Best of: Warum uns Hunde so guttun

Unsere Autorin macht Sommerferien. Deshalb publizieren wir Texte, die bei den Leserinnen und Lesern besonders gut ankamen. Dieser Beitrag erschien erstmals am 16. März 2019.

Von Kopf bis Fuss

Kinder, die mit einem Hund oder mit einer Katze aufwachsen, leiden im Erwachsenenalter weniger unter Allergien. Foto: iStock

Mein erster Hund hiess Jil. Ein Podenco aus Portugal, der mit seiner eigenwilligen Art – die eher an eine Katze als an einen Hund erinnerte – eine Herausforderung war. Als die Hündin in unsere Familie kam, war mir die Tragweite dieser Entscheidung nicht wirklich bewusst. Wie viel ich durch sie in ihren leider nur 11 Lebensjahren lernen würde, wie sehr ich sie ins Herz schliessen würde, und wie schmerzhaft der endgültige Abschied sein würde, wusste ich damals nicht. Aber Jil zeigte mir, wie innig eine tierische Verbindung war, aus dem simplen Grund, weil sie einen direkten Zugang zu meinem Herzen besass.

Ja, Hunde brauchen Zeit, und das Leben ist manchmal komplizierter – etwa, wenn sie eine ganze Nacht lang Durchfall haben. Sie sind kostspielig. Manche Menschen halten uns Hündeler, nett gesagt, für etwas komisch. Und ich kann es ihnen nicht einmal übel nehmen, denn bevor ich Jil, und danach Louis und Millie, adoptierte, konnte ich dieses spezielle Band zwischen Hund und Mensch auch nicht verstehen.

Wie gut uns Hunde tun können, beweisen unzählige Studien. Hier nur fünf davon:

1. Hundehalter leben länger

Während mehr als zehn Jahren haben Forscher der Universität Uppsala in Schweden die Daten von 3,4 Einwohnern ihres Landes gesammelt und analysiert. Dabei fanden sie unter anderem heraus, dass die Sterblichkeit von Alleinstehenden mit Hund 33 Prozent geringer ist als die von Singles ohne Hund. Das Risiko, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden, war bei Hundehaltern 11 Prozent geringer.

2. Hunde senken das Stresslevel

Die Autorin mit ihrer Mischlingshündin,  Podenco Jil.

Wenn man sich mit seinem Hund beschäftigt, ihn streichelt, ihm in die Augen schaut, steigt der Oxytocin-Pegel im Körper stark an. Dies bewiesen japanische Forscher in einer Studie, die im renommierten Wissenschaftsmagazin «Science» veröffentlicht wurde. Oxytocin, das sogenannte Kuschelhormon, das auch in der Beziehung zwischen Müttern und ihren Babys eine wichtige Rolle spielt, gibt einem ein gutes Gefühl, es beruhigt und wirkt dem Stress entgegen. Die Studie zeigte auch, dass auch bei den Hunden das Oxytocin anstieg.

3. Hunde halten fit

Ob es regnet oder schneit oder ob die Sonne scheint: Wer einen Hund hat, muss raus mit ihm. Das verschafft uns Hundehaltern regelmässig Bewegung, auch an Tagen, an denen andere sich auf dem Sofa verkriechen. Mehrere Studien zeigen, dass Hundehalter dadurch fitter sind.

4. Hunde senken das Allergierisiko bei Kindern

Die Ärztin Ganesa Wegienka vom Henry Ford Health System in Detroit zeigte in einer in der Fachzeitschrift «Clinical & Experimental Allergy» veröffentlichten Studie, dass Kinder, die mit einem Hund aufgewachsen sind, als junge Erwachsene weniger anfällig für Allergien sind. Dass Hunde und auch Katzen einen Einfluss auf die Entwicklung des Immunsystems in den ersten Lebensjahren haben, zeigte eine finnische Studie mit 397 Neugeborenen.

5. Hunde fördern Kontakte

Haustiere seien «soziale Katalysatoren», sagt eine Übersichtsstudie von britischen Forschern unter der Leitung der Psychologin June McNicholas von der University of Warwick. Vor allem Hunde würden den Kontakt zu anderen Menschen stark erleichtern, heisst es in der Studienzusammenfassung im «British Medical Journal». Insbesondere für ältere Menschen und Patienten, die sich von einer schweren Krankheit erholen, könnten Haustiere von besonderem Wert sein und sozialer Isolation vorbeugen.

