Warum Yoga auch für Oldies Gold wert ist

Von Kopf bis Fuss

Auch in reifem Alter kann Yoga zu mehr Aktivität, Körperbewusstsein und Lebensfreude verhelfen. (Foto: iStock)

Yoga boomt. Und ein Ende dieses Booms ist nicht abzusehen. Obwohl gewisse Kritikerinnen und Kritiker – nicht ganz zu Unrecht – finden, dass ihnen der Hype langsam auf die Nerven geht. Dies auch, weil es schon lange nicht mehr nur um einen gesunden Lebensstil, sondern vor allem auch um ein riesiges Business geht.

Und manchmal vergisst man auch, dass Yoga nicht das Vorrecht junger und attraktiver Menschen ist. Bernhard Riedi (69) arbeitet seit 2010 als Yogalehrer und unterrichtet regelmässig ältere Menschen. Er hat aus eigener Erfahrung erlebt, wie ihn regelmässiges Yoga-Training von schweren Rückenschmerzen befreite.

Herr Riedi, wieso tut Yoga älteren Menschen gut?

Ich betrachte Yoga als kreativen Weg, mit den Veränderungen des Älterwerdens umzugehen. Denn meistens nehmen in dieser Lebensphase die körperlichen Beschwerden zu, die Mobilität sinkt, und Stimmungsschwankungen können auftauchen. Darum werden Strukturen im Alltag immer wichtiger. Und Yoga hat den Vorteil, dass es in jedem Alter, zu jeder Zeit, ohne Hilfsmittel praktiziert werden kann – sofern die Grundlagen da sind, um die Übungen korrekt und den Möglichkeiten angepasst zu machen.

Was kann Yoga körperlich und seelisch bei der Generation 70 plus bestenfalls bewirken?

Mit Yoga kann man körperlich fit bleiben bis ins hohe Alter. Und durch den Unterricht in einer Gruppe ist man auch sozial und geistig aktiv. Beim Üben werden der Körper, der Atem und der Geist auf harmonische Weise miteinander verbunden. Wenn die Übenden dadurch ihre Leistungsfähigkeit spüren, die Körperreaktionen nachempfinden können und das Gefühl von Zufriedenheit bekommen, dann hat Yoga seine Wirkung erreicht: Die Achtsamkeit im Alltag wird erhöht.

Bernhard Riedi (69) arbeitet seit 2010 als Yoga-Lehrer und ist spezialisiert auf Yoga für ältere Menschen. Zurzeit unterrichtet er bei Pro Senectute Zürich.

Gibt es gewisse Yoga-Formen, die sich für ältere Menschen besonders eignen?

Das Wichtigste: Die Yoga-Übungen sollen immer an den Menschen, der sie übt, angepasst sein. Die Teilnehmenden sollen das Training voller Freude verlassen und sich aktiver, lebendiger und selbstbewusster fühlen.

Heute sind Menschen mit 70 oder sogar 80 viel fitter als die Generationen zuvor. Wie erleben Sie alte oder körperlich eingeschränkte Menschen in ihren Trainingsstunden?

Eindrücklich waren die sichtbaren körperlichen Verbesserungen eines alten Mannes, der in einem Alters- und Pflegeheim lebte. Nachdem ich ihn drei Monate lang einmal wöchentlich unterrichtete, ist dies auch seinem Umfeld aufgefallen. Und es entwickelte sich ein Projekt mit regelmässigem Gruppenunterricht. Über 20 Heimbewohner nahmen daran teil, teils in Begleitung einer Pflegeperson oder mithilfe eines Rollators. Und manchmal blieb dieser nach einer Stunde auch stehen.

Ist die Vermutung richtig, dass mehr Frauen als Männer an Ihren Yoga-Kursen teilnehmen?

Ja, die Frauen sind offener und mutiger, wenn es darum geht, Neues auszuprobieren. Aber einige von ihnen «schleppen» später auch ihren Mann mit zur Lektion. Und, ich staune, nach dieser ersten Hürde kamen einige von ihnen dann freiwillig wieder.

