Schluss mit Hexenschuss!

So beugen Sie Rückenschmerzen vor oder reagieren richtig, wenn Sie mit Lumbago oder Ischias kämpfen.

Das Kreuz mit dem Kreuz tragen viele Menschen: Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. Foto: Arno Burgi (Keystone)

Wenn es bei uns zu Hause hiess, die Hexe sei zu Besuch, bedeutete das nicht, dass sich die Nachbarin wieder mal über uns lärmende Kinder beschwert hatte. Nein, es hiess, dass meine Mutter mit starken Rückenschmerzen im Bett lag und meine Schwester und ich darum gewisse Haushaltspflichten übernehmen mussten. Wir hatten Mitleid mit ihr, und darum muckten wir auch nicht auf – auch wenn wir nach der Schule den Tisch decken, abwaschen und die Wäsche zusammenlegen mussten.

Apropos Wäsche: Es brauchte gefühlte Jahre, bis meine Mutter den Grund für ihre Rückenschmerzen herausfand. Genauer gesagt war es mein Vater, der eines Abends, als sie wieder einmal flach lag, konstatierte: «Ist es dir noch nie aufgefallen, dass die Hexe meistens am Montagabend zuschlägt?» Dann hatte meine Mutter jeweils ihren Waschtag hinter sich. Was bedeutete, dass sie nicht nur die nasse Wäsche an der Leine auf- und abhängte, sondern auch nach dem Bügeln den prall gefüllten Wäschekorb vom Keller in den zweiten Stock trug.

Der Fehler mit dem Wäschekorb

Der Hausarzt diagnostizierte wenig später die Schmerzen im unteren Lendenwirbelbereich als Lumbago. Obwohl meine Mutter eine sehr aktive Frau war, war er überzeugt, dass ihre Rückenmuskulatur nicht stark genug für die hohe Belastung am Waschtag sei. Vor allem auch, als sie ihm vorspielen musste, wie sie den (imaginären) vollen Wäschekorb jeweils aufhob: mit gebücktem Rücken und mit einer ziemlich ruckartigen Bewegung.

Und da meine Mutter die Schmerzen satthatte, begann sie im damals einzigen Fitnessstudio der Stadt mit einem Rückentraining. Und sie erlaubte auch meinem Vater, den Wäschekorb vom Keller in die Wohnung zu tragen. Danach gab es viel weniger Hexenbesuche.

Wärme und Bewegung helfen

Das ist viele Jahre her. Aber der Hexenschuss plagt immer noch viele Menschen. Geändert haben sich inzwischen jedoch gewisse Verhaltensweisen, zu denen man früher geraten hatte. Der wohl wichtigste Punkt: Während früher in einer akuten Schmerzphase Schonung angesagt war, wird von Fachleuten heute zu leichter Bewegung geraten. Damit sind nicht Jogging oder anstrengendes Krafttraining gemeint, sondern Spaziergehen, leichte Rückengymnastik oder der Aufenthalt in warmem Wasser.

Der «böse Bruder» des Hexenschusses ist der Ischias, auch Ischialgie genannt. Foto: Arno Burgi (Keystone)

Alles, was die Durchblutung anregt und die Wirbelsäule nicht zu stark belastet, tut gut. Wärmeanwendungen in Form von feuchten Wärmeauflagen oder Kompressen können die verhärtete Muskulatur lockern. Sind die Schmerzen allerdings sehr stark, reicht dies kaum, da die Wärme nicht tief genug in die Muskulatur eindringen kann. Hier kann die Behandlung mit Infrarot Linderung bringen.

Vorsicht mit dem Ischiasnerv

«Bei Hexenschuss dürfen Wärmeauflagen wärmer bis heiss sein, damit sich die betroffenen Muskeln entspannen», schreibt auch die Heilpraktikerin für chinesische Medizin, Orlanda Senn, in ihrem Buch «Ingwer, Zimt und Chabisblatt». Sie rät dazu, Dampfkompressen auf die Lenden aufzulegen, und zu wärmenden Einreibungen und Dehnübungen. «Beim akuten Schmerz legen Sie sich auf den Rücken, beugen die Beine im 90-Grad-Winkel und legen sie auf einen Stuhl.» Bei Lumbago-Anfälligkeit sei es zudem wichtig, den Kreuzbereich immer möglichst warm zu halten.

Der «böse Bruder» des Hexenschusses heisst Ischias, in der Fachsprache Ischialgie genannt. Hier handelt es um einen meist einseitigen Nervenschmerz, der vom Hinterteil über das ganze Bein bis runter in die Ferse ausstrahlen kann. «Im Gegensatz zum Hexenschuss helfen hier Ruhe und höchstens leichte Bewegungsübungen, damit der Nerv nicht weiter irritiert wird», schreibt Heilpraktikerin Senn. Sie rät zu einer sanften Streichelmassage, zum Beispiel mit Johannis-, Lavendel- oder Rosmarinöl. Ausserdem können warme Heublumenauflagen den Schmerz lindern.

Bewegung stärkt den Rumpf

Doch wie lassen sich Ischias und Hexenschuss vermeiden? Die Stärkung der Bauch- und (unteren) Rückenmuskulatur ist dabei das A und O. Dafür eignen sich Yoga, Pilates, Faszien- und Beckenbodentraining sowie alle Übungen, die den Rumpf stärken. Dafür muss man auch nicht ins Gym. Auf Youtube gibt es jede Menge gute Tutorials, die zeigen, welche Haltungsfehler man vermeiden sollte und wie man seine Rückenmuskulatur stärken kann.

Stehen entlastet: Eine Physiotherapeutin erklärt die Funktion der Wirbelsäule. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Mindestens so wichtig ist, möglichst viel Bewegung in den Alltag einzubauen und sich der Körperhaltung bewusst zu sein. Sprich: nicht stundenlang am Bürotisch zu sitzen, sondern immer wieder mal aufzustehen und auch mal stehend zu schreiben oder zu telefonieren.

Wichtig: Falls die Rückenschmerzen länger als zwei oder drei Tage dauern und sich vielleicht auch Lähmungserscheinungen in einem Bein einstellen, muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Denn dann könnte es sich um einen Bandscheibenvorfall handeln.