Was die Haut wirklich schön macht

Auch Grüntee hilft, die Haut zu stärken: Eine Frau gönnt sich eine Tasse Tee. Foto: Getty Images

Im zweiten Teil unserer kleinen Serie «Pillen für die Schönheit» unterhalte ich mich mit der Dermatologin Dr. med. Liv Kraemer über Sinn und Unsinn von Nahrungsmittelzusätzen.

Frau Dr. Kraemer, wie sinnvoll ist es, regelmässig Nahrungsmittelzusätze zu sich zu nehmen?
Hochwertige, frische Nahrung ist allemal besser als Pillen und Co., vor allem, wenn kein Nährstoffmangel vorliegt. Allerdings wurde am letzten WEF darüber informiert, dass durch die Luftverschmutzung und die Massenproduktion immer mehr Nahrungsmittel nicht mehr den ursprünglichen Gehalt an Nährstoffen haben werden. Insbesondere Zink, Protein und Eisen werden so vermindert in den Lebensmitteln zu finden sein. Somit wird eine Ergänzung bestimmter Nährstoffe vielleicht bald einmal unerlässlich.

Wann machen sie im heutigen Alltag Sinn?
Es gibt sicher bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, die bei einem vorhandenen Mangel dem Organismus helfen können, besser zu funktionieren. Das belegen auch zahlreiche Studien. Schliesslich ist unser Körper eine grosse biochemische Fabrik. Es gibt Inhaltsstoffe, die die Zellen schützen, Reaktionen verbessern und pushen oder minimieren. Aber Produkte einfach nach dem Giesskannenprinzip zu schlucken, bringt wenig und birgt auch die Gefahr einer Überdosierung.

Kann ich denn mithilfe eines Bluttests herausfinden, ob ich bestimmte Nährstoffe einnehmen sollte?
Bluttests zeigen leider immer nur die Mängel an, aber es gibt nur bei wenigen Stoffen gute und messbare Speicher, z.B. beim Eisen. Ein schwerer Mangel macht sich aber auch durch Erschöpfung, Haut- und Haarprobleme usw. bemerkbar. Auch ich mache manchmal Bluttests, aber meistens kann ich durch die genaue Untersuchung der Haut und durch das Gespräch mit dem Patienten schon auf gewisse Mängel schliessen. Darum sollte man Nahrungsergänzungsmittel auch erst nach ärztlicher Absprache verwenden.

Momentan gilt es als sehr trendy, mithilfe von Trinkampullen, die Kollagen und Elasten enthalten, den Hautzustand zu verbessern.
Davon halte ich gar nichts. Es gibt dazu keine gut belegten Studien, die diesen Effekt im Anti-Aging-Bereich belegen. Aktuell wird bei diesen Produkten hydrolisiertes Rinderkollagen und marines Kollagen z.B. aus Fischhaut verwendet. Aber oft sind das nur Stoffe, die im Körper eine Kollagenbildung geringfügig erhöhen könnten. Statt Geld für teure Produkte auszugeben, die wenig oder gar nichts bringen, sollte man also besser gesunde Nahrung in guter Qualität kaufen.

Wie erklären Sie den Boom dieser Produkte?
Da unser Lebensstil leider oft durch Stress, verstärkte Belastungen, wenig Schlaf und unregelmässiges Essen geprägt ist, kommt schnell ein schlechtes Gewissen auf. Und dann scheint es halt einfacher zu sein, eine Ampulle oder Tabletten zu schlucken, als den Lebensstil zu ändern. Und das Älterwerden muss ja in unserer Zeit scheinbar mit allen möglichen Methoden aufgeschoben werden, selbst wenn sie nichts bringen.

Welche Vitamine und Mineralstoffe haben erwiesenermassen eine gute Auswirkung auf die Haut?
Antioxidantien schützen die Zellen. Und nur stabile Zellen können auch der Umwelt trotzen. Grüntee, sogenannte Polyphenole, Antioxidantien aus Tomatenextrakt, Lycopene, Vitamin C und E, der Pflanzenfarbstoff Beta-Carotin oder Alpha-Liponsäure können helfen, die Haut zu stärken.

5 Kommentare zu «Was die Haut wirklich schön macht»

  • Roberto sagt:

    Das beste für die Haut (und die Haare) sind – ideale Gene. Die bekommt man aber eher nach dem Zufalls-Prinzip. Selbst wenn die Geschwister das Glück hatten, gibt es nie eine Garantie. Von wem denn auch? – Dazu normale Ernährung, und normale Hautpflege (Hygiene). Sonst frage man doch einfach einen Dermatologen …..

  • Luca Planzer sagt:

    Meine Haare sind voll, meine Haut geschmeidig. Idealfigur. Sogar mehr als tip top. Mein Tipp: Bier trinken und ja, auch Fleisch essen, einfach ausgewogen.
    Und thats it. Bin 49.

  • Gerhard Engler sagt:

    „Zink, Protein und Eisen werden vermindert in den Lebensmitteln zu finden sein“. Lässt sich diese Behauptung irgendwie wissenschaftlich belegen? Ich glaube wohl kaum. Ich habe nur schon Mühe, mir ein Hühnerei mit reduziertem Proteingehalt vorzustellen.

    • Roberto sagt:

      Schon in der Leber hat es genug von allem drin. In anderen Dingen auch, einfach etwas niedriger dosiert. Wer ernährt sich denn schon vegan? – Eine klitzekleine Minderheit von Sektierern.

  • ri kauf sagt:

    Und WO ist das Antioxidantien aus Tomatenextrakt, Lycopene, Vitamin C und E, der Pflanzenfarbstoff Beta-Carotin oder Alpha-Liponsäure alles enthalten?

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.