31 Kommentare zu «Warum Yoga auch für Oldies Gold wert ist»

  • Maria sagt:

    Mein Mann, der sein Leben lang mit Freizeitsport (Ski, Langlauf, Wandern, Klettern, Schwimmen) – nicht extrem, jedoch sehr aktiv war, hat, als er durch ein OP unbeweglicher wurde, einen Yoga-Kurs und Physiotherapie gemacht. Während er im Kurs war und zu hause fleissig übte, merkte er jedoch, dass es nicht besser wurde.
    Nach 3 Jahren ist er, trotz der Schmerzen und Unbeweglichkeit, wieder mit mir zum Wandern und Schwimmen mitgekommen, sogar Ski- und Velofahren hat er später wieder mit Freude gemacht. Die frische Luft, Freude am Sport und unsere herrliche Berg- und Naturwelt hat ihm gut getan und grosse Lebensfreude zurückgegeben.

  • Maru sagt:

    Wieso denke ich – wenn ich den Begriff Yoga höre – immer an hoch komplizierte, oft schon klimaktierende oder sich bereits jenseits dieser Phase befindende weibliche Wesen, die Jahrzehnte lang so alles getrieben haben, was auf eine Kuhhaut ging, um sich dann, so um die +-50 rum, plötzlich komplett neu zu justieren. Sie beginnen sich vegan zu ernähren, trinken nur noch Edelsteinwasser oder zumindest solches „ohne Kohlensäure und bitte nicht zu kalt „, wo es doch früher die „Cüpli“ waren, die nur so weggesoffen wurden. Und – was sie heute ausserdem machen? Klar: Sie beginnen sich aufs Spirituelle zu besinnen und praktizieren Yoga, oft mit einer Verbissenheit, von der schwer anzunehmen ist, dass sie Körper und Geist in Einklang bringen soll. Glaube macht selig..

  • Alfred Frei sagt:

    So etwas Blödes habe ich noch selten gehört. In jedem Yogakurs, den ich bisher besucht hatte, waren auch Moslems anzutreffen. Übrigens gibt es auch militante Christen, die Yoga verdammen, weil es eine spiritzelle Komponente hat und aus einem andern religiösen Raum kommt. Was diese Fanatiker verzapfen kümmert nur sie selber und ihre Sekten.

    • Nathalie sagt:

      Entschuldigung, aber das geht jetzt zu weit und ist sowas von deplatziert! Sie als Rassist werden in ihrem Leben überall irgend welchen Störfaktoren begegnen. Den Yoga als Sekte zu titulieren zeigt wie sie ticken. Natürlich stammt die Lehre ursprünglich aus Indien und es fliessen kulturelle Elemente in die Praxis ein, doch wo in unserem Lande schon nicht? Und das ist auch gut so!
      Übrigens; Ich bin Yogalehrerin und hatte noch nie eine oder einen Muslimen bei mir im Kurs und bin auch nie welchen hier in der Schweiz an einem Yogakurs begegnet.

      • Alfred Frei sagt:

        Dieser Post war eine Antwort auf den Kommentar von Roland K. Moser, leider wurde er nicht am richtigen Ort platziert. Ausserdem haben sie mich gründlich missverstanden. Ich bezeichne mitnichten Yoga-Anhänger als Sekte, sondern diejenigen Christen und Muslime, die Yoga als fremde religiöse Praktik verdammen. Was Muslime im Yoga betrifft. Ja, die bärtigen Salafisten und kopftuchtragenden Frauen trifft man im Yoga tatsächlich selten. Diese sind jedoch nur eine kleine Minderheit unter den Muslimen, dan andern kann man ihre Religionszugehörigkeit schlicht und einfach nicht ansehen.

    • Roland K. Moser sagt:

      Ihre Yogakurse finden in ihrem Kopf statt?

      • Alfred Frei sagt:

        Mühe mit der Realität, wenn sie nicht zu ihrem Muslim-Feindbild passt ?

