Warum wir jetzt unsere Ferien planen sollten

Machen Ferien glücklich? Und wie lange hält der Effekt an? Die Wissenschaft kommt zu erstaunlichen Antworten.

So schön es ist, spontan zu verreisen: Unterschätzen Sie den Effekt der Vorfreude nicht! Foto: Porapak Apichodilok (Pexels)

Wenn ich meine Ferienplanung und jene meiner Freunde und Kollegen für das aktuelle Jahr anschaue, scheint es immer seltener der Fall zu sein, dass Reisen langfristig geplant und gebucht werden. Ein Grund dafür ist sicher, dass bei den meisten die Kinder aus dem Haus sind und nicht mehr auf Schulferien Rücksicht genommen werden muss. Und viele von uns sind im Alltag so eingespannt, dass wir uns öfter mal einen spontanen Kurztrip zur Erholung gönnen.

Trotz der vielen verlockenden Last-Minute-Angebote auf den verschiedensten Reiseportalen ist dies bei mir immer seltener ein Städtetrip. Nicht nur, weil die Fliegerei mit dem ganzen Drum und Dran immer mühsamer geworden ist, es sind auch Umweltschutzgründe, die zunehmend eine Rolle spielen. Dazu passt auch, dass mein Bedürfnis nach Natur, Ruhe und Entspannung in den letzten Jahren immer stärker geworden ist. Eindrücke und Herausforderungen habe ich zu Hause mehr als genug, da ist es doch toll, eine gewisse Zeit nach den eigenen Bedürfnissen leben zu können, und keine «Musts» abhaken zu müssen.

Wenn das Warten Freude macht

So oder so: So schön es ist, spontan verreisen zu können, manchmal vermisse ich das Gefühl, das sich früher einstellte, wenn eine längere Ferienreise in Aussicht war. Und länger hiess früher bereits 14 Tage! Diese ganz spezielle Vorfreude, gewürzt mit etwas Aufregung und einer Prise Unsicherheit, wie das Ganze wohl verlaufen würde, konnte mich und meine Fantasie über Wochen auf Trab halten.

Ferien können auch Stress bedeuten, zum Beispiel, wenn man sich vor jeder Sehenswürdigkeit optimal in Szene setzen will. Foto: iStock

Nachdem das Reiseziel bestimmt war, ging es um die Planung einer Route, um die Frage, wo man übernachten, ein Auto mieten oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein würde. Und natürlich wurden Reiseführer studiert und auch Literatur zur Vorbereitung auf die Reise gelesen. Bevor man viele dieser Dinge mit einem Klick erledigen konnte, gab es hier einiges zu tun. Und dazu brauchte es natürlich Listen, um nichts zu vergessen.

Welche Bikinis mussten unbedingt mit? Welche Bücher? Welche CDs? Fragen über Fragen. Die Sherpa-Tensing-Sonnencreme vom letzten Jahr roch etwas streng. Egal, ein Sonnenbrand war doch die perfekte Basis für eine gesunde Bräune. Eurochecks, Kreditkarte oder Bargeld?

Fragen über Fragen, die beantwortet werden mussten. Und wenn dann die Abreise endlich immer näher rückte, stellte sich stets dieses beglückende Gefühl ein, wie jenes, das ich als Kind vor der jährlichen Schulreise hatte. Nur dass es im Rucksack, oder besser gesagt in der Reisetasche, weder nach leicht verfaulten Bananen noch nach Tuttifrutti roch.

Vor den Ferien ist besser als nach den Ferien

Doch was macht jetzt glücklicher? Die Vorfreude auf die Ferien oder die Ferien an sich? Das wollte ein holländisches Forschungsteam von der NHTV Breda University vor ein paar Jahren herausfinden. Dafür befragten sie 1530 niederländische Erwachsene, von denen 974 während der 32-wöchigen Dauer der Studie Ferien machten.

Das Resultat, das im Wissenschaftsmagazin «Applied Research in Quality of Life» veröffentlicht wurde, ist eher ernüchternd: Tatsächlich sind Menschen vor dem Ferienbeginn glücklicher als jene, die nicht in die Ferien fahren können. Doch sobald sie von der Reise zurück an der Arbeit sind, lässt sich kaum noch ein Unterschied zwischen den beiden Gruppen feststellen. Interessant: Die Länge der Ferien hatte dabei keinen Einfluss. Ein geplanter Kurztrip kann also genauso glücklich machen wie eine längere Auszeit. Sofern er nicht zu stressig ist.

