Essen Sie nur, was Ihnen schmeckt!

Der Bauch soll entscheiden, wann und was Sie essen. Diese fünf Tipps für intuitives Essen sollten Sie dabei beachten.

Sie weiss, was ihr guttut: Eine Frau beisst in einen vegetarischen Hamburger. Foto: iStock

Die intuitive Ernährung ist zur Zeit im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Ernährungswissenschaftler wie Uwe Knop sind überzeugt, dass jeder Mensch am besten selber wisse, welche Nahrungsmittel er vertrage und ihm guttun. Dem gegenüber steht die oft von selbsternannten Experten gepriesene «richtige Ernährung» mit ihren immer neuen angeblichen Ernährungsrevolutionen. Diese sollen einerseits zu einem besseren Wohlbefinden verhelfen und andererseits natürlich überflüssige Kilos zum Verschwinden bringen. Und dies nicht nur für die nächsten sechs Monate, sondern lebenslang.

Natürlich gibt es die Glücklichen, die das beispielsweise durch das Intervallfasten erreichen, aber die meisten von uns fallen nach einer gewissen Zeit in alte Gewohnheiten zurück. Und sei es nur, weil sie es bewusst oder unbewusst nicht mögen, wenn ihnen vorgeschrieben wird, wann sie essen sollen.

Das Konzept des intuitiven Essens

Hier setzt das Konzept des intuitiven Essens ein. Die Grundidee: «Mein Bauch entscheidet, wann und was ich essen will.» Klingt einleuchtend, oder? Die Sache hat nur einen Haken: Es ist gar nicht so einfach, die Signale des Körpers richtig zu deuten. Es fängt schon damit an, dass es manchmal schwierig ist, «Gluscht», Durst oder emotionale Bedürfnisse von wirklichen Hungersignalen zu unterscheiden. Wir sind täglich von einer Fülle von Lebensmitteln umgeben, Essen ist überall und jederzeit erhältlich. Da ist es schwierig, sich beim Einkauf nicht durch die Sinne leiten zu lassen.

Es ist keine neue Erkenntnis, dass das Essen und Trinken für viele Menschen ein Weg ist, um emotionale Bedürfnisse zu befriedigen. Sei es, um sich zu trösten, die Langeweile zu vertreiben oder um sich von der Umwelt abzugrenzen. Dann gibt es natürlich auch noch die Gewohnheitsesser, deren Essensrhythmus durch die Zeit vorgegeben ist. Ein weiterer Grund, warum das intuitive Essen tricky ist, ist die Tatsache, dass viele Menschen durch zahlreiche Diäten «geschädigt» sind und das Essen gar nicht mehr geniessen können. Darum sind – wie zahlreiche Studien (und eigene Erfahrungen) beweisen – Diäten auf lange Sicht in den meisten Fällen erfolglos.

Keine Gebote und Verbote

Im Gegenteil, meistens gewöhnt sich der Körper im Verlauf einer Diät daran, weniger Nahrung zu bekommen, und drosselt daraufhin den Stoffwechsel. Wer diesen nicht durch intensives Training wieder zur Turboleistung antreibt, wird immer dicker. Davon ist auch die Ernährungsmedizinerin Mareike Awe überzeugt. Die 28-jährige Ärztin hat während ihres Medizinstudiums eine Methode entwickelt, die es möglich machen soll, das natürliche Essverhalten wieder zu entdecken. Beim intuitiven Essen gebe es weder Gebote noch Verbote, sagt sie. Denn wer sich gewisse Lebensmitttel verbiete, bekomme erst recht Lust auf sie.

Sie setzt mit ihrem Anti-Diät-Programm auf die Macht des Unterbewusstseins: Die Ernährungswissenschaftlerin Mareike Awe. Foto: Droemer Knaur Verlag

Mareike Awes Programm heisst «intueat» – intuitiv Essen also. In den letzten vier Jahren wurde es bereits von 20’000 Menschen absolviert. Und das in den meisten Fällen erfolgreich. Das zeigen nicht nur Aussagen in der Facebook-Community von «intueat», sondern auch Erlebnisberichte, die auf der Homepage zum Programm zu finden sind. 

Mit dem von Mareike Awe entwickelten Online-Programm sollte man lernen, eigene Körpersignale wie Hunger und Sättigung wieder wahrzunehmen. Und zu erkennen, was einen bisher daran gehindert hat. Weil diese Prozesse eben nicht über die Vernunft, sondern über unser Unterbewusstsein gesteuert werden, sind die täglichen Audioübungen das wichtigste Element des «intueat»-Programms. Sie sollten täglich während mindestens 20 Minuten in entspanntem Zustand angehört werden. «Auf diese Weise soll es möglich sein, neue positive Glaubenssätze im Unterbewusstsein zu verankern», sagt Mareike Awe.

Darum gehts beim intuitiven Essen – 5 Tipps

  • Körperlichen Hunger erkennen, und nur dann essen, wenn man diesen wahrnimmt.
  • Essen, was einem schmeckt, was man verträgt und einem guttut.
  • Achtsam essen. Keine Ablenkung durch TV, Laptop oder Handy.
  • Langsam essen, gut kauen und das Essen geniessen.
  • Aufhören, wenn man sich gesättigt fühlt. Auch wenn man gelernt hat, dass der Teller leer sein sollte.

