Welche Erkältungsmythen stimmen?

Wir verraten Ihnen, welche dieser sieben verbreiteten Behauptungen rund um grippale Infekte richtig sind – oder eben nicht.

Richtig niesen: Ob ins Taschentuch oder in den Ellbogen, ganz ohne Ansteckungsgefahr gehts nicht! Foto: iStock

Wenn es um die Prophylaxe und die Behandlung von Erkältungen und grippalen Infekten geht, hat jeder seine eigene Ansicht. Was richtig ist und was falsch, erfahren Sie hier:

Mythos 1:

Wenn ich beim Niesen oder Husten die Hand vor den Mund und die Nase halte, sind meine Mitmenschen vor Ansteckung geschützt.

Nein. Erkältungen werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Wenn wir kräftig niesen oder husten, schleudern wir die Krankheitserreger teilweise mehrere Meter weit. Und dann machen sich diese leider selbstständig.

Mythos 2:

Smartphones sind wahre Bakterienschleudern.

Ja. Nicht nur die Haltegriffe in den öffentlichen Verkehrsmitteln, Türklinken oder die Tastatur von Bancomaten sind Übeltäter, wenn es um die Übertragung von Krankheitserregern geht. Untersuchungen zeigen, dass bis zu 30 Prozent durch die Berührung von Touchscreens übertragen werden. Das Magazin «Time» berichtete über eine Studie, die zeigt, dass sich auf Handys von US-Schülern bis zu 17’000 Krankheitserreger befinden. Über die Schleimhäute von Nase und Mund gelangen diese in den Körper. Darum ist es wichtig, das Display regelmässig zu reinigen und zu desinfizieren.

Mythos 3:

Luftfeuchtigkeit ist sehr wichtig, wenn es darum geht, Erkältungen vorzubeugen.

Ja. Trockene, gereizte Schleimhäute bieten, vor allem im Winter, bei überheizten Räumen einen guten Nährboden für Erkältungsviren. Darum macht es Sinn, für genügend Luftfeuchtigkeit zu sorgen. Wer sich keinen Luftbefeuchter anschaffen will, kann auch ein Gefäss mit Wasser auf die Heizung stellen. Im Schlafzimmer sollte die Temperatur unter 20 Grad liegen. Wer unter Reizhusten leidet, sollte regelmässig inhalieren und genügend Flüssigkeit zu sich nehmen.

Mythos 4:

Bei Erkältungen helfen Antibiotika am besten.

Nein. Rund 95 Prozent der Erkältungen oder grippalen Infekte werden durch Viren ausgelöst. Antibiotika wirken jedoch nur gegen Bakterien und nicht gegen Viren. Antibiotika können nicht nur einen negativen Einfluss auf den Darm haben und beispielsweise Durchfälle auslösen. Wer häufig Antibiotika einnimmt, läuft zudem Gefahr, eine Antibiotika-Resistenz zu entwickeln.

Mythos 5:

Medikamente helfen bei einem grippalen Infekt besser als altbewährte Hausmittel.

Nein. Bei einer Erkältung ohne weitere Komplikationen können auch Hausmittel einen positiven Effekt haben. «Ein Zwiebelsud, mit etwas Kandiszucker gesüsst, oder ein Brustwickel mit gekochten Kartoffeln kann bei Husten Linderung bringen. Essigsocken können Fieber senken. Und die gute alte Hühnersuppe kann «im Organismus bestimmte weisse Blutkörperchen reduzieren, die für Entzündungsprozesse mitverantwortlich sind», sagt Frank Metternich, Chefarzt der Hals- Nasen-Ohren-Klinik am Kantonsspital Aarau.

Mythos 6:

Es ist doch Glückssache, ob ich mich anstecke oder nicht.

Jein. Wir können einiges dafür tun, dass wir nicht erkranken. Ein starkes Immunsystem ist dabei ein wichtiger Verbündeter. Wichtigste Prophylaxe ist darum, die Hände sorgfältig und ausgiebig mit Seife und warmem Wasser zu waschen und sie auch zu desinfizieren. «Genügend Schlaf und eine mineral- und vitalstoffreiche Ernährung sind genauso wichtig wie regelmässige Wechselduschen oder Saunagänge. All dies stärkt den Organismus. Viel frische Luft und möglichst wenig Stress stärken das Immunsystem ebenfalls», sagt Frank Metternich. Ob hochprozentiges Vitamin C zusätzlichen Schutz bietet, ist auch bei Ärzten umstritten. Dagegen gilt Zink als hilfreich bei der Prävention und in der Heilungsphase bei Erkältungen.

Mythos 7:

Bei einem grippalen Infekt sollte man das Bett hüten.

