So machen Sie lästigem Husten den Garaus!

Warum Thymiantee besser ist als Hustensirup, und weshalb Antibiotika nicht helfen: Der Allgemeinarzt Phillip Katumba beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Husten.

Die trockene Winterluft macht vielen Menschen zu schaffen. Foto: iStock

Fast hat man es geschafft: Der Hals fühlt sich nicht mehr nach Schmirgelpapier an. Der Verbrauch von Taschentüchern hat abgenommen, und auch der Kopf fühlt sich nicht mehr vernebelt an – die Erkältung scheint überwunden. Wäre da nicht dieser lästige Husten, der einfach nicht verschwinden will. Und der nicht nur einen selber, sondern auch den Partner und die Bürokollegen nervt. Doch ein länger dauernder Husten ist nicht nur lästig, sondern kann sich unbehandelt auch zu einer Bronchitis oder im schlimmsten Fall zu einer Lungenentzündung entwickeln. Dr. Phillip Katumba, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, erklärt, wie man einen lästigen Husten am besten behandelt.

Herr Katumba, was löst in unserem Körper den so lästigen Husten aus?
Der Husten ist ein Symptom und keine Krankheit. Meistens ist er eine Reaktion auf eine Reizung der Atemwege. Diese kann durch aggressive Schadstoffe, Fremdkörper und verschiedene Krankheitserreger ausgelöst werden, zum Beispiel durch eine Erkältung. Unser Husten ist ein angeborener Reflex unseres Körpers und dient zur Reinigung der Atemwege. Die Lunge verfügt mit ihren Flimmerhärchen über eine weitaus effektivere Selbstreinigungsfunktion. Durch diese werden täglich schätzungsweise bis zu 100 Milliarden eingeatmete Nanopartikel mit dem Lungensekret abtransportiert.

Warum sind wir im Winter so anfällig für den Husten?
Im Winter ist die Luft in unseren nördlichen Breitengraden meistens sehr trocken. Dabei ist die wichtige Selbstreinigungsfunktion der Lunge durch ein zu trockenes Sekret der Bronchien beeinträchtigt. Dies kann gehäuft zu trockenem Reizhusten führen wie ihn auch Asthmatiker kennen.

Dr. Phillip Katumba, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin.

Wie lässt sich Reizhusten am besten beruhigen?
Das Wichtigste ist, die Ursache für den Reizhusten zu kennen. Falls es sich um eine einfache Erkältung handelt, ist es gut, viel zu trinken. So werden die Schleimhäute befeuchtet. Auch durch natürlich salzhaltige Lutschpastillen kann die Lungenschleimproduktion gefördert werden. So wird zähes Lungensekret verflüssigt. Dabei können pflanzliche Mittel mit Spitzwegerich-, Thymian-, Efeu- oder Primelextrakte wahre Wunder wirken. Inhalationen mit Meersalz, Eukalyptus, Thymian oder Kamillenblüten tun ebenfalls gut. Ein Teelöffel Honig mit Tannenspitzenextrakt oder Isländischem Moos in heissem Tee hat eine antibakterielle Wirkung und kann akuten Reizhusten lindern.

Viele Menschen greifen bei lästigem Reizhusten vor allem in der Nacht zu Hustenstillern. Eine gute Lösung?
Hustenstillende Mittel, zum Beispiel mit Codein, sollten nur in seltenen Fällen eingenommen werden. Dann, wenn ein hartnäckiger, trockener Reizhusten zu einer erschwerten Atmung oder zu länger andauernden Schlafstörungen führt. Diese Präparate sollten allerdings nicht länger als eine Woche eingenommen werden, weil die enthaltenen Wirkstoffe Abhängigkeitspotenzial besitzen und zudem die Fahrtüchtigkeit nach der Einnahme beeinträchtigen. Diese Medikamente unterdrücken auch den reinigenden Hustenreflex. Darum kann weniger Schleim abgehustet werden.

Wie merke ich, dass aus einem Erkältungshusten eine Bronchitis geworden ist?
Eine Bronchitis kann bei einer Erkältung und bei einer Grippe auftreten. Wenn bei einem akuten trockenen Husten eine virale Infektion der oberen Atemwege als Ursache besteht, kann diese Infektion auch in die unteren Atemwege wandern und sich dort ausbreiten. Dieses Phänomen bezeichnen wir Ärzte als sogenannten Etagenwechsel. Eine Bronchitis ist eine Entzündung der unteren Atemwege, die zu über 95 Prozent durch Erkältungsviren (Rhino-, Parainfluenza-, Coranaviren) verursacht wird und selten durch Grippeviren wie Influenza A und B, die oft zu einem schweren Krankheitsverlauf führen.

Wie soll ich mich bei einer Bronchitis verhalten?
Natürlich sollte man alles meiden, was die Schleimhaut zusätzlich reizen könnte wie Rauchen und den längeren Aufenthalt in kalter, trockener Luft. Viel Flüssigkeit und schleimlösende Präparate können helfen, den Schleim dünnflüssiger zu machen. So lässt es sich leichter abhusten. Wasserdampfinhalationen mit Meersalz und Kräutern (Pfefferminz, Eukalyptus, Thymian) und auch Quarkwickel, Zwiebelhonigsaft, Käutertee mit Thymian, Salbei, Fenchel und Spitzwegerich tun gut. Ebenfalls empfehle ich, den Kopfteil des Bettes höherzustellen, da man so besser atmen und abhusten kann.

Können Antibiotika Linderung bringen?
Da, wie schon gesagt, in über 95 Prozent der Fälle eine Bronchitis durch Erkältungsviren ausgelöst wird, bringen Antibiotika meistens nichts. Meiner Meinung nach werden sie heute sowieso viel zu oft verschrieben, besonders auch wegen der veralteten und falschen Annahme, dass gelblicher Auswurf ein Indiz für eine bakterielle Infektion sei. Durch die zu häufigen Anwendungen kommt es zu immer mehr Multiresistenzen. Und wenn Antibiotika dann wirklich nötig sind, beispielsweise bei einer Lungenentzündung, wirken sie vielleicht nicht mehr. Gesunde Menschen mit einem intakten Immunsystem sind meist in der Lage, Erreger auch ohne medikamentöse Unterstützung erfolgreich zu bekämpfen.

Wann kann eine Bronchitis gefährlich werden?
In sehr seltenen Fällen kann es bei einer bakteriellen Bronchitis, welche nur in 5 Prozent der Bronchitisfälle auftritt, zu einer Lungenentzündung kommen. Sie zeigt sich neben dem schweren Husten durch hohes Fieber, Schüttelfrost und teilweise schweres Krankheitsgefühl bis zur Atemnot. Hier sollte der Arzt konsultiert werden, der durch Blutuntersuchungen und Röntgen-Thoraxaufnahme feststellen kann, ob es sich um eine Lungenentzündung handelt.

Wie kann ich verhindern, an Bronchitis zu erkranken?
Neben den bekannten hygienischen Massnahmen wie regelmässigem gründlichem Händewaschen oder dem Desinfizieren der Hände ist es wichtig, das Immunsystem gezielt zu stärken. Dies kann durch eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung, genügend Schlaf und regelmässige Bewegung an der frischen Luft passieren. Zusätzlich sollten wenn möglich übermässige Stressbelastungen in den Wintermonaten vermieden werden. Die regelmässige Anwendung von Nasenspülungen mit Meerwasser schützt die Nasenschleimhaut vor dem Austrocknen, Viren können so schwerer an den Schleimhäuten andocken. Für mich persönlich gehören auch regelmässige Saunabesuche zur Gesundheitsprophylaxe.

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