Besiege ich meine Praliné-Lust?

Spannend an Mareike Awes Programm und Werdegang finde ich, dass sie selbst an ihren eigenen Diätexperimenten fast verweifelt ist. Im Gespräch sagt sie: «Über viele Jahre quälten mich starke Selbstzweifel und meine Gedanken kreisten um nichts anderes als um mein Essverhalten und um meine Figur. Erst als ich lernte, meine verkrampfte Einstellung zum Essen aufzugeben, quasi Frieden mit meinem Körper zu schliessen, konnte die Heilung beginnen.» 
 
Auch ich pflegte in gewissen Phasen meines Lebens eine emotionale Freundschaft oder Feindschaft mit gewissen Nahrungsmitteln. Über meine diesbezüglichen Erlebnisse habe ich auch das Buch «Bye-bye, Traumfigur» geschrieben. Heute gehe ich meine Ernährung entspannter an. Wäre da nur nicht meine übermässige Lust auf Süsses. Es geht also nicht in erster Linie um eine Gewichtsreduktion, obwohl ich nichts dagegen hätte, sondern um meine innere Haltung zum Essen, die ich verändern möchte.
Und genau deshalb habe ich mich dazu entschlossen, das intuitive Essen selbst zu testen. Mein oberstes Ziel war und ist es, meine Schwäche für Pralinés in den Griff zu kriegen. Obs geklappt hat? Meinen Erfahrungsbericht lesen Sie in zwei Wochen an dieser Stelle.

14 Kommentare zu «Essen Sie nur, was Ihnen schmeckt!»

  • Josef Marti sagt:

    Dabei ist es so einfach: FDH friss die Hälfte. Oberstes Gebot ist dabei die Selbstzucht. Nur durch Enthaltsamkeit und Verzicht und ein asketisches Leben erlangt man Gottes Segen.

  • Niklaus Iten sagt:

    … Zu „essen, was einem schmeckt, was man verträgt und einem guttut“ und „aufhören, wenn man sich gesättigt fühlt.“ funktioniert also nur, wenn man möglichst wenig Saccharose in Form von sog. freiem Zucker konsumiert und wenn man Lebensmittel konsumiert, die effektiv und nicht nur mutmasslich sättigen. Und das kann durchaus viel Fett und viel Protein sein. Man kann zu viele Kohlenhydrate oder zu viel fett-/kohlenhydrathaltige Lebensmittel konsumieren, aber kaum zu viel Fett allein. Das ist selbstlimitierend.

  • Niklaus Iten sagt:

    … 3. Der Zuckerkonsum (in Form von Saccharose, also einem Fructose-haltigen Zucker) hat im Verlaufe des 20. Jahrhunderts x-fach zugenommen. Fructose wirkt aber um ein Vielfaches stärker auf das Belohnungszentrum als andere Makronährstoffe. Also „Essen, was einem schmeckt, was man verträgt und einem guttut“? Tja, Pech gehabt. Funktioniert bei Zucker nicht (es sei denn in Form von Früchten).

  • Niklaus Iten sagt:

    … 1. Wegen der absurden Angst vor gesättigten tierischen Fetten lauten die Ernährungsempfehlungen seit Anfang der 80er Jahre, deutlich weniger Fett zu konsumieren. Kohlenhydrate (abgesehen von Saccharose) seien hingegen unproblematisch. Aufgrund dessen ist der Konsum an raffinierten Kohlenhydraten massiv gestiegen. Kohlenhydrate sättigen aber weniger stark als Fette und führen zu einem höheren Anstieg des Insulinspiegels. Ergo ist die Gefahr grösser, dass man sich mit Kohlenhydraten überisst. „Essen, was einem schmeckt und aufhören, wenn man satt ist“, ist hier also sehr gefährlich. Kommt dazu, dass Insulin das Sättigungshormon Leptin blockiert, das dem Gehirn üblicherweise volle Fettzellen signalisiert.

  • Niklaus Iten sagt:

    Der Rat, zu „essen, was einem schmeckt, was man verträgt und einem guttut“ und „aufhören, wenn man sich gesättigt fühlt.“ kann so nicht funktionieren, und zwar aus einem ganz einfachen Grund:
    Wir kommen mit einem perfekt austarierten Hunger- und Sättigungssystem auf die Welt. Wir essen, wenn wir hungrig sind, hören auf zu essen, wenn wir satt sind und beginnen erst wieder zu essen, wenn wir wieder hungrig sind. Mehrere Faktoren haben in den letzten rund 40 Jahren dazu geführt, dass wir dieses System aus den Fugen gebracht haben, sodass wir heute, wie Robert Lustig es ausdrückt, „einen sehr grossen Preis dafür bezahlen, dass die Ernährungsweise, die wir erschaffen haben, nicht zu unserer Biochemie passt.“ …

  • Hansli sagt:

    Bei mir funktioniert das nicht. Dann nehme ich einfach zu. Ich kann nur mit Kalorienzählen mein Gewicht konstant halten.

