Mit Blütenblättern Köstlichkeiten verfeinern

Sieht appetitlich aus und mundet fein: Wiesenkleebutter. (Bild über chefkoch.de)

Ewig lockt der Zauber der Blüte. Sei es mit ihrer verspielten Schmetterlingsform wie beim roten Wiesenklee. Oder mit «Lippen», wie wir sie von der Minze oder dem Lavendel her kennen. Die sogenannte Körbchenblüte sieht man bei der Kamille, der Ringelblume und dem Löwenzahn.

Die Blüte ist immer der oberste Teil einer Pflanze und meist der Sonne zugewandt. Botaniker ordnen Blüten aufgrund ihrer Form, ihres Duftes und ihrer Farbe nach einer bestimmten Systematik. Und auch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und die Traditionelle Europäische Naturheilkunde (TEN) verwenden diese Methodik. Apotheker nennen die Blüte lateinisch «Flos» und verwenden bei ihren Rezepturen meistens getrocknete Blütenblätter.

Gesund und bekömmlich

Blütenblätter enthalten in verschiedener Konzentration wertvolle Inhaltsstoffe, die in anderen Pflanzenteilen gar nicht vorkommen. Wie zum Beispiel ätherische Öle (Senföle), Mineralien, Vitamine, Saponine und Flavonoide. Wenn man sie isst, schmecken sie neutral, pfeffrig oder süsslich.

Dank dieses Reichtums bieten sich viele Blüten auch für die Küche an – egal ob frisch, getrocknet, in Essig oder Alkohol eingelegt. Vor ein paar Jahren arbeiteten vor allem Küchenchefs in der Haute Cuisine mit Blütenblättern, inzwischen hat dieser schöne Trend auch in der Alltagsküche Einzug gehalten. Und so kann man beispielsweise Früchtebowlen, Desserts, Dips, Kuchen, Salate, Sirups und Tees verfeinern.

Die Liste der essbaren Blüten ist lang: Von A wie Ackerstiefmütterchen über H wie Holunder, K wie Klatschmohn, S wie Sauerklee bis zu W für Wiesensalbei. Schön anzuschauen in einem Blütensalat sind die leuchtenden Blüten von Kapuzinerkresse, Rosen, Ringelblumen, Zitronen- und Orangentagetes, Gänseblümchen, Salbei- und Schnittlauchblüten. Weniger ist dabei mehr: Ich verwende jeweils nicht mehr als drei Blütensorten zum Verfeinern und Verschönern von Mahlzeiten.

Meine saisonalen Favoriten

Gänseblümchen: Die Blüten schmecken süsslich-mild und sind perfekt geeignet, um Salate und Suppen zu dekorieren. Sie können aber auch heilend wirken. Inhaltsstoffe wie Saponine wirken schleimlösend bei Husten und sollen auch blutreinigend wirken.

Löwenzahn: Die Blüten haben ebenfalls einen süssen Geschmack und sind für Aufstriche wie auch für Desserts geeignet. Aber nicht nur die Blüten lassen sich verwenden, sondern die ganze Pflanze, die dank ihrer Inhaltsstoffe – Vitamine, Bitter-, und Mineralstoffe sowie Inulin – als besonders heilend gilt. Beste Sammelzeit für den Löwenzahn ist April bis September.

Rosen: Diese Blüten munden ebenfalls köstlich süsslich. Sie verfeinern Tees, Sirups und auch Desserts. In den Blütenblättern finden sich ätherische Öle, die entzündungshemmend und krampflösend wirken. Gemäss der Heilerin Hildegard von Bingen hat Rosenblütentee zudem eine ausgleichende, beruhigende Wirkung.

Mein Lieblingsaufstrich

Für mich geht nichts über Wiesenkleebutter: 250 Gramm weiche ungesalzene oder gesalzene Butter- oder Margarinemasse mit 8 bis 10 Esslöffeln rotem Wiesenklee/Rotklee-Blüten mischen. Dann abgedeckt und bei Zimmertemperatur einige Stunden stehen lassen. Danach kommt die Masse in den Kühlschrank und eignet sich später super als Brotaufstrich oder und zum Verfeinern von Saucen. Noch eine Besonderheit: In diesen Blütenblättern finden sich auch Phytoöstrogene (pflanzliche Hormone), die bei Beschwerden der weiblichen Wechseljahre hilfreich sein können.