19 Kommentare zu «Best of: Warum uns Hunde so guttun»

  • Martin Frey sagt:

    In der Tat. Bei gewissen Leuten ist es tatsächlich von Vorteil, sie haben Hunde und kein Kind.

  • Emil Bättig sagt:

    Wir halten gerade vier Hunde auf unserer Finca in Spanien. Sie leben draussen bei jedem Wetter, ganzjährig. Sie scheinen wetter-unabhängig zu sein. Regen lieben sie, schütteln dann das Fell. Wenn es heiss ist liegen sie an den Schatten. Nachts ist Ruhe, nur der jüngste, an letzten Weihnachten geborener, kläfft nachts manchmal stundenlang. Wenn ich nach draussen gehe, kommen alle, sie wissen dass ich Hundebisquits im Schrank liegen habe. Vier Stück für jeden. Sonst lassen sie sich von den Menschen nicht so beeinflussen wie die Haustiere, denen nur ein Halsband-Spaziergang gegönnt wird. Sie behalten ihren Stolz und der kann gross sein.

  • Lilu sagt:

    Ich teile die Ansicht der Autorin vollumfänglich – Hunde bereichern, sind wundervolle treue Gefährten und sie lehren uns wieder vermehrt im Moment zu leben. Nichtsdestotrotz stelle ich mit Unbehagen fest, dass in diversen Artikeln über Hunde zu viel darüber geschrieben wird, was sie alles können und zu wenig darüber was sie brauchen. So kommt es, dass sich immer mehr Menschen Hunde anschaffen, die sich aber nicht im geringsten mit dem Wesen des Hundes auseinandersetzen und damit vielleicht ihr Leben verschönern, aber das des Vierbeiners zu einer Tortur werden lassen.

  • Haenni sagt:

    Ich habe gar nix gegen Hunde. Im Gegenteil. Ich habe was gegen Hundehalter, die ihre Köter nicht im Griff haben. Die streunen unkontrolliert herum, kacken in meinen Garten, zerfressen kleine Hunde (wie meinen übrigens und jenen meiner Freundin). Wann gibt es endlich Leinenpflicht!!!! Ich kenne sehr viele verantwortungsvolle Halterinnen und Halter. Die nerven sich genau über erwähnte Herrchen und Frauchen! Hier auf dem Land ist es fast nicht zum Aushalten!!!!!

  • Gabriel sagt:

    so sehr ich Hunde liebe aber mit solchen wissenschaftlichen Fakten muss man schon exakt umgehen. Ein solch flapsiger Umgang mit Daten führt schnell pseudo-wissenschaftlichen Diskussionen, die dann niemand mehr ernst nimmt.
    – «die Sterblichkeit» liegt bei allen Menschen bei 100 %. In der Studie wurde aber die Sterberate von Gruppen verglichen – d.h. Hundebesitzer sterben in einem fixen Zeitraum um x % weniger als die Vergleichsgruppe.
    – Die Daten sagen nichts über Ursache und Wirkung aus – die Studie stellt z.B. eine tiefere Herz-Kreislauf-Erkrankung bei Besitzern von Jagdhunden fest. Die Ursache kann sein, dass eher fitte, gesunde Personen sich überhaupt erst einen Jagdhund zutun (die Gruppe war schon vor dem Hund gesünder) – der Hund also gar nicht die Ursache ist.

  • oliver sagt:

    warum melden sich hier nur miesepetrige menschen? grosses mimimi über kosten und ähnliches. möchte nicht wissen was andere hobbys kosten…
    hunde sind das beste was einem menschen passieren kann. Ich kenne auch entferntere Nachbarn mit hund weil wir miteinander sprechen, bestenfalls treffen wir uns täglich. kinderherzen die höher schlagen wenn sie ihn streicheln dürfen…

  • Claudia Schmied sagt:

    Hund und Mensch: A match made in heaven – ein Hund ist eine emotionale Bereicherung und es wäre schön, wenn in den Unternehmen das Mitnehmen von Hunden oder wenigstens Dog Days eingeführt würden: Hunde sind gerade in Großbetrieben ausgezeichnet fürs Betriebsklima und den sozialen Austausch. Wenn ich den Hund dabei habe, komme ich mit Leuten in sehr persönliche Gespräche.