      • Alfred Frei sagt:

        Muslime machen etwa 5% der Bevölkerung aus, d.h. in einer Yoga Klasse von 20 Teilnehmerinnen genau eine Person. Eine Person aus einer bosnischen, albanischen oder türkischen Familie finden sie garantiert in jeder Yogaklasse. Ich habe aber auch schon praktizierende Muslime aus arabischen Ländern getroffen.

  • Sabine Schmid sagt:

    Ich persönlich bin derzeit noch nicht dabei, aber aus meiner Sicht ist Yoga durchaus auch vor allen Dingen für Oldies Gold wert, wenn man das schon so formulieren will. Mir persönlich würde eine Disziplin, die mehr in Richtung Tanz geht, besser gefallen, aber, was soll’s? Kann ich noch eine etwas seltsame Bemerkung anfügen? Eine Altenpflegerin sagte mir, man spüre das Körpergefühl von Patienten selbst beim täglichen Frischmachen, auch wenn diese sich kaum mehr gross bewegen könnten, aber eine Yoga- oder Gymnastik-Trainignsvergangenheit hätten.

  • Alfred Frei sagt:

    Yoga, ein Riesengeschäft ? ja wo denn bitte ? die teuersten Yogamatten kosten gegen 100 Franken, die billigsten um die 20. Als Kleider tut’s alles, was leicht ist, nicht beengt und dir nicht über den Kopf rutscht, wenn du den herabschauenden Hund oder den Kopfstand machst. Kurse sind auch nicht teurer als jeder Koch- oder Bastelkurs. mehr ist da nicht.

  • 11 sagt:

    @ Olivier Fuchs:
    Yoga ist keine Sportart, kann daher auch kein „Pseudo-Sport“ sein, und ersetzt auch keine sportliche Betätigung.

    • Karl-Heinz sagt:

      Sport: “ nach bestimmten Regeln [im Wettkampf] aus Freude an Bewegung und Spiel, zur körperlichen Ertüchtigung ausgeübte körperliche Betätigung
      „Sport treiben“ „

      • 11 sagt:

        @ Karl-Heinz:
        Die Lehre, Übung und Philosophie von Yoga entspricht nicht der hier von Ihnen zitierten Definition von Sport.

  • Olivier Fuchs sagt:

    Sarkopenie: der mit fortschreitendem Alter zunehmende Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft und die damit einhergehenden funktionellen Einschränkungen des älteren Menschen. Deshalb ist Krafttraining das effektivste bei den Betroffenen. Yoga ist diesbezüglich auch ein wenig wirksam. Aber warum diesen uneffektiven Umweg beschreiten? Yoga wird dermassen hochgelobt, dass ich es extra nie mehr betreibe. Es ist ja bekanntlich gut für ‚unausgefüllte Frauen‘ jenseits der 50.

  • Olivier Fuchs sagt:

    Yoga ist akzeptabel für schwül-heisse Länder mit schwächlichen Leuten. Aber die haben kein grosses Interesse daran, in Mode ist dort nun das gekühlte Fitnessstudio. Beim Yoga fehlt die so starkmachende und gesunderhaltende kardiovaskuläre Belastung. Was ist es schon verglichen mit dynamischer Bewegung in der Natur, auf dem Wander und Veloweg, auf der Loipe, im Schwimmbad? Bei Hitze und Kälte, bei Wind und Regen, auf 1000 oder 2000 Meter Höhe? Die ehemaligen Tour de France – Fahrer lebten durchschnittlich 8 Jahre länger. Yoga?

    • Roland K. Moser sagt:

      Probieren Sie es mindestens 1 Jahr aus.

      • Olivier Fuchs sagt:

        Dazu ist mir die Zeit zu schade. Das Leben verplämpern mit einem wenig nützlichen Pseudosport? Nicht einmal mehr von der wichtigen UV-Exposition erhält man dabei im Winter. Aber ein Kollege jettet ja jährlich nach Südasien, unter Ablassen von 6 Tonnen CO2, weil man dort ja besser yoga machen kann.