Wer selber mit Blüten in der Küche experimentieren möchte, sollte sich im Vorfeld über deren Herkunft informieren, da heutzutage viele Pflanzen mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Und natürlich gibt es auch ungeniessbare oder gar giftige Blüten. Daher ist es sinnvoll, selbstgepflanzte Blüten zu verwenden oder diese in einem Fachgeschäft (Apotheke, Drogerie, Reformhaus, Feinkostläden) einzukaufen. Oder, nachdem man sie bei einem Spaziergang gepflückt hat, von einem Pflanzenexperten beurteilen zu lassen.

Literatur-Tipps:

10 Kommentare zu «Mit Blütenblättern Köstlichkeiten verfeinern»

  • Ira vom Gubel sagt:

    Sehr schöner und lehrreicher Bericht, danke! Ich finde die Borretschblüten mit dem strahlenden Blau so zauberhaft. Unvergessen bleibt mir ein Tageskurs vor vielen Jahren bei Luzia Braun in Altnau welche mir viel kostbares Wissen über die Blüten in der Kochkunst vermittelte. Meine Beobachtung im Allgemeinen: Ich achte in meinem naturnahen Garten darauf, Blumen mit ungefüllten Blüten und Stauden zu pflanzen, die Bienen können nur in diesen ihre Nahrung holen.

    • esther bischofberger sagt:

      herzlichen Dank für den wertvollen Hinweis mit den ungefüllten Blüten! Und Borretsch ist im wahrsten Sinne immer ein Leuchtstern.

  • Georg sagt:

    Blüten essen – warum auch nicht? Und es sieht erst noch schön aus. Spannender Blog, der dazu animiert, bisher unbekanntes Terrain zu erkundschaften und in Blüten nebst ästhetischen auch kulinarische Freuden zu finden, danke für die Tipps!

  • HATZ sagt:

    Esther, ich nehme an in einem ersten Schritt schaffst Du Dir Wildbienen an.
    Hoffentlich machst Du auch den zweiten Schritt zu den Honigbienen. Es wird Zeit, dass es wieder Iberger Bienenhonig gibt.

    • esther bischofberger sagt:

      dankeschön-ich habe wirklich viel mehr Reichtum an Blüten seit ich Wildbienen hab, ans Imkern trau ich mich noch nicht.

  • Sonja Schelling sagt:

    Ich liebe es mit Blüten das Essen zu dekorieren und verfeinern. Das Auge isst ja bekanntlich immer mit.
    Schön zu erfahren was ich meinem Körper Gutes tue mit all der Farbe auf meinen Gerichten❣️

  • Bernhard sagt:

    Himmlische Genüsse! Sie wecken Erinnerungen aus meiner Kindheit: Wir Kinder sammelten die bunten Blüten und legten sie aufs Butterbrot, wenn wir eines hatten, oder aßen die Blüten einfach so. Am liebsten mochte ich Veilchen aber auch Gänseblümchen schmecken gut. Danke für den schönen Artikel!

  • Peter C. Spleiss sagt:

    Danke für den ausgezeichneten Artikel. Irgendwie habe ich noch „Hemmungen“ Blüten zu geniessen. Ich werd’s jedoch gerne mal ausprobieren und dann möglicherweise begeistert sein. Peter Spl.

  • Karl-Heinz sagt:

    Ich will die Blüten den Bienen lassen. Ernährungsphysiologisch sind Blüten reine Deko und so relevant wie Globuli.

    • esther bischofberger sagt:

      auch fein, dass Sie die Blüten den Bienen überlassen, denn ohne Bienen sind wir ja gar nichts mehr! Ich stelle Bienenhäuschen auf und habe so viel mehr Blüten

Kommentar

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