Nur wenn die Ferien als besonders entspannend wahrgenommen wurden, war «in den ersten zwei Wochen der Rückkehr in den Alltag ein etwas stärker ausgeprägtes Glücksgefühl vorhanden», heisst es in der Studie. Nach acht Wochen hätten sich jedoch keine positiven Auswirkungen mehr feststellen lassen, was eigentlich nicht überraschend sei, da die meisten sofort nach der Heimkehr wieder zurück an die Arbeit mussten. Für manche war die Reise stressig. In den Kommentaren wurden als Gründe dafür Meinungsverschiedenheiten mit einem Reisepartner oder eine Krankheit genannt.

Jeden Moment geniessen

Bemerkenswert ist die Erkenntnis, dass die Menschen, die gerade ihre Ferien planen oder vorbereiten, am glücklichsten sind. Bei den Last-Minute-Reisen verpasst man also einen Grossteil der Vorfreudephase. Und genau um diesen Vorfreudeeffekt noch zu steigern, empfiehlt Forschungsleiter Jeroen Nawijn, Dozent an der Universität im holländischen Breda, sich bereits im Vorfeld der Reise auszutauschen. Sei es mit der Familie, Freunden oder Reisebegleitern oder auch in Online-Communitys.

So könne man gegenseitig auch Tipps und Erfahrungen austauschen. Bei aller Vorfreude sollte man aber die Erwartungen an die Ferien nicht zu sehr hochschrauben, sondern die freien Tage einfach gelassen auf sich zukommen lassen. Und das Wichtigste, wenn Sie dann da sind: jeden Moment geniessen!

8 Kommentare zu «Warum wir jetzt unsere Ferien planen sollten»

  • Chris Kaufmann sagt:

    Wenn ich die Kommentare lese, stellen sich bei mir schon ein wenig die Nackenhaare auf. Vielleicht liegt es ja auch an der Art von Ferien, weshalb kein wirklicher Folgeeffekt von Ferien feststellbar ist. Wenn ich Ferien in Stockholm machen würde, wäre ich nachher auch nicht glücklicher als zuvor.

  • Jan sagt:

    Ich bin schon fleissig dabei, solange man noch darf. Ostern fliege ich nach Stockholm, Pfingsten nach Wien. Im August habe ich vier Wochen Ferien und erkunde mit dem Auto den Norden von Deutschland. Vorfreude ist die schönste Freude.

  • Christoph Bögli sagt:

    Für einmal ein guter Artikel. Das Prinzip lässt sich zudem auch auf anderes anwenden, die Vorfreude auf etwas ja oft besser als der eigentliche Moment. Oder zumindest nachhaltiger, schliesslich kann man sich wochen- und monatelang auf etwas freuen während das eigentliche Ereignis meist nach ein paar Stunden bis Tagen vorbei ist.

  • René Wenger sagt:

    Geplante Ferien waren mir immer ein Graus. Nie habe ich geplante Ferien gemacht. Einzig den Termin musste ich festlegen. Das Auto wurde mit dem Koffer beladen und dann gings in eine bestimmte Richtung. Jeweils im späten Nachmittag wurde ein Hotel gesucht und immer gefunden. So habe ich interessante Länder und Völker kennen gelernt. Orte, die in keinem Prospekt zu finden sind. Und zum Teil Bekanntschaften gemacht, die Basis zu Freundschaften wurden.

    • Christoph Bögli sagt:

      Das ging in der Vergangenheit ja noch ganz gut, aber heute steht ja eigentlich fast jeder Ort in einem Prospekt bzw. dem Internet. Da wird die Welt dann langsam doch etwas klein. Und gerade in der Ferienzeit ist es vielerorts so voll, dass man spontan kaum noch eine (bezahlbare und anständige) Unterkunft findet..

      • René Wenger sagt:

        Mag sein. Aber meine Ferien waren nie ein Ferienort, sondern reisen. Beispiel: Tessin, Brindisi, Fähre nach Nordgriechenland, Edirne, Fähre über sie Dardanellen, Südanatolien bis Mersin, Fähre nach Nordzypern, retour über Venedig und österreichische Pässe in die Ostsweiz.

  • fernwehjunkie sagt:

    Bitte, sofort geniessen 🙂

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.