      • Roland K. Moser sagt:

        Ihnen geht es aber extrem schlecht. Zahlen Sie Kirchensteuern?

  • Ralf Schrader sagt:

    ‚Ja, die Frauen sind offener und mutiger, wenn es darum geht, Neues auszuprobieren.‘

    Das Schöne ab einem bestimmtem Alter besteht ja gerade darin, nichts Neues mehr ausprobieren zu müssen und zu wollen. Wer kann Interesse daran haben, dass Altern aufzuhalten? Wenn Yoga jung hält, sollte man die Anwendung auf Pensionäre unter Strafe stellen.

  • Karl-Heinz Failenschmid sagt:

    Sehr guter Beitrag, ja und Yoga entspannt in jeder Hinsicht. Mein persönliches Anliegen wäre es allerdings, die Begriffe regionaltypisch auszudrücken, also keine Asanas sondern Übungen etc.

  • Roland K. Moser sagt:

    Achtung! Yoga ist nicht islam-kompatibel! Die Muslime könnten sich provoziert fühlen.

    • Astrid Meier sagt:

      Komisch! Meine jungen, weiblichen muslimischen Bekannten schwören darauf. Eine unterrichtet es sogar… Aber trotzdem, was für ein interessanter Beitrag, Moser.

      • Roland K. Moser sagt:

        Das ist seltsam. Sind Sie sicher, dass es sich dabei um Muslime handelt und ihre Antwort nicht einfach aus der Luft gegriffen ist?
        https://islamfatwa.de/soziale-angelegenheiten/166-gesellschaft-aktuelles/sonstiges-bezueglich-gesellschaft/1696-urteil-ueber-yoga-uebungen

      • Roland K. Moser sagt:

        Betreffend das Praktizieren von Yoga bin ich natürlich ein Befürworter. Ich sehe mich allerdings in der chinesischen Tradition des Chi Gong und so.

      • Astrid Meier sagt:

        Ja, Herr Moser. Ich bin ganz sicher, dass das Musliminnen sind. Ich kenne auch solche, die Tai Chi üben. Aber es lässt sich natürlich für jeden Stuss irgendwo auf der Welt eine passende Fatwa finden, die zwar nur für den Fragesteller bindend ist, und zu der es sicher irgendwo eine Gegenfatwa gibt. Je krasser und hierzulande unverständlicher, desto grösser die Chance, auf einer islamophoben Website aufzutauchen. Ich würde annehmen, dass 90% der Muslime nie von dieser Fatwa gehört haben. Es gibt ja auch noch andere Probleme.

      • Roland K. Moser sagt:

        Ich würde es so sagen: Für etwa 10 % der Muslime ist Yoga ein kleines und für 90 % ein grosses Problem.
        Erklären Sie Olivier Fuchs doch mal, wo sich ihr Yoga-Studio befindet und laden sie ihn zu einer Probe-Lektion ein.

      • Roland K. Moser sagt:

        Wo unterrichtet ihre Kollegin und wie heisst sie?

    • Ralf Schrader sagt:

      Man darf jeden provozieren, sowohl Muslims als auch Muslimhasser mit an den Haaren herbei gezogenen Argumenten.

      Im Übrigen haben die chinesische Atemübungen, welche auf das Qi (nicht Chi – das gibt es auch, in Tai Chi z.B., ist aber etwas anderes) wirken, keine Verwandtschaft mit dem indischen Yoga.

      • Roland K. Moser sagt:

        Im Gesundheits-System Tai Chi und Chi Gong geht es um das fördern und kultivieren von Chi. Ob Tai Chi deswegen das Wort Chi enthält, weiss ich nicht.
        Tai Chi wird dann sehr interessant, wenn man beginnt, die Sache auf beide Seiten auszuüben. Für die Kampfkünste ist es so allerdings nicht geeignet, weil dann Reflexe durcheinander kommen.
        Im Yoga passiert etwa dasselbe: Es wird Chi gefördert und kultiivert. Man macht es einfach anders.

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