  • Herzpoetin sagt:

    Ich hab eine schwere Traumastörung und wollte zuwarten mit dem Goldie, bis alles sich etwas stabilisierte. Meiner Mutter sei Dank tat ich dies nicht. Eddie ist ein Golden Retriever und Gold im Herzen. Er ist auf dem Weg zum Assistenzhund und mein Ein und Alles. Ihn alleine in der Wohnung lassen? Nur wenn er müde und zufrieden ist. Wenn ich einkaufen muss, zB, vorher ist er dran. Dank ihm fühle ich mich wieder wertvoller. Dafür zeige ich ihm, wie er in der Menschenwelt klar kommen kann. Liebevoll, konsequent, an seinem Charakter orientiert. Es ist ein Miteinander. Da ich kaum Geld habe, habe ich Glück mit dem Tierarzt. Wenn etwas ist, kann ich es auf Raten zahlen. Und ich spare lieber an mir, als am Hundefutter. 1. Ist es eine gute Vorsorge und da er nicht wählen kann, mache ich das für ihn

  • Ralf Schrader sagt:

    ‚… dass die Sterblichkeit von Alleinstehenden mit Hund 33 Prozent geringer ist als die von Singles ohne Hund.‘

    Meine Sterblichkeit beträgt 1.0. Mit Hund hätte ich also eine 33% -ige Chance, unsterblich zu sein. Das Resultat verblüfft mich sehr. Stimmen kann das nicht.

    ‚Das Risiko, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden, war bei Hundehaltern 11 Prozent geringer.‘

    Das kann man auch für Rote- Socken- Träger nachweisen, nur liegt das, wie bei allen Korrelationen weder am Hund, noch an den roten Socken. Es liegt daran, dass alte schwache Menschen sich keine Hund zulegen und selten roten Socken tragen. Mit Hund und mit roten Socken würden sie dennoch zur gleichen Zeit dem selben Leiden erliegen. Der Risikofaktor bewirkt nichts ausser einer Scheinkorrelation.

    • K. Lauer sagt:

      gefällt mir, Ihr Beitrag!
      wären Sie so freundlich, mir bitte die Lebenserwartung auszurechnen?
      2 Hunde, viellaufend, auf dem Land lebend mit Abneigung gegenüber weißen Sicken?
      Danke im Voraus!

  • Peter Frei sagt:

    Nun, die Anzahl der 3,4 Einwohner, die die Universität geprüft hat, scheint mir etwas unglaubwürdig. Zumal der vierte dann wohl zum 60% „eliminiert“ worden ist.

  • Paul Moser sagt:

    Leider sind zu viele Hundehalter viel zu egoistisch, um dem Hund ein wirklich würdiges Leben zu garantieren. Ein Hund ist ein Lebewesen, kein Spielzeug. Und zu viele Hunde sind falsch gehalten, den ganzen Tag eingesperrt und unterbeschäftigt. Und wenn die Ferien kommen, gibt man ihn ab oder noch schlimmer, setzt ihn aus.

  • Ramon Scholl sagt:

    Sicher es ist sehr Nett ein lieber Hund zu haben. Wertvoll ist er. Darum sehe ich auch die Gebühren pro Hund auf CHF 600.oo pro Jahr als angemessen. Täglich sehen ich aus dem Hochhaus wie sie mit den „netten“ Hündchen schnell in den Park gehen und wieder zurück. Ganzer Tag auf dem Balkon warten bis am Abend das Herrchen zurück kommt…….

    • Peter sagt:

      Wäre schön, wenn man auch eine Kinderhaltegebühr einführen würde, denn was gewisse Kinderhalter (Eltern kann man die beim besten Willen nicht nennen) mit ihren Kindern anstellen ist noch schlimmer als was mit Hunden gemacht wird. Und als kinderloser Hundemensch würde ich lieber 10 mal für einen Hund bezahlen als für ein Kind.

      • Claudia Schmied sagt:

        Als Mutter mit Kind und Hund kann ich dem nur zustimmen. Es gibt mehr unfähige, unverantwortliche Eltern als Hundehalter – oft mit gesellschaftlichschwerwiegenderen Konsequenzen.

      • Maru sagt:

        Peter: Bin 100% Ihrer Meinung. Lieber drei Hunde als ein Kind.

  • Herman Losli sagt:

    Ist gut dieser Beittag. Nuin aich für die Hunde sind pro Jahr CHF 600.oo angebracht. Dem Hindehalter sollte mehr als recht sein.

Kommentar

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