Warum schlemmen wie in Frankreich so gesund ist

Schinken, Brot, Käse und ein Glas Wein: Franzosen essen mit Genuss – und Zeit. (Foto iStock)

Dreimal am Tag soll man sich hinsetzen und richtig essen. Hauptmahlzeiten mit drei Gängen, als Vorspeise vielleicht kurz gebratene Jakobsmuscheln mit einer Pernodsauce, dann ein schönes Stück Fleisch mit Gemüse, zum Abschluss ein feines Dessert. Und dazu gerne ein Glas Wein. Laut einer von französischen Forschern im «British Journal of Nutrition» veröffentlichten Studie kann diese in ihrer Heimat traditionelle Verpflegungsart vor Übergewicht schützen.

Klingt irgendwie paradox. Und in der Tat geht es hier um eine mögliche Erklärung für das als «französisches Paradox» bekannte Phänomen, dass Franzosen trotz grösserem Alkohol- und Fettkonsum länger leben als beispielsweise Amerikaner und Deutsche. Die Herzinfarkthäufigkeit zum Beispiel soll in Frankreich dreimal geringer sein als in den USA.

Wissenschaftsinteresse am «französischen Paradox»

Laut Wikipedia wurde dieses Paradox bereits 1819 vom irischen Arzt Samuel Black beschrieben. Die Bezeichnung «französisches Paradox» sei 1992 von Serge Renaud, einem Forscher an der Universität Bordeaux, eingeführt worden. Doch auch bereits 1992 veröffentlichte der Amerikaner Lewis Perdue das Buch «French Paradox and Beyond: Live Longer with Wine and the Mediterranean Lifestyle».

Der «Spiegel» beschrieb das Phänomen 1996 anschaulich als «die Lebensweise der Südwestfranzosen, die regelmässig Wein, Olivenöl anstatt Butter, viel Gänse- und Entenfett, Knoblauch sowie frisches Gemüse und Obst zu sich nehmen und sich lange Essenszeiten gönnen». Dass die in den Schalen der Rotweintrauben enthaltenen Polyphenole einer Verengung der Blutgefässe entgegenwirken, wurde verschiedentlich beschrieben, so etwa 2001 in der Wissenschaftspublikation «Nature».

Schlechtes Gewissen? Fehl am Platz!

Bei der neuen Studie von sechs Forschern der Universitäten von Paris und Montpellier wurde untersucht, ob das «französische Essmodell» einen Einfluss auf das Gewicht haben könnte. Bei 47’219 Teilnehmern der «NutriNet-Santé»-Studie wurden «das Essverhalten und insbesondere die Anzahl der Mahlzeiten pro Tag, die Häufigkeit der Snacks, die Essenszeit, die Dauer der Mahlzeiten, die Anzahl der Gänge, die Position (stehend, sitzend), die Anwesenheit anderer und das erlebte Vergnügen» bewertet. Diejenigen Personen, deren Essverhalten stärker mit diesem Modell übereinstimmten, waren weniger übergewichtig.

Die Forscher bewerten diese Erkenntnis jedoch vorsichtig. Es seien weitere, prospektive Studien nötig, um einen kausalen Zusammenhang zu beweisen. Dennoch würden die vorliegenden Ergebnisse durchaus einen Hinweis darauf geben, dass das französische Essmodell bei der Prävention von Fettleibigkeit eine potenzielle Rolle spielen könne. Was auch immer weiterführende Studien einmal beweisen werden: Wenn ich mich heute in guter Gesellschaft zu Tisch setze, werde ich ohne schlechtes Gewissen eine Vorspeise, einen Hauptgang und ein Dessert geniessen. Und dazu ein Glas Wein. Merken

17 Kommentare zu «Warum schlemmen wie in Frankreich so gesund ist»

  • Hansli sagt:

    Der Alkoholkonsum ist sicher höher als anderswo, aber da Glas Wein am Tag gehört nicht mehr dazu. Die ausgiebige Mahlzeit ist ebenfalls Vergangenheit. Die MCDonalds-Dichte gehört zu den höchsten der Welt.
    Was natürlich bleibt, ist das trotzdem mehr Wert auf gute ausgewogene Ernährung gelegt wird als bei uns und die mediterrane Küche ihren Teil dazu trägt.

