Was gutes Olivenöl kann

Wozu ist Ölziehen gut? Und was heisst «Extra Vergine»? Wissenswertes zum flüssigen Gold aus dem Süden.

Dass die mediterrane Küche als gesundheitsfördernd gilt, liegt auch an der positiven Wirkung von Olivenöl bei der Ernährung. Foto: Pixabay (Pexels)

Ein paar Tropfen kalt gepresstes Olivenöl auf eine Scheibe Weissbrot getröpfelt, dann noch eine Prise Meersalz darüber gestreut – und fertig ist der Festschmaus! Durch seine vielfältigen Aromen, die von mild-fruchtig bis zu scharf-bitter variieren können, und seine gesundheitsfördernde Wirkung hat hochwertiges Olivenöl in den letzten Jahren immer mehr an Beliebtheit gewonnen.

Problemlos, weil relativ anspruchslos, zählt der Olivenbaum zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. «Sein Öl galt während Jahrhunderten als Zeichen von Reichtum und Wohlstand. Und so führte man in früheren Zeiten seine Gäste nicht in den Wein-, sondern in den Ölkeller», sagt die Phytotherapeutin Esther Bischofberger. Eine wichtige Aufgabe sei dem Olivenöl damals auch in der Körper- und Krankenpflege zugekommen. Vor allem in der arabischen, griechischen und römischen Medizin seien ihm positive Eigenschaften zugesprochen worden.

Gutes tun in Mund und Haar

Was seine gesundheitliche Wirkung angeht, wird Olivenöl heute eher selten äusserlich und in purer Form angewendet. «Am bekanntesten ist noch das Ölziehen aus der ayurverdischen Praxis: Man bewegt morgens vor dem Zähneputzen einen Esslöffel Olivenöl im Mund hin und her und spuckt es danach wieder aus», erklärt Bischofberger. Diese Anwendung soll Bakterien den Garaus machen, Zähne und Zahnfleisch kräftigen und die Mundschleimhaut entgiften.

Eine andere Art, wie Olivenöl heute äusserlich angewendet wird, sind die sogenannten Ölauszüge. In einer Mixtur von Olivenöl und heimischen Wildkräutern und Pflanzen wie Ringelblumen, Johanniskraut oder Kamille wird es so für Massagen oder Wickel verwendet. In der Naturkosmetik wird Olivenöl als Basis von Cremen oder Salben eingesetzt. «Ich verwende es regelmässig als Haarpackung. Es macht meine Haare geschmeidig und gepflegt», sagt Bischofberger.

Je kühler produziert, desto besser

Dass die mediterrane Küche seit längerem als gesundheitsfördernd gilt, liegt auch an der positiven Wirkung von Olivenöl bei der Ernährung. Die Mittelmeer-Diät, die neben Olivenöl auf Früchte, Nüsse, Samen, Fisch, Hülsenfrüchte und eher auf wenig Fleisch setzt, soll vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes schützen. Die wichtigsten Öl-Bestandteile, die einfach ungesättigten Ölsäuren, entfalten eine besondere Schutzwirkung im Blut, indem sie die Zellwände stabiler machen, den Stoffwechsel anregen und leicht blutverdünnend wirken. «Eine weitere positive Wirkung auf den Organismus haben die im Öl enthaltenen Bitterstoffe, Glykoside und Enzyme», sagt Esther Bischofberger.

Ähnlich wie beim Wein ist die qualitative Unterscheidung von Olivenöl eine echte Wissenschaft. Die verschiedenen Farbtöne des Öls nach seiner Herstellung hängen vom Reifezustand der geernteten Früchte ab. Denn zum optimalen Erntezeitpunkt besitzen die Oliven die höchste Anzahl an Aromastoffen. Je nach Region und Sorte der Oliven liegt die Zeitspanne normalerweise zwischen Ende Oktober und Ende Dezember. Dann erhält man ein besonders aromatisches Olivenöl. Als entscheidend für die Qualität gilt die Temperatur während des Produktionsprozesses. Hier gilt der Grundsatz: je kühler, desto besser.

«Extra Vergine» heisst nicht «extra gut»

Es gibt verschiedene Kategorien von nativem Olivenöl. Als bestes Öl gilt die «Extra Vergine»-Qualität, die durch Kaltpressung oder Kaltextraktion gewonnen wird. Aber Achtung, wie die SFR-Sendung Kassensturz berichtet hat, heisst die Bezeichnung «Extra Vergine» nicht unbedingt, dass das Olivenöl auch eine überdurchschnittliche Qualität hat. Sie stehe, so der Kassensturz, lediglich für eine definierte Güteklasse: Wenn die Fruchtigkeit vorhanden ist, das Öl auch sonst fehlerfrei schmeckt, also sensorisch keinen Fehler aufweist, kalt gepresst und nicht chemisch, sondern nur mechanisch verarbeitet wurde, ist es ein «Extra Vergine»-Produkt.

Liebt hochwertiges Olivenöl nicht nur in der Küche, sondern auch als Haarmaske: Esther Bischofberger, dipl. Phytotherapeutin, Fastenbegleiterin, Coach und Unternehmensberaterin.

Aroma und Harmonie spielen für die Bezeichnung «Extra Vergine» keine Rolle. Hier sollte sich der Konsument zusätzlich selber informieren. Zur besonderen Qualität trägt auch seine lange Haltbarkeit über 24 Monate hinaus bei. «Wichtig: Olivenöl sollte lichtgeschützt, am besten in dunklem Glas und bei Zimmertemperatur gelagert werden. In einem durchsichtigen Glasbehälter kann es schneller ranzig werden», erklärt Bischofberger.

