Männerschnupfen ist doch kein Klischee!

Warum Männer bei Erkältungskrankheiten tatsächlich stärker leiden als Frauen.

Das Leiden der Männer: Aus wissenschaftlicher Sicht ist ihr Jammern berechtigt. Foto: Getty Images

Vor kurzem genossen wir noch das warme Wetter in Shirts, Sommerkleidern und kurzen Hosen. Obwohl uns durchaus bewusst ist, dass die heissen Tage vorbei sind, bleibt jedes Jahr die Hoffnung, dass diese doch nie enden mögen. Und so ist der Übergang vom Sommer in den Frühherbst auch jedes Jahr mit einer gewissen Sentimentalität verbunden, wie sie vielen Abschieden eigen ist. Doch hoffentlich gibt es noch viele wunderbare «Indian Summer»-Tage.

Die Morgen, an denen wir nicht nur den Pulli, sondern auch die Regenjacke anziehen und die Taschentücher einpacken müssen, werden sich aber mehren. Und damit auch die Momente, in denen wir dem Typen, der uns im Tram mehrfach feucht in den Nacken niessen wird, den Hals umdrehen könnten. Aber auch die Nahtoderfahrungen männlicher Erkältungsopfer werden sich häufen. Dies im gleichen Masse, wie die Nerven ihrer Partnerinnen strapaziert werden.

Die Hormone sind schuld

Was ist aber dran am Klischee, dass Männer bei Erkältungskrankheiten stärker leiden als Frauen? Dass viele von ihnen ernsthaft das Gefühl haben, ihre Tage seien gezählt? Die Mikrobiologin und Autorin Ina Lackerbauer ist davon überzeugt, dass Männer stärker unter dem sogenannten Männerschnupfen und seinen unangenehmen Auswirkungen leiden. Im Buch «Männerschnupfen» schreibt sie: «Dem Virus ist es zwar egal, ob er einen Mann oder eine Frau anfällt. Wie aber das Immunsystem mit den Viren umgeht, ist geschlechtsspezifisch.»

Auf diese Studie verweist auch Professor Dr. med. Frank Metternich, Chefarzt Hals-Nasen-Ohren-Klinik sowie Hals- und Gesichtschirurgie am Kantonsspital Aarau. «Frauen besitzen mehr Östrogen als Männer, und das soll sich stärkend auf die Immunzellen der Nasenschleimhaut auswirken.» Dadurch seien Frauen, jedenfalls bis zur Menopause, stärker vor Erkältungen geschützt. Davon, dass Männer bei nicht dramatischen Beschwerden, wie sie mit Erkältungskrankheiten verbunden sind, stärker leiden als Frauen, ist auch der Androloge Christian Sigg überzeugt. Und dies habe nicht nur genetische Gründe, sondern auch psychische: «Männer sind Verdränger. Zwar sterben viele von ihnen beim geringsten Schnupfen tausend Tode, wenn es aber ernst wird, stecken sie den Kopf in den Sand.» Warum das so ist? «Das gesundheitliche Wissen vieler Männer ist extrem schlecht – verglichen mit jenem der Frauen. Diese sind informiert, kennen ihren Körper und können mögliche Symptome deuten», sagt Sigg. Was nichts anderes heisst, als dass sich Frauen bewusst sind, dass eine Erkältung zwar unangenehm, aber in den meisten Fällen harmlos ist.

Mamas Hühnersuppe? Wirkt!

Männer können ihre Beschwerden hingegen oft nicht einordnen und sind darum besorgter als Frauen. Und nicht nur im Werbespot bitten sie ihre Partnerin oder die Mama leidend nach einer Hühnersuppe. Apropos Hühnersuppe: Diese hat laut Frank Metternich eine durchaus positive Wirkung auf einen grippalen Infekt oder eine Erkältung: «Studien an der Universität von Nebraska haben gezeigt, dass Hühnersuppe im Organismus bestimmte weisse Blutkörperchen – sogenannte Neutrophile – blockiert, die für Entzündungsprozesse im Körper mitverantwortlich sind.»

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