  • Karin sagt:

    ich – Schweizerin- wohne seit 30 Jahren in Frankreich, ist nicht alles so wie es beschrieben wird, denn viele Franzosen haben kein Geld, Zeit oder Lust sich was Richtiges zum Essen machen. Das sind Ausnahmen. In den Städten wird auf der Strasse Sandwich gegessen oder in Sandwichbars etwas schnell eingenommen. Klar in den guten Restaurant ist’s fast immer gut, aber ds können sich nur wenige leisten. Ich mache Hausgemachtes, auf französisch und 1-2 Glas guten Wein …… !!!!!! und gönne mir hin und wieder ein tolles Restaurant

  • R. Wenger sagt:

    Die Diät ist wichtig. Seit eh und je lebe ich nach der bewährten 5-Punkite-Diät. Pt. 1. Ich esse alles, was mir schmeckt, unbeeinflusst von den Warnungen der Gesundheitsaposteln. Pt. 1. Ich esse nichts, das ich nicht mag, ebenfalls unbeeinflusst von den Empfehlungen der Gesundheitsaposteln. Pt. 3. Zum Essen gehört ein Glas Wein. Wenn es einmal mehr ist, geht die Welt auch nicht unter. Pt. 4. Nach dem Essen brauche ich einen Espresso oder einen Caffè corretto. Pt. 5. Kalorien, Cholesterin und all dieses Zeug ist für mich chinesisch und diese Sprache kenne ich nicht. Weil ich in einem mediterranen Milieu aufgewachsen bin, wo man auch schon als kle9iner Knopf ein paar Tropfen ins Glas bekommt, bin ich seit über 90 Jahren Weintrinker, aber noch nie betrunken gewesen.

  • Widerspenstige sagt:

    Franzosen essen nicht nur reichhaltiger mit viel gutem Wein zu fast jedem Menu, sondern genehmigen sich zum Dessert eine fein sortierte Käseplatte an Stelle einer Zuckerbombe. Das hat schon einen gewissen Einfluss auf die Verdauung. Und das Liebesleben findet spontaner statt als in Helvetien wie auch französische Filme und Romane anschaulich zeigen bzw. erzählen. Eine Freundin war Französin und sie lebte mir vor, wie es sich anfühlt, in Kleidung, Schminke (nur ein Hauch, aber regelmässig zur Kosmetikerin/Massage) und Lebensstil. Oh là là!

  • Samuel Müller sagt:

    35-Stunden-Woche und Rentenalter 60 sind für ein längeres Leben wohl wichtiger als die Menge konsumierten Alkohols…

    • Widerspenstige sagt:

      Natürlich ist der sozialistische Geist wie ihn die Franzosen leben mit weniger Arbeitsstunden und mehr Freizeit sowie früherer Rente ein Gradmesser zu mehr Gesundheit und gutem Lebensgefühl. Die Menge Alkohol wird dann zur Nebensache, denn der Körper verdaut dann die Menge besser als im Stress des Alltags. Danke für den wichtigen Hinweis, Samuel M.

      • René Thüring sagt:

        Ja so sollte es im Leben sein. Bei uns wird alles Schöne und Gute fast verboten. Man trinkt zu viel Wein, man isst zu viel und ungesund. Was soll das eigentlich alles??? Aber arbeiten bis zum umfallen, Burnout oder eventuell in den Suizid getrieben werden, dass interessiert hier kaum jemanden.

      • Peter Müller sagt:

        @ Thüring: Dann sagen Sie mir doch mal, wo genau bei uns ein Verbot besteht, zu viel Wein zu trinken und viel und ungesund zu essen. Ich kenne keines. Sie können schon heute mit der französischen Diät beginnen und glauben Sie mir, niemand wir Sie verhaften.

