Sirtfood, die neue Wunderdiät?

Ernährungsberaterin Laura Koch verrät, was hinter der von Adele erfolgreich durchgeführten Diät steckt.

Erfolgversprechend: Sängerin Adele soll dank Sirtfood 30 Kilogramm abgenommen haben. (Foto: Getty Images)

In den letzten Tagen war sie wortwörtlich in aller Munde: Die Sirtfood-Diät, mit der die Sängerin Adele (31) in den letzten zwei Jahren über 30 Kilogramm ihres Körpergewichts verloren hat. Ferienfotos aus der Karibik zeigten die ehemals kräftige Grammy-Gewinnerin schlank und rank.

Dass sich Adele pudelwohl in ihrer Haut fühlt, bestätigt auch ihre Personal-Trainerin Camila Goodis. Diese führt den grossen Gewichtsverlust ihrer Klientin in erster Linie auf die langfristige Ernährungsumstellung zurück und weniger auf deren sportliche Ertüchtigung, welche die Sängerin nicht so zu mögen scheint. Was Sirtfood-Ernährung konkret bedeutet und welche positiven Folgen sie auf unseren Körper haben kann, erklärt die Ernährungsberaterin und Autorin Laura Koch im Interview.

Frau Koch, was ist das Geheimnis der Sirtfood-Diät?
Es geht nicht darum, Sirtuine zu essen, sondern anhand von bestimmten Lebensmitteln (siehe Liste unten) diese Enzyme im Körper zu aktivieren. Sirtuin aktivierende sekundäre Pflanzenstoffe bringen den Körper schneller in eine Art Fastenzustand und heizen so die Fettverbrennung an. Ausserdem kurbelt ein niedriger Insulinspiegel die Sirtuin-Aktivität an: Mit einer Low-Carb-Ernährung und den Sirtuin aktivierenden Substanzen wird der positive Effekt verstärkt. Durch den höheren Konsum der sekundären Pflanzenstoffe wird in unserem Körper eine Reihe positiver biochemischer Reaktionen ausgelöst.

Was ist die Grundlage der Sirtfood-Ernährung?
Es handelt sich um eine auf Pflanzen basierende Ernährung, da die wertvollen sekundären Pflanzenstoffe ausschliesslich in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen. Da man bei bei Sirt-Ernährung weniger Kohlenhydrate zu sich nimmt, wird der Stoffwechsel entlastet. So wird eine effizientere Fettverbrennung möglich.

Laura Koch, Ernährungsberaterin BSc BFH

Spannend ist auch, dass uns die Pflanzenwelt zeigt, wie Sirtuine wirken.
Ja, das stimmt. Pflanzen produzieren diese Stoffe als eine Art chemischen Abwehrmechanismus zum Beispiel gegen Schädlinge oder bei starken Witterungseinflüssen. Was die Pflanze schützt, schützt in diesem Fall auch uns. Interessant ist, dass neuste Studien bestätigen, dass insbesondere in Bio-Gemüse und -Früchten mehr von diesen sekundären Pflanzenstoffen zu finden sind als in konventionellen Lebensmitteln. Sirtuine sollen auch dafür verantwortlich sein, dass Alterungsprozesse im Körper langsamer ablaufen und die Stressresistenz verbessert wird. Man spricht daher auch von einer «Anti-Aging-Diät», welche auch bei Krebserkrankungen eine prophylaktische Wirkung haben könnte.                                                                      

Bei all den positiven Effekten sollte man aber nicht vergessen, dass doch Kalorien gezählt werden müssen.
Ja, die Sirtfood-Diät beginnt mit einer Kalorienreduktion auf 1000 kcal pro Tag. Das macht etwa die Hälfte des durchschnittlichen Tages-Energiebedarfs aus. Längerfristig sollen täglich nicht mehr als 1500 kcal konsumiert werden, was bei einer leichten körperlichen Tätigkeit durchaus sinnvoll ist. Aus Studien ist bekannt, dass diese leichte Kalorien-Unterversorgung diverse positive Effekte bis hin zu unseren Genen hat.

