für den iPod gab es bislang nicht. Die Schweizer mussten zuschauen, wie Andere mit dem iPod tanzten. Als sie allzu eifersüchtig wurden, forderten sie Apple in einer Online-Petition zum Vorwärtsmachen auf. Auch der Zeitungsblogger ärgerte sich – und tanzte nicht.

Heute aber freute er sich, tanzte quer durch die Schreibstube, bis dies der Kollegin vis-à-vis zu bunt wurde und sie mit Vehemenz den Stopp-Knopf seines iPod drückte. «Bevor du auch noch zu singen anfängst…», raunte sie und befahl dann streng: «Schreib, Zeitungsblogger, schreib.»

Et voilà.

« Zur Übersicht

Kommentarfunktion geschlossen.