Jein. Richtig ist, dass es sinnvoll ist, nicht ins Büro zu gehen, um die Kollegen nicht mit Husten und Schnupfen zu nerven oder gar anzustecken. Aber so lange man kein Fieber hat, ist auch ein kurzer Spaziergang sinnvoll, weil dadurch der Kreislauf angeregt wird. Sobald das Fieber steigt und man ein Krankheitsgefühl spürt, sollte man unbedingt auf sportliche Aktivitäten verzichten, um nicht an lebensgefährlichen Komplikationen wie beispielsweise einer Herzmuskel-Entzündung zu erkranken.

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7 Kommentare zu «Welche Erkältungsmythen stimmen?»

  • Daniel Wigger sagt:

    Mythos Tröpfcheninfektion: Die allermeisten „Tröpfchen“ werden nicht von Nase zu Nase verbreitet, sondern die Tröpfchen gehen an die Hand und werden dann an Geländer oder Türfallen abgestreift, wo sie dann von anderen Menschen aufgenommen und an Nase, Mund und Augen geführt werden. Es gibt interessante Untersuchungen mit fluoreszierenden Flüssigkeiten, wenn sich ein halbes Dutzend Leute in einem Raum befinden… – Deshalb: Immer fleissig Hände waschen und nicht Hand vor den Mund halten, sondern in die Armbeuge niessen/husten.
    Anderes Thema: Bestes Hausmittelchen gegen Schnupfen ist regelmässige Nasendusche. Wahrscheinlich könnten die allermeisten Erkältungen und Grippen ohne Chemie und ohne Medikamente frühzeitig verhindert werden.

  • Paolo Martinoni sagt:

    Wer beim Niesen/Husten weder Hand noch Arm vor Nase/Mund hält, hat von Anstand keine Ahnung. Und vielleicht auch keine medizinischen Kenntnissen. Ja, gerade um zu verhindern, dass Unmengen an Krankheitserreger ungehindert geschleudert werden in die unmittelbare Umgebung, sollte man entweder die Hand oder die Armbeuge vor die Nase bzw. den Mund stellen – am liebsten die Armbeuge, kommt sich doch – im Gegensatz zur Hand – mit nichts in Kontakt.

  • Paolo Martinoni sagt:

    Zu Mythos 1: warum „Nein“? Eher „Ja“ – meine ich. Denn dadurch, dass man Hand/Arm vor Nase/Mund stellt beim Niesen/Husten, schleudert man weniger Infekte in die Umgebung. Was immer weniger Menschen tun leider. Insofern halte ich das „Nein“ für absolut unverständlich …

  • Hans sagt:

    Danke, dies scheint einmal wirklich informativ zu sein, vor allem, wenn man ein paar Kinder hat….
    Nun habe ich jedoch eine Frage an alle: Sollten die 17 000 Krankheitserreger auf dem Handy wirklich gereinigt werden, oder ist es nicht auch wertvoll, wenn die Immunsysteme der Kinder dank diesen 17 000 „Helfern“ täglich trainiert werden?

  • Peter Meier sagt:

    Zu Mythos 4.
    Sie schreiben : „Wer häufig Antibiotika einnimmt, läuft zudem Gefahr, eine Antibiotika-Resistenz zu entwickeln.“
    Ich habe selten so einen Schwachsinn gelesen. Nicht der Patient entwickelt eine Antibiotika Resistenz sondern die Erreger. Ausserdem kommt es nicht in erster Linie auf die Häufigkeit der Einnahme an sondern ob man sie korrekt einnimmt.

    • Bruno Müller sagt:

      Schwachsinn ist eher, dass es darauf ankommt, sie korrekt einzunehmen. Sie spielen wohl auf die überholte Empfehlung an, ABs immer mindestens eine gewisse Zeitdauer einzunehmen, auch wenn schon früher Besserung eingetreten ist?
      Wie angetönt, wurde diese Empfehlung zurückgezogen. Der Mensch wurde in diesem Modell als eine Nähragarplatte angeschaut, anstatt eines komplexes Lebewesens mit Microbiom und Immunsystem.

      • Heidi Hermann sagt:

        Mit „richtig einnehmen“ ist im allgemeinen gemeint bei richtiger Indikation, in der richtigen Dosierung und der richtigen Dauer. Zu früh absetzen ist eben so schädlich wie zu lange geben. Absetzen wenn eine Besserung sichtbar ist, ist nicht in jedem Fall richtig. Zu wenig nehmen ist noch schädlicher als zu viel. Und die Resistenzentwicklung hat schon viel mit Wahrscheinlichkeitsrechnung zu tun. Je häufiger Antibiotika eingesetzt werden, desto wahrscheinlicher ist die Entwicklung einer Resistenz.

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