Wie unterscheidet sich die Sirtfood-Ernährung von anderen Low-Carb-Diäten, die momentan so gehypt werden?
Mit der Sirt-Ernährung ist es möglich, alle Nährstoffe abzudecken. Man läuft also nicht Gefahr, in einen Mangel zu geraten. Auch Vegetarier und Allergiker können die Diät einhalten. Die kurzfristige Kalorienreduktion dürfte keinen Jojo-Effekt nach sich ziehen, sondern den Körper schneller in den Metabolischen Fastenzustand bringen. Das sind die besten Voraussetzungen für eine längerfristige Gewichtsregulation. Wichtig ist, dass man trotz der Kalorienreduktion genügend pflanzliche Öle, Nüsse und Olivenöl zu sich nimmt.

Kann man mit dieser Diät auch mit wenig Sport längerfristig das Wunschgewicht halten – so wie Adele?
Längerfristig ist eine Kombination aus Ernährung und Bewegung sicher am erfolgversprechendsten. Adele soll ja auch täglich 60 Minuten Zirkeltraining und Pilates gemacht haben. Der anfängliche Gewichtsverlust kann und muss längerfristig mit Bewegung aufrechterhalten werden, was aber mit weniger Gewicht auf den Rippen sicher leichter fällt und mehr Spass macht. Heute wissen wir auch, dass dies nicht nur durch die richtige Nahrungsmittelauswahl und Kalorienreduktion geschieht, sondern auch durch den richtigen Mahlzeitenrhythmus, wie es zum Beispiel beim Intervallfasten der Fall ist.

Welche Fallstricke könnten den Diäterfolg längerfristig zunichtemachen?
Wenn man in alte Verhaltensmuster zurückfällt wie etwa unkontrolliertes Snacken, kommen die Kilos zurück. Eine Gewichtsreduktion von ein bis zwei Kilo pro Monat ist realistisch und erhöht die Chancen, dass man sein Gewicht auch längerfristig halten kann. Ausserdem ist heute erwiesen, dass eine längerfristige Ernährungsumstellung insbesondere mit mehr Pflanzenfasern die Darmflora insofern verändert, dass es zu weniger Heisshungerattacken kommt.

Lebensmittel, die unseren Stoffwechsel ankurbeln und uns effektiv schützen

Äpfel: Das Flavonoid Phloretin wirkt antioxidativ, beeinflusst die Aktivität der Thrombozyten (Blutplättchen) und schützt Herz und Kreislauf.

Auberginen, Heidelbeeren, Himbeeren: Der dunkelblaue Farbstoff Anthocyan schützt Gene und Zellen, wirkt krebshemmend.

Broccoli, Blumenkohl: Das enthaltene Sulforaphan wirkt antioxidativ, entzündungshemmend, antibakteriell und antiviral.

Chili: Der Stoff Capsaicin, der Chilischoten Schärfe verleiht, verdünnt das Blut, senkt den Blutzucker und regt den Fettstoffwechsel an.

Erdnüsse: Piceatannol blockiert die Entwicklung von Fettzellen.

Grapefruit: Der Pflanzenstoff Naringenin wirkt positiv auf Blutzucker, Blutdruck und Cholesterin.

Grüner Tee, dunkle Schokolade: Der Bitterstoff Catechin wirkt zell-,  gefäss- sowie DNA-schützend.

Kaffee: Die Kaffeesäure enthält verschiedene Antioxidantien, die zellschützend und immunstimulierend sind.

Knoblauch: Allicin wirkt antibakteriell, cholesterinsenkend und zellschützend.

Kohl, grünes Gemüse: Das Antioxidans Indol-3-Carbinol beugt Krebs vor, gleicht Hormone aus und entgiftet.

Olivenöl: Der Pflanzenstoff, der Sirtuine aktiviert, heisst Protocatechusäure und wirkt antioxidativ und krebshemmend.

Orangen, Zitrusfrüchte: Hesperidin fördert die Durchblutung und schützt das Gehirn.