Es gibt nicht wenige Menschen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, das für sie geschmackvollste Olivenöl aufzuspüren. Dies machen sie zum Beispiel in ihren Ferien im Süden bei Degustationen bei Olivenbauern. Ähnlich wie die Produkte der Weinbauern tragen gute Öle auch deren Namen. Aber Vorsicht! Eine attraktive Verpackung mit einer bunten, fantasievollen Etikette ist kein Hinweis auf die Qualität eines Olivenöls.

15 Kommentare zu «Was gutes Olivenöl kann»

  • Hans sagt:

    Ich habe Olivenöl schon immer geliebt, und zum Glück ist es für mich gut für die Gesundheit. Aber Sie müssen es sorgfältig auswählen und kein Öl von schlechter Qualität kaufen. Dank für diesen Artikel irgendwie, wusste ich nicht, dass Sie soviel mit Olivenöl tun können.

    https://www.agora1777.at/produkte/olivenoel

  • Esther Villa sagt:

    Ich mache oft Pizza, etwa 3-4x in der Woche (ja, bin ein Fan). Das Olivenöl, Bio, von der Migros, aus Italien, das giesse ich auf die Pizza ERST nachdem sie gebacken ist. Sonst brauche ich es zum dämpfen. In Italien brauchen sie es für alles sagt mir meine Freundin in Italien.

  • doris hugentobler sagt:

    „Problemlos, weil relativ anspruchslos,“
    stimmt nicht, schauen sie sich mal die haine im salento an. da sterben die bäume zu tausenden ab wegen dem xylella-bakterium. wer oder was dahinter steckt, weiss man nicht – oder will man nicht wissen wollen. jedenfalls kämpfen die bauern seit ca. 15 jahren damit. hundertjährige bäume müssen ausgerissen werden, und bis die jungpflanzen wieder so ertragsreich sind, dauert es wieder hundert jahre

  • Raimund W. Ritzi sagt:

    Leider weisen Sie nicht darauf hin, wie sehr – vor allem in Italien – Olivenöl gepanscht und gefälscht wird. In Test wird immer wieder darauf hingewiesen. Siehe Stiftung Warentest etc.

  • Alexander Buck sagt:

    Ein 3 Jahre alter Kassensturz Test? Wirklich? Da ist der Test bereits ranzig.

  • theodor hilgers sagt:

    Es fehlt eindeutig die Verwendbarkeit beim kochen und die zu waehlende Temperatur, in der Form einfach nur zum Salat?

  • Leo Schmidli sagt:

    Ich habe den Artikel gelesen, aber keine Antwort auf die Überschrift erhalten.

  • Marcel sagt:

    Irgendwie belanglos. Nichts neues, keine wissenschaftlichen Studien zitiert oder ähnliches. Stattdessen die Meinung von irgendjemandem. Billig. Schade.

  • david m sagt:

    ich hab mit ölziehen mein zahnfleisch kaputt gemacht. hat sich extrem zurückgebildet.

  • Ursi Schoenenberger sagt:

    Wenn ich an die Millionen toter Singvögel denke, die es bei der Olivenölernte gibt, ist eigentlich fast jedes andere Speiseöl zu bevorzugen.

    https://www.spektrum.de/news/millionen-voegel-sterben-bei-olivenernte/1648076

    • Gabriella Widmer sagt:

      sehr geehrte Frau Schönenberger
      Deshalb kaufe ich nur Olivenöl, das NICHT maschinell geerntet und biologisch angebaut wurde.
      Kostet etwas mehr, ist es mir aber wert, wenn nicht tausende Vögel in den Erntemaschinen geschreddert werden.
      Übrigens steht es auf der Etikette ob das Öl maschinell geerntet wurde.

  • R.S. sagt:

    Ich fand den Hinweis noch gut, dass eine attraktive Verpackung nicht zwangsläufig auf gute Qualität schliessen lässt! Darauf wäre ich jetzt von selber nie gekommen…

  • Akos Regeczi sagt:

    Ich lebe auf der Insel Kreta, wo es uberall Olivenhaien und naturlich fantastisches Olivenoel gibt. Hier besitzt praktisch jede Familie gewisse Anzahl Olivenbaueme. In Kalives, wo ich wohne, gibt es einen kleinen Familienbetrieb wo es nach alten Tradition das Oel gepresst wird. Jetzt im Sommer sind es viele Turisten die die Presse besuchen. Ich trinke jeden Morgen ca. 50 ml Oel seit vielen Jahren und wir kochen ausschlieslich mit Olivenoel. Auf das Brot wird normerweise recht viel Oel gegossen. Ich und meine Frau verwenden ca. 40-50 Liter Oel pro Jahr. Das gute Olivenoel ist auch die Basis der sog. Mediterrandiet. Liebe Frau Aeschbach, danke fuer Ihre Artikel und falls Sie einmal nach Kalives kommen, eine Flasche gutes Oel wird auf Sie warten.

    • Stefan Berli sagt:

      ..… ich lebe unweit von Kalives in Melidoni und kann Ihrem Text nur zustimmen. Sollten Sie mein Öl „Melidoni Eliés“ aus 100 % Tsounati-Oliven kosten wollen, so finden Sie es im onlineshop unter http://www.melidoni.ch ……; oder besuchen Sie mich!

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