  • Ralf Schrader sagt:

    Seit es Excel gibt – 1995 – führe ich eine Tabelle mit Vitalwerten. Blutdruck, Herzfrequenz, Körpergewicht, Bauchumfang und ein paar andere. Ich habe nie auf Ernährung geachtet, aber auch nie grobe Fehler gemacht, wie Industrienahrung verzehrt oder Moden gefolgt. Ich esse so, wie meine Grossmutter mir gekocht hat. Praktisch immer das gleiche, wie Bauern in meiner Kindheit gegessen und gekocht haben.

    Bei völlig gleicher Ernährung schwankt mein Körpergewicht in einem 7- Jahresrhythmus zwischen 72 und 98 kg. D.h. der Grundumsatz hat eine erhebliche Variabilität. Das Gewicht sinkt um 1kg/ Woche, wenn ich hypomanisch, z.B. bester Mitarbeiter, werde, es steigt, wenn ich wieder rücktauche und Durchschnitt erreiche. Die Nahrung hat gar keinen Einfluss.

  • Margreth Brühl sagt:

    Ich habe selbst als Ernährungsberaterin nach vielen gescheiterten Abnehm-Versuchen mein Gewicht mit dem intuitiven Ansatz regulieren können. Ich finde ihn sehr hilfreich. Allerdings erlebe ich in meiner Praxis oft Menschen, die ihr Bauchgefühl verloren haben und mit ihrem Körper auf Kriegsfuss stehen. Eine wohlwollende Beziehung zum Körper aufzubauen ist eine wichtige Grundlage zum Gelingen, so kann ich dem Motto von Silvia Aeschbach «Willkommen im eigenen Körper» nur zustimmen.

    • Carolina sagt:

      So ist es. Das Thema beschäftigt mich seit vielen Jahren, bis ich irgendwann realisierte – und das als Therapeutin, Schande über mein Haupt! -, dass ich eigentlich meinen Körper immer als Baustelle wahrnahm: nicht als ein unglaublich kompetentes Gebilde, mit dem ich meine Kinder gebären konnte, der mir bei einer schweren Krankheit Ressourcen anbot, die ich bis dahin nicht kannte und nicht zuletzt mit mentalen Fähigkeiten ausgerüstet, mit deren Hilfe man schier Unglaubliches erreichen kann.
      Erst als ich anfing, diesen Körper als etwas durch und durch Positives, als Wunderwerk wahrzunehmen, wurde mir langsam klar, dass ich ständig in einer Defizithaltung verharrt war. Seitdem geht es mir besser und ich habe mein Untergewicht viel besser im Griff.

  • Margreth Brühl sagt:

    Ich habe selbst als Ernährungsberaterin nach vielen gescheiterten Abnehm-Versuchen mein Gewicht mit dem intuitiven Ansatz regulieren können. Ich finde ihn sehr hilfreich. Allerdings erlebe ich in meiner Praxis oft Menschen, die ihr Bauchgefühl verloren haben und mit ihrem Körper auf Kriegsfuss stehen. Eine wohlwollende Beziehung zum Körper aufzubauen ist eine wichtige Grundlage zum Gelingen, so kann ich dem Motto von Silvia Aeschbach «Willkommen im eigenen Körper» nur zustimmen.

  • Sonia sagt:

    NB : 3 Jahre lang machte ich mir jeden Morgen ein Smoothie mit Zitrone, Aepfel, Karotten. Von einem Tag zum anderen hörte ich auf und seither kann ich einfach nicht mehr, ich weiss nicht warum, das hat mir doch gutgetan also warum mag ich einfach keine Smoothies mehr ?

  • Sonia sagt:

    Ich weiss nicht …. bei mir sagt der Bauch nur „Pizza“ … ! Keine Früchte, ein wenig Gemüse, kein Salat. Ist nicht gut ich weiss aber das sagt mir meinen Bauch !

    • Hansli sagt:

      Bei mir ist es dasselbe. Mein Bauch würde den Morgen mit einem Pain au chocolat beginnen.

      • Tamra sagt:

        Was denn für Pizza? die gibt es ja in tausend Variationen… ich mag am liebsten die von meinem Freund. Der Teig ruht um die 24h, wird dünn geknetet, Sauce mit Pelati von la Vialla, etwas Zwiebel dazu, köcheln und abkühlen, Mozzarella Fior di Latte und je nach Jahreszeit Feige und Mascarpone, Rucola, Parmaschinken und Olivenöl darüber… (Gemüse/Früchte ist kein Gegensatz zu Pizza!!) manchmal habe ich auch keine Lust auf Kochen, dann folgt die Lust, etwas zu bestellen und daraus ergibt sich die Lust auf Pizza… die bestellte Pizza hat aber nicht viel mit der selbstgemachten gemein. zudem: die Frequenz ist wichtig: selbstgemachte Pizza gibt es etwas 30x im Jahr, die bestellte 10x im Jahr. ich halte mich daran: selber kochen hält schlank – gerne auch mit Butter und Öl

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