Sojabohnen: Isoflavone sind Pflanzenfarbstoffe, die sich günstig auf Blutfett, Blutzucker und Blutdruck sowie Genaktivität auswirken.

Süssholzwurzel: Isoliquiritigenin unterstützt die Darmgesundheit.

Weintrauben, Rotwein: Der bekannte Pflanzenstoff Resveratrol schützt vor Diabetes, wirkt DNA-schützend und ist durch die starke Sirtuin-Aktivierung ein Fettkiller.

Zwiebel, Broccoli: Der Pflanzenschutzstoff Quercetin beugt Arteriosklerose vor und hat eine positive Wirkung auf die Nerven.

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6 Kommentare zu «Sirtfood, die neue Wunderdiät?»

  • Daniel Wigger sagt:

    Um es noch einmal zu erklären: Pflanzenbasierte Ernährung ist nicht low-carb, sondern „Carb only“. Denn Pflanzen bestehen praktisch nur aus Kohlenhydrate. Die gelisteten Apfel, Beeren und andere Früchte sogar vornehmlich aus (Frucht-)Zucker.
    Eine klassische Low-carb-Diät besteht hingegen aus Eiweiss und Fett, also vor allem tierbasierte Nahrungsmittel. Das ist etwas ganz anderes.
    Wer sich rein pflanzenbasiert ernährt, kann problemlos 30kg in wenigen Monaten abnehmen. Allerdings ist es einfacher (und gesünder), wenn man sich zusätzlich bewegt.

  • San sagt:

    Wer mit FdH und viel Bewegung nicht abnimmt, der bewegt sich nicht viel und f… nicht bloss die Hälfte.

  • Jan sagt:

    Natürlich nimmt man ab, wenn man nur 1000- 1500 Kilokalerien zu sich nimmt. Da ist es völlig egal, was man Isst und was nicht. Seriös und nachhaltig ist das aber keinesfalls, so eine Hungerdiät geht nach dem schnellen „Erfolg“ meistens nach hinten raus.

    • Maike sagt:

      Also völlig egal ist es nicht. Mein Mann und ich haben es mal mit FdH und viel Bewegung versucht – mit minimalstem Erfolg.
      Erst als wir dann auf die LowCarb Schiene gewechselt sind – im groben Teigwaren, Brot, Reis, Kartoffeln minimieren und gegen Grünfutter eintauschen, hat es deutliche Erfolge gebracht.

    • Ralf Schrader sagt:

      Was, in welcher Qualität, in welcher Menge die Darmzotten passiert, hängt nicht von dem ab, was in den Mund gesteckt und gekaut wird. Es hängt vor allem von der Darmflora ab. Die kann aus langkettigen, unverdaulichen Zucker Monosaccaride schneiden und damit die Kost von vorgeblich zuckerarm in zuckerreich verwandeln und aus 1500 kcal 3000 machen.

      Erfolgreiche Abspeck- Diät besteht im wesentlichen aus Nahrung, welche die Darmflora zunächst verwirrt und damit überwiegend unverdaut den Körper verlässt. Aber nach ein paar Wochen ist die Flora adaptiert und der Diät- Effekt ist weg. Deshalb wirkt jede Diät nur einmal und nur kurz.

  • Maike sagt:

    Sorry, aber ich habe aufgehört zu lesen als ich auf – was die Pflanze schützt, schützt auch uns – gestossen bin.
    Eine Pflanze schützt sich vor Maisbrand oder Borkenkäferbefall ! Wie mir das beim abnehmen helfen soll.
    Gut ich habe dann doch noch weiter gelesen und fand das:
    – Grapefruit: Der Pflanzenstoff Naringenin wirkt positiv auf Blutzucker, Blutdruck und Cholesterin.
    Wirkt positiv auf .. Blutdruck .. ??? Es ist in der Medizin schon länger bekannt, das Grapefruitsaft und Blutdrucksenker kein harmonisches Paar sind.
    Und drei Blogs weiter vorher wird über Teufel Alkohol geschrieben, der schon bei einem Glaserl Roten pro Tag zuschlägt.
    Ich bin jetzt doch ein wenig verwirrt…

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