  • Michael sagt:

    Schlemmen in Frankreich macht einfach Spass. Aber da ist ja auch die ganze Esskultur eine ganz andere. Morgen reicht den Franzosen das petite dejeuner – Kaffee, Konfi und das weltbeste und bis dato unerreichte Baguette. Tagsüber darf man sich in einer Arbeitspause mal ein kleinen Roten genehmigen – und keiner schaut einen blöde dabei an. Ein Menue am Abend besteht meist aus mehreren Gängen, die aber verglichen mit hier, einzeln eher klein ausfallen.
    Und was mir so in Frankreich aufgefallen ist – fast food oder dieser veganer Hype ist dort zum Glück noch nicht so angekommen.

    • Hanspeter Niederer sagt:

      Der „vegane Hype“ wird auch in Frankreich Fuss fassen, denn völlig ignorant dem barbarischen Tierleid und dem nahenden Öko-Kolllaps gegenüber sind ja auch die Franzosen nicht. Ihre „foie gras“ ist ja an perverser Tierfolter kaum mehr zu überbieten.
      Auf dem „schönen“ Teller zum Artikel sind fast nur Produkte aus brutalem Tiermissbrauch zu sehen. Abstossend primitiv. Savoir tuer und nicht savoir vivre spricht daraus.
      Im übrigen sind die „radikalsten“ Tierrechtler in Frankreich zuhause. Sie haben BELL ja in diesen Tagen einen Besuch abgestattet. Und glauben Sie mir – das waren allesamt Veganer.

      • Michael sagt:

        Klar wird der vegane Gedanken in Frankreich auch Fuss fassen. Genauso wie es auch dort Menschen gibt, die fest daran glauben, das die Erde eine Scheibe ist oder das Elvis lebt.
        Aber ob dieser Gedanke jemals Einfluss auf die Speisekarte eines normalen Restaurants oder Bistrot finden wird – ich wage es zu bezweifeln. Bislang habe ich da noch nichts feststellen können.
        Wobei ich bei der foie gras absolut bei Ihnen bin.

      • Hanspeter Niederer sagt:

        @Michael: wer Veganismus mit tumber Ahnungslosigkeit (die Erde ist eine Scheibe) vergleicht hat ausnahmsweise nebst den brutal missbrauchten Tieren ebenfalls mein Mitleid verdient. Aber offensichtlich hängen Sie ja dem Glauben an, dass „foie gras“ die einzige Barbarei gegen wehrlose Tiere ist. Bilden Sie sich weiter, am besten mit Videos auf Facebook oder Youtube über den weltweiten Holocaust der Tiere. Falls Sie ein Herz haben werden Sie dann nämlich ebenfalls Veganer. Nebst dem Verbot der Quälerei und der Folter gibt es nämlich auch kein Recht auf Auftragsmord an unschuldigen Tieren für den eigenen Spass.

      • Niklas Meier sagt:

        Dass Beiträge wie die von Herr Niederer überhaupt freigeschaltet werden….

      • Hanspeter Niederer sagt:

        @Meier: Entschuldigung, ich habe Ihren Kommentar erst jetzt entdeckt.
        Möchten Sie die Gesinnungspolizei einführen zwecks Schutz der Tierausbeuter und Tiermörder vor Gewissensbissen? Falls Sie auf dem anthropozentrischen Juristen-Trip sind und Mord an Tieren als juristisch „unmöglich“ bezeichnen: fragen Sie einmal die „Nutztiere“ im Todestrakt, welche GEFÜHLE sie vor diesem „unmöglichen “ Mord EMPFINDEN.

  • Rémy Fadieze sagt:

    Wenn’s denn nur ein Glas wäre! Bei den Franzosen darf es aber gerne mal eine Flasche Wein sein – pro Person. Alkoholprobleme werden jedoch in Frankreich sehr wenig bis gar nicht thematisiert. Die Lobby der Weinbauern ist